Seniorenheime

Engpass in der Pflege – aber kein Notstand

Corona hat das Arbeiten in der Altenpflege verändert, die Lage aber nicht wesentlich verschlechtert. Symbolfoto: Christian Beier
+
Corona hat das Arbeiten in der Altenpflege verändert, die Lage aber nicht wesentlich verschlechtert.

Betreiber von Seniorenheimen berichten von der teils schwierigen Suche nach qualifiziertem Personal.

Solingen. Während der Corona-Pandemie sind vor allem die Pflegeberufe in den Fokus geraten. Neben der akuten medizinischen Versorgung in den Krankenhäusern debattiert die Gesellschaft auch darüber, wer die Alten und Kranken in den Seniorenheimen pflegt – und unter welchen Bedingungen.

So waren Wut und Enttäuschung groß, als klarwurde, dass eine erste Corona-Prämie nur an Krankenpflegerinnen und -pfleger (und auch dort nur an einige), nicht aber an die Pflegenden in den Altenheimen geht. Ob sich das bei einer zweiten Bonusrunde ändert, ist sehr ungewiss.

Abseits der Bonusdiskussion haben wir uns bei Pflegeträgern und -anbietern in den Solinger Heimen umgehört. Wie ist die personelle Situation? Gibt es einen Exodus aus dem Pflegeberuf, wie er andernorts zu beobachten ist? Die gute Nachricht: Nein, einen Pflegenotstand gibt es nicht. Wohl aber Engpässe.

So ist die Lage in den Solinger Einrichtungen

Kplus Gruppe: Zu Beginn der Corona-Pandemie schien es fast, als könne die Pflege auf lange Sicht von der Krise profitieren. Die Kplus Gruppe registrierte zumindest eine gestiegene Nachfrage nach Stellen in ihren Einrichtungen. Im Mittelpunkt standen dabei die schönen Seiten des Berufs und seine Bedeutung. Rund ein Jahr später stellt Pressesprecherin Cerstin Tschirner fest: „Der gesellschaftliche Enthusiasmus ist wieder abgeflaut. Wir stehen jetzt wieder dort, wo wir schon ohne Corona standen.“ Bedeutet: Die Lage ist angespannt, Nachwuchs fehlt.

In den sechs Einrichtungen der Kplus Gruppe seien aktuell zwölf Stellen nicht durch eigene Mitarbeiter oder mit langfristigen Verträgen besetzt. Das sei, erklärt Tschirner, eine vergleichsweise geringe Zahl. Nichtsdestotrotz reagieren die Einrichtungen in katholischer Trägerschaft auf die schwierige Situation: „Wir haben die Zahl der Ausbildungsplätze in der Pflege erweitert und werden das zukünftig noch einmal tun.“ Unter anderem ist geplant, die einjährige Ausbildung in der Pflegefachassistenz neu anzubieten. Die ist auch mit einem Hauptschulabschluss möglich und erlaubt es erfolgreichen Absolventen, eine dreijährige Ausbildung in der Pflege anzuschließen.

„Ja, Pflegekräfte sollten besser bezahlt werden – aber sie verdienen nicht schlecht.“

Peter Knoch, Geschäftsführer der Städtischen Altenzentren

Städtische Altenzentren Solingen: In den Einrichtungen der Stadt hat sich die Lage 2020 im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Das berichtet Geschäftsführer Peter Knoch. So seien Ende 2020 exakt 148,82 Stellen besetzt gewesen – dem standen lediglich 2,92 unbesetzte Stellen gegenüber. Im Jahr 2019 waren 142,38 Stellen in der Pflege besetzt, unbesetzt dagegen 5,39. Die Besetzungsquote in den Einrichtungen Eugen-Maurer-Haus, Elisabeth-Roock-Haus und Gerhard-Berting-Haus stieg also von 96,35 auf 98,08 Prozent.

„Das liegt vielleicht auch daran, dass wir 2019 mächtig die Werbetrommel gerührt haben“, berichtet Peter Knoch – auch auf Ausbildungsmessen und gezielt mit Videos für junge Menschen in sozialen Netzwerken. „Das hat sich ausgezahlt.“ Was Knoch in der aktuellen Diskussion manchmal zu kurz kommt: „Ja, Pflegekräfte sollten besser bezahlt werden – aber sie verdienen nicht schlecht.“ So habe es im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes gute Erhöhungen und Prämien gegeben. „Und das ist auch verdient“, sagt Knoch.

Caritas: Der Wohlfahrtsverband betreibt drei Altenzentren in Wuppertal und eine ambulante Pflege in Solingen. Sprecherin Susanne Bossy berichtet von allen vier Leitungen im Fachbereich Pflege: „Corona hat nichts verschlechtert bei der Personalsituation.“ Es gebe dieselben Probleme wie vorher. Vor allem sei es schwierig, qualifiziertes Altenpflegepersonal auf dem Markt zu bekommen. Unter anderem liegt das daran, dass eine ganze Reihe von Menschen bei Zeit- und Leiharbeitsfirmen angestellt ist“, berichtet Bossy. Bei einigen sei das beliebt, weil die Möglichkeiten für Teilzeit-Arbeit oder Arbeitszeiten ohne Wochenenddienste besser seien. „Es passiert aber auch immer wieder, dass Menschen in unsere Dienstgemeinschaft kommen wollen“, berichtet Bossy. Teilweise müsse man dann tief in die Tasche greifen und Ablöse bezahlen.

Gut sehe es in der Ausbildung aus. „Wir können lange nicht alle Bewerber einstellen. Das hat mich selbst verblüfft“, so Bossy. Das liege auch an guten Zukunftsaussichten und guten Verdienstmöglichkeiten bei Caritas und Diakonie. Generell habe die Umstellung der Ausbildung geholfen. Gelernt wird nun – nicht nur bei der Caritas – gemeinsam zwei Jahre lang der Beruf der Alten- und Krankenpflege. Erst dann muss man sich für eine Fachrichtung entscheiden.

Diakonisches Werk Bethanien: Auch für die Einrichtungen des Diakonischen Werks Bethanien spielt Ausbildung eine wichtige Rolle. „Wir kümmern uns aktiv um den Nachwuchs und bilden jedes Jahr junge Menschen aus“, erklärt Personalentwicklerin Peggy Evertz. Die Diakonie betreibt auf ihrem Gelände in Aufderhöhe eine Pflegeakademie.

Doch trotz der Bemühungen meldet auch Bethanien in der Pflege einige unbesetzte Stellen. Dank „strukturierter und zielgruppengenauer“ Rekrutierung von Fachkräften gelange man allerdings „in der Regel in keine personelle Notsituation“, betont Evertz.

Malteserstift St. Antonius: Auf vier Kräfte eines Personaldienstleisters müssen die Verantwortlichen des Malteserstifts St. Antonius derzeit wegen unbesetzter Stellen zurückgreifen. Dennoch beschreiben sie die aktