Förderung

Solingen erhält 2 Millionen Euro für digitale Modellprojekte

Auf vielbefahrenen Strecken wie der Schlagbaumer Straße kann Computertechnik den Verkehrsfluss beschleunigen. Foto: Christian Beier
+
Auf vielbefahrenen Strecken wie der Schlagbaumer Straße kann Computertechnik den Verkehrsfluss beschleunigen.

Land fördert fünf Regionen mit 91 Millionen Euro – Solingen bekommt vom Kuchen einen kleinen Teil ab.

  • Für die Jahre 2018 bis 2021 stehen 91 Millionen Euro zur Verfügung. 
  • Neben Wuppertal (mit Solingen und Remscheid) profitieren vier weitere Modellregionen von dem Geld.
  • Solingens Verkehrsmanagement etwa soll so künftig auf künstlicher Intelligenz basieren.

Von Andreas Tews

Solingen. Bei der Digitalisierung arbeitet die Stadt Solingen an zwei landesweiten Modellprojekten. Beim ersten geht es um Prozesse im Ausländer- und Integrationsbüro, die zum Aufbau eines neuen Service-Portals der Stadtverwaltung beitragen sollen. Beim zweiten soll unter anderem der Verkehrsfluss in der Stadt gesteuert und dadurch optimiert werden. Von den bisher landesweit bewilligten 51 Millionen Euro aus dem Topf des NRW-Förderprogramms „Digitale Modellkommune“ erhält Solingen für diese beiden Projekte 2 Millionen Euro.

Insgesamt stehen für die Jahre 2018 bis 2021 91 Millionen Euro zur Verfügung. Das Geld fließt in fünf Modellregionen. Dies sind neben Wuppertal (mit Solingen und Remscheid) auch die Städteregion Aachen, Gelsenkirchen (mit der Emscher-Lippe-Region), Soest (mit Landkreis) und Paderborn (mit Ostwestfalen/Lippe). Das bergische Städtedreieck soll sich dabei mit Wuppertal an der Spitze auf großstadtspezifische Themen konzentrieren.

Solingen: Steuersysteme im Straßenverkehr sollen Wartezeiten verkürzen

Eines betrifft den Straßenverkehr. Für ein Verkehrsmanagement, das auf künstlicher Intelligenz basiert, werden Solingen von den geplanten Gesamtausgaben von rund 400 000 Euro 360 000 Euro erstattet. Das Ziel ist nach Angaben des städtischen IT-Managers Nils Gerken, eine „intelligente, bedarfsgerechte sowie ökologisch angepasste Verkehrsflussoptimierung“. Er erklärt: „Die verschiedenen Verkehrsteilnehmer – Individualverkehr, öffentlicher Verkehr, Radverkehr und Fußgängerverkehr – haben alle unterschiedliche Bedürfnisse, die sich in vielen Teilen gegenüberstehen.“ Mit Hilfe künstlicher Intelligenz will die Stadt für alle die Warte- und Fahrzeiten und somit den Ausstoß von Schadstoffen reduzieren.

Darüber hinaus plant die Stadt, die ihr vorliegenden Geodaten (zum Beispiel digitale Stadtpläne, die mit weiteren Daten angereichert sind) auf einem „Datenmarktplatz“ zur Verfügung zu stellen. In aufbereiteter Form könne dieses Wissen für Smartphone- und andere Computeranwendungen, die mit Mobilität zusammenhängen, angeboten werden. Dabei sollen die Daten ständig aktualisiert werden. Dies kann laut Gerken unter anderem über Sensoren speziell ausgestatteter Fahrzeuge oder vernetzte Kommunikation geschehen. Dies komme wiederum der Geodaten-Infrastruktur der Stadt zugute.

Solingen: Ausländerbehörde arbeitet an automatisierten Verfahren

1,7 Millionen Euro (bei einem Projektvolumen von 1,9 Millionen Euro) erhält die Stadt als Zuschuss für Neuerungen in ihrem Arbeitsfeld Ein- und Auswanderung. Hier geht es laut Gerken um Prozesse, durch die Bürger Verwaltungsangelegenheiten über das Internet abwickeln können. Im Fokus seien hierbei zunächst modellartig drei Prozesse: die „Einbürgerung“ (einschließlich eines Schnelltests), Verpflichtungserklärungen und der Bereich Beschäftigungserlaubnisse bei Duldungen.

