Nach 46 Jahren bei der Stadt

Er hielt sechs Oberbürgermeistern den Rücken frei

Erwin Kohnke vor den Bildern mit früheren Oberbürgermeistern im Rathaus – sechs OBs hat er aus der Nähe kennengelernt. Foto: Christian Beier
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Erwin Kohnke vor den Bildern mit früheren Oberbürgermeistern im Rathaus – sechs OBs hat er aus der Nähe kennengelernt.

Erwin Kohnke, Leiter des OB-Büros, geht in den Ruhestand.

Von Andreas Tews

Solingen. Der Schreibtisch in Erwin Kohnkes Büro im Altbau des Rathauses ist voll. Kurz vor seinem Eintritt in den Ruhestand sei einfach noch vieles zu erledigen, sagt der 65-Jährige im ST-Gespräch. Mit dem gebürtigen Solinger scheidet einer aus den Diensten der Stadt aus, der zwar nie in der ersten Reihe stand, ohne den wohl aber vieles anders gelaufen wäre. Nach 46 Jahren Dienst im Rathaus tritt der Leiter des Oberbürgermeister-Büros ab.

Viele Jahre hat er sechs Oberbürgermeistern organisatorisch den Rücken frei gehalten. Dabei hatte er 1983 gezögert, als er gefragt worden war, ob er ins OB-Büro wechseln wolle. Elf Jahre war er damals schon bei der Stadt beschäftigt. Zwei Tage lang habe er überlegt, ob er in diesen „vornehmen“ Bereich des Rathauses wechseln wolle – und tat es dann doch. In verschiedenen Funktionen war Kohnke im OB-Büro tätig, bis er schließlich dessen Leiter wurde und es bis heute blieb – mit einer dreieinhalbjährigen Unterbrechung, als er ab 2012 Personalratsvorsitzender der Stadtverwaltung war.

Ich kann mir eine Ratssitzung ohne Erwin Kohnke nicht vorstellen.

Tim Kurzbach, Oberbürgermeister

Als Büroleiter war er immer nahe an den Oberbürgermeistern dran: von Georg Schlößer über Gerd Kaimer, Ulrich Uibel, Franz Haug und Norbert Feith bis zu Tim Kurzbach, der ihn 2015 ins OB-Büro zurückholte. Einer von Kohnkes Sprüchen ist: „Alle OBs sind gleich.“ Damit meint er, dass dieses Amt einen besonderen Personentypus anzuziehen scheint – nämlich diejenigen, die etwas bewegen und gestalten wollen, die gerne im Mittelpunkt stehen und dabei viel Kontakt zu den Solingern haben. Damit für den OB keine Termine vergessen werden, keine wichtigen Vorgänge liegenbleiben und er immer möglichst gut vorbereitet ist, aber auch um zu klären, welche Geschenke er zu besonderen Anlässen mitnimmt, ist ein ganzer Stab in seinem Büro tätig.

Ratssitzungen ohne Kohnke sind für viele schwer nachvollziehbar

Auch inhaltliche Hinweise habe er gelegentlich gegeben, berichtet Kohnke. Welche? Das bleibt ein Geheimnis, ist eine Sache des Vertrauensverhältnisses zwischen Büroleiter und Chef. So manches Mal hätten die Oberbürgermeister seinen Rat beherzigt, sagt der 65-Jährige, aber nicht immer. Für ihn sei das in Ordnung. „Am Ende fällt alles auf den Oberbürgermeister zurück“, sagt Kohnke. Darum müsse der entscheiden.

So war Kohnke keiner, der die Geschicke der Stadt maßgeblich bestimmt hat, der aber im Hintergrund an vielen Dingen beteiligt war. Geprägt haben ihn nach eigener Einschätzung der Brandanschlag von 1993, die Städtepartnerschaft mit Aue, die Flutkatastrophe im Sommer und die regelmäßige Verleihung der „Schärfsten Klinge“. Nicht nur inhaltlich, sondern auch, weil die Stadtverwaltung in diesen Fällen gut reagiert oder funktioniert habe.

Kohnke gehört zum Vorstand der Gerd-Kaimer-Stiftung.

Mit den Jahren hat Erwin Kohnke ein immenses Wissen über Solingen, die Stadtverwaltung und rechtliche Bestimmungen angesammelt. In den Sitzungen des Stadtrates kam es hin und wieder vor, dass die Oberbürgermeister ihn bei Verfahrensfragen heranzogen. OB Kurzbach sagte vergangene Woche im Rat: „Ich kann mir eine Ratssitzung ohne Erwin Kohnke nicht vorstellen.“ Manch einer kann sich gar das Rathaus ohne ihn nicht vorstellen.

Erwin Kohnke freut sich darauf, mehr Zeit für Privates zu haben

Kohnke schon. Der Job habe ihn zwar immer erfüllt. So langsam merke er aber altersbedingt, dass es für ihn immer anstrengender werde, dass ihm zunehmend die Geduld fehle. Jetzt seien jüngere Leute mit neuen Herangehensweisen an der Reihe.

Für die Zeit nach dem 30. Dezember, seinem letzten Arbeitstag im Rathaus, freut sich Kohnke darauf, mehr Zeit für Privates zu haben. Manche Dinge seien in den vergangenen Jahren liegengeblieben. Zum Beispiel warte ein kleiner ungepflegter Garten auf ihn.

Zur Person

Privat: Erwin Kohnke (65) ist gebürtiger Solinger, verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter.

Nachfolge: Kohnkes Nachfolgerin wird seine Ehefrau Hildegard Kohnke, die ebenfalls seit Jahren im OB-Büro tätig ist.

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