Entsorgung

Deshalb kommt so viel Müll nach Solingen

Endstation Solingen: Rund 2500 Mal pro Jahr fahren Lastwagen mit Abfall aus anderen Städten die Müllverbrennungsanlage an.
+
Endstation Solingen: Rund 2500 Mal pro Jahr fahren Lastwagen mit Abfall aus anderen Städten die Müllverbrennungsanlage an.

Tausende Tonnen Abfall aus anderen Städten landen im Müllheizkraftwerk. Das spart den Bürgern Geld.

Von Stefan Prinz

Solingen. Die Müllverbrennungsanlage der Technischen Betriebe in Solingen Mitte vernichtet nicht nur jede Menge Müll, sondern ist auch eine der wichtigsten Einnahmequellen der Klingenstadt. Dank der rund 50 Jahre alten Anlage können die Technischen Betriebe als 100-prozentige Tochter der Stadt jährlich einen Millionenbetrag an die Stadtkasse überweisen. Das hat auch ganz konkrete Auswirkungen für Solingens Bürger. Wir erklären die Hintergründe.

Warum wird in der Müllverbrennungsanlage Müll aus anderen Städten verbrannt? 

In der Anlage können jährlich 140 000 Tonnen Müll verbrannt werden. Allerdings kommen davon nur 60 000 Tonnen von Solinger Privathaushalten und Betrieben. Die Müllverbrennungsanlage hat also noch jede Menge freie Kapazitäten – rund 80 000 Tonnen. Deshalb haben die technischen Betriebe mit Firmen aus anderen Städten Verträge geschlossen, auch deren Müll zu verbrennen. Diese müssen dann dafür zahlen.

Verdienen die Technischen Betriebe am Verbrennen des fremden Mülls? 

Ja, sehr gut sogar. Die Verträge werden jeweils individuell ausgehandelt. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass Betriebe für jede Tonne angelieferten Müll mehr als 100 Euro zahlen müssen. Das macht bei 80 000 Tonnen Fremdmüll Einnahmen von rund 8 Millionen Euro pro Jahr.

Woher kommt dieser fremde Müll? 

Das lässt sich nicht auf einen Ort festlegen. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass der Müll aus einem Umkreis von 50 bis 60 Kilometer rund um Solingen angeliefert wird. Also auch aus dem Ruhrgebiet und aus Köln. Unter dem Strich sind das rund 2500 Lkw-Ladungen pro Jahr.

Profitieren die Solinger Bürger vom Verbrennen fremden Mülls in der Stadt?

Ja, zumindest finanziell. Denn die Gewinne aus der Müllverbrennung setzen die Technischen Betriebe auch dafür ein, die Gebühren niedrig zu halten. So kostet beispielsweise die Leerung einer 80-Liter-Restmülltonne in Solingen 257 Euro pro Jahr, in Köln dagegen mehr als 400 Euro. Außerdem wird bei der Müllverbrennung Fernwärme erzeugt, mit der die städtischen Gebäude geheizt werden. Damit spart die Stadt Heizkosten – und damit der Steuerzahler. Der Nachteil: Durch die Anlieferung gibt es zusätzlichen Lkw-Verkehr in der Stadt.

Wird der Müll komplett verbrannt? 

Grundsätzlich ja. Bei einer Verbrennungstemperatur von 800 Grad bleiben allerdings noch jede Menge Reste in der Anlage zurück. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein Drittel der Müllmenge als Asche und Schlacke zurückbleiben. Das sind rund 45 000 Tonnen pro Jahr.

Was passiert dann mit diesen Verbrennungsresten? 

Diese Reste kommen zumindest im Straßenbau als Unterbau der Fahrbahndecke zum Einsatz. Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass Solinger Autofahrer bei einer Fahrt quer durch Deutschland irgendwo auch über ihren eigenen Müll fahren.

Wie lange hält denn so ein Brennkessel?

In der Solinger Müllverbrennungsanlage gibt es zwei Brennkessel. Der ältere ist 25 Jahre alt. Derzeit wird geprüft, wie lange dieser Brennkessel noch einsetzbar ist. Die Lebensdauer solcher Brennkessel liegt in der Regel zwischen 25 und 50 Jahren. Eine Neuanschaffung kostet einen zweistelligen Millionenbetrag.

Das Solinger Müllheizkraftwerk

Im Müllheizkraftwerk (MHKW) werden Hausmüll und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle entsorgt. Bei der Verbrennung entsteht Dampf, der dann die Turbinen antreibt. So entstehen pro Jahr 76 000 Megawattstunden Strom und 40 000 Megawattstunden Fernwärme. 

Im Müllheizkraftwerk können Solinger Bürger Abfälle entsorgen. Es ist neben dem Entsorgungszentrum Bärenloch eine der zwei städtischen Abgabestellen.

Neben dem Müllheizkraftwerk soll ein neuer Wertstoffhof entstehen. Die Stadt lud zu einer Informationsveranstaltung, bei der viele Anwohner ihre Sorgen äußerten.

Auf dem Gelände des Müllheizkraftwerks peilen die Technischen Betriebe Neu- und Umbauten für 11,5 Millionen Euro an. Die TBS bauen in Solingen außerdem Wagenhallen und eine Werkstatt.

Martin Wegner, Leiter der TBS, über Gebühren für Straßenreinigung, Winterdienst und Müll, bei uns im Interview: "Die Kosten werden fair auf alle umgelegt."

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Lichtkunstfest blickt in Ohligs‘ helle Zukunft
Lichtkunstfest blickt in Ohligs‘ helle Zukunft
Lichtkunstfest blickt in Ohligs‘ helle Zukunft
Der Live-Ticker zur Bundestagswahl 2021 in Solingen: Ingo Schäfer (SPD) holt Direktmandat
Der Live-Ticker zur Bundestagswahl 2021 in Solingen: Ingo Schäfer (SPD) holt Direktmandat
Der Live-Ticker zur Bundestagswahl 2021 in Solingen: Ingo Schäfer (SPD) holt Direktmandat
Ingo Schäfer (SPD) gewinnt den Wahlkreis
Ingo Schäfer (SPD) gewinnt den Wahlkreis
Ingo Schäfer (SPD) gewinnt den Wahlkreis
PKW und Motorrad stoßen zusammen
PKW und Motorrad stoßen zusammen
PKW und Motorrad stoßen zusammen

Kommentare