Reibungsloser Ablauf

Die ersten 180 Solinger sind geimpft

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Der Solinger Allgemeinmediziner Dr. Werner Klur impfte die erste Bewohnerin.

Sonntag um kurz vor 12 Uhr erfolgte im evangelischen Altencentrum Cronenberger Straße die erste Impfung.

Von Timo Lemmer und Simone Theyßen-Speich

Solingen. Heute haben die ersten 180 Impfdosen gegen das Coronavirus die Klingenstadt erreicht. Sie wurden im Evangelischen Altencentrum Cronenberger Straße an Bewohner und Personal verabreicht. Um kurz vor 12 Uhr erhielt Bewohnerin Monika Muus die erste Impfung in Solingen:

Um 10.44 Uhr wurde am Sonntag der Impfstoff an der Cronenberger Straße angeliefert.

Sie freue sich, mit ihrer Bereitschaft zur Eindämmung der Pandemie beitragen zu können, erzählte sie. Der Solinger Arzt Dr. Werner Klur hatte ihr die Impfung verabreicht und vorher in einem Aufklärungsgespräch alles Wissenswerte vermittelt.

In den kommenden Tagen werden an der Cronenberger Straße noch die übrigen Bewohner und Mitarbeiter, die mit der ersten Fuhre nicht bedacht werden konnten, aber geimpft werden wollen, versorgt. In drei Wochen erfolgt dann die nötige zweite Spritze. In der Zwischenzeit wird aber schon in anderen Solinger Einrichtungen geimpft. „Die Kollegen und ich sind alle davon überzeugt, dass der Impfstoff die sinnvollste und hilfreichste Maßnahme ist“, sagte Dr. Klur beim Betreten des Seniorenzentrums. Insgesamt waren sieben Solinger Ärztinnen und Ärzte der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein samt medizinischem Personal vor Ort und führten die Impfungen parallel durch.

„Einfach klasse, dass die Ärzte so schnell bereit waren.“
Ute Stern, Ärztenetzwerk Solimed

Dr. Klur warb für die Impfung, deren Verabreichung für die Ärzte so einfach zu handhaben sei wie bei anderen Krankheiten auch: „Alle beschriebenen möglichen Nachteile sind geringer als die Folgen, die Corona verursacht.“ Der Allgemeinmediziner und seine Kollegen betraten dann zügig die Einrichtung, legten ihre Schutzausrüstung an und nahmen ihre Arbeit in den vorbereiteten Impfzimmern auf.

Solingen: Nachteile sind geringer als die Folgen, die Corona verursacht

Karin Götze, Leiterin des Altencentrums Cronenberger Straße, berichtete, dass in ihrer Einrichtung die wichtige Schwelle von zwei Dritteln Geimpfter klar erreicht wird: „Unter den 191 Bewohnern ist die Impfrate sehr hoch.“

Aus den 36 gelieferten Fläschchen konnten 180 Impfdosen gewonnen werden.

Nicht einmal zwei Dutzend Bewohner wollen nicht geimpft werden. Von den rund 250 Beschäftigten werden 166 Mitarbeiter eine Impfung vornehmen lassen.

In dem geschäftigen Treiben am Sonntag behielt Karin Götze Ruhe und Übersicht. „Etwa sieben bis acht Minuten sind durchschnittlich für eine Impfung veranschlagt“, sagte sie. Zur Injektion selbst kommen noch mögliche Beratungen – was auch schon im Vorfeld erfolgt war. „Wir haben Büros und Gesellschaftsräume in sechs Impfräume und zwei Wartebereiche für vorher und nachher umfunktioniert “, erklärte Götze.

Impfung im Altencentrum

 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
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 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
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 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier
 © Christian Beier

Die Impfärzte kannten die Einrichtung meist schon aus ihrem Mediziner-Alltag. Ute Stern vom Ärztenetzwerk Solimed betonte: „Einfach klasse, dass die Ärzte so schnell bereit waren. Wir haben am 23. Dezember abends und teilweise an Heiligabend angefragt.“ Dr. Klur sprach auch für seine Kollegen: „Das Wichtige bei diesem kurzfristigen Einsatz ist, dass die Familie es mitträgt.“ Das unterstreiche abermals, wie sinn- und wertvoll die Impfung sei.

Um 10.44 Uhr war der Fahrer des Spezial-Kühltransporters eingetroffen, der die 36 Flaschen – die nach Aufbereitung 180 Impfdosen ergeben – geladen hatte. Es handelte sich um den Impfstoffs Comirnaty, der unter dem Namen BNT162b2 von Biontech / Pfizer entwickelt und produziert worden war.

Gut geschützt bereitete sich das medizinische Personal auf den Einsatz vor.

Acht Minuten später saß der Lieferant schon wieder in seinem Lkw: Er müsse zurück zum Zentrallager und weitere Städte beliefern.

In NRW wurden mit der ersten Ausfuhr am Sonntag alle 53 kreisfreien Städte und Kreise bedacht. Das Solinger Altencentrum hatte erst am Dienstag davon erfahren, als erste Einrichtung an der Reihe zu sein. Götze: „Weil wir schon so weit alles vorbereitet hatten, was Aufklärung und Zustimmung angeht.“

Vom reibungslosen Ablauf überzeugte sich vor Ort auch Udo Stock, der für die Stadt die organisatorische Leitung des Impfzentrums übernommen hat. Die zweite und dritte Lieferung wird in Solingen für den 29. und 31. Dezember mit jeweils 627 Dosen erwartet. Nachdem bei der ersten Lieferung alle Städte die gleiche Menge Impfdosen erhalten haben, werden die weiteren Lieferungen abhängig von der Einwohnerzahl der Kreise und Städte verteilt.

Info

Gegen 16 Uhr waren am Sonntag alle 180 Dosen verabreicht. Es wurden 14 Bewohner geimpft, die übrigen 166 Impfungen erhielten Beschäftigte. Die restlichen 150 Bewohner, die eine Zustimmung zur Impfung gegeben haben, sollen noch geimpft werden. Bei zwei geimpften Personen traten leichte Reaktionen auf, die jedoch nach kurzer Zeit wieder abgeklungen waren.

Standpunkt: Transparent informieren

Von Simone Theyßen-Speich

Geheimer als ein Goldtransport nach Fort Knox ist die „Operation Impfen“ am Sonntag in Solingen abgelaufen. Es ist natürlich nachvollziehbar, dass die Organisatoren und Verantwortlichen aus dem Krisenstab die Gesundheit der Bewohner in den Seniorenheimen, die geimpft wurden, und ihren Persönlichkeitsschutz in den Vordergrund gestellt haben.

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Auch haben Ankündigungen von Corona-Leugnern und Impfgegnern, die in den sozialen Medien androhten, die Impftransporte zu stören, wohl für eine erhöhte Alarmbereitschaft gesorgt. Aber zum Glück ist es ja die überwiegende Mehrheit der Solinger Bevölkerung, die dem Impfen positiv gegenüberstehen, die hoffen und darauf setzen, dass der Sonntag einen positiven Wendepunkt in der Corona-Krise darstellt. 

Dieses Vertrauen in die Entscheidungen der verantwortlichen Politiker und Mediziner gilt es zu bestärken. Und das gelingt am besten mit transparentem Handeln und Zugang zu sachlichen, vertrauenswürdigen und objektiven Informationen. Denn die Impfkampagne wird nur zum Erfolg, wenn möglichst viele Menschen – gut informiert und überzeugt – sich daran beteiligen.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Solingen erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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