Solingen: Online-Serviceportal soll in einem Jahr in Betrieb gehen

Die Erkenntnisse aus diesem Modellprojekt können zum Aufbau eines neuen Service-Portals der Stadtverwaltung beitragen, das durch automatisierte Verfahren per Internet Bürgern Behördengänge ersparen soll. Der Start ist laut Gerken für Juni 2021 geplant. Dazu gehört zum Beispiel eine Postkorbfunktion, durch die Bürger mit Hilfe der „Mensch Solingen“-App Mitteilungen der Verwaltung elektronisch erhalten können. Auch Verfahren, über die sich Bürger digital ausweisen können (über Authentifizierung per Smartphone oder ein Video-Identifizierungsverfahren) sind vorgesehen.

Gearbeitet wird laut Gerken auch an neuen internen Softwarelösungen. Dabei werde im Integrationsbüro das städtische Dokumenten-Management-System zur rechtssicheren Speicherung und Archivierung von Dokumenten eingeführt.

Digitale Modellregionen

Digitale Projekte: Das Land NRW fördert fünf Modellregionen mit 91 Millionen Euro. Dies sind ihre Themenschwerpunkte:

Bergisches Städtedreieck: Großstadtprojekte („Smart City“) unter anderem zu Verkehrstechnik und digitalisierter Verwaltung.

Städteregion Aachen: internationale Kooperation.

Gelsenkirchen: smarte Vernetzung der Region.

Paderborn mit Ostwestfalen Lippe: Aufbau eines digitalen Serviceportals für Bürger.

Soest: Digitalisierung in ländlicher Region.

Standpunkt

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Andreas Tews

Computergesteuerte Verkehrstechnik, die dazu beiträgt, Staus zu vermeiden, ein digitalisiertes Rathaus, das Bürgern ermöglicht, viele kommunale Angelegenheiten über das Internet zu erledigen – das mag wie Zukunftsmusik klingen, ist aber schon heute technisch möglich. Die Kommunen hinken der Entwicklung hinterher. Darum ist es höchste Zeit, dass Städte wie Solingen sichere und verlässliche Verfahren entwickeln, um die „Smart City“ und die Digitalisierung der Verwaltung voranzubringen. Dabei ist wertvolle Zeit verloren gegangen. Seit Jahren ist man im Rathaus mit dem IT-Zweckverband Civitec unzufrieden, der sich um Computer und Software in der Verwaltung kümmert. Als Hemmschuh erweist sich diese Bindung nicht nur bei der Einführung der digitalen KfZ-An- und Ummeldung. 

In diesem Jahr soll endlich der Wechsel zu einem anderen Anbieter vollzogen werden, der die Stadt voranbringen kann. Dabei darf die Digitalisierung aber nicht zum Selbstzweck werden. Bei jeder Neuerung muss geprüft werden, ob die Bürger etwas davon haben oder ob sie Abläufe tatsächlich vereinfacht.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Solingen rutscht wieder unter die kritische Marke von 50 - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen rutscht wieder unter die kritische Marke von 50 - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen rutscht wieder unter die kritische Marke von 50 - Impfungen in Burg und Südpark
Live-Blog: Eschbachstraße bleibt vorerst gesperrt
Live-Blog: Eschbachstraße bleibt vorerst gesperrt
Live-Blog: Eschbachstraße bleibt vorerst gesperrt
Land ändert Verordnung: Corona-Regeln werden nicht verschärft
Land ändert Verordnung: Corona-Regeln werden nicht verschärft
Land ändert Verordnung: Corona-Regeln werden nicht verschärft
Brückensteig-Macher melden mehr als 6000 Buchungen
Brückensteig-Macher melden mehr als 6000 Buchungen
Brückensteig-Macher melden mehr als 6000 Buchungen

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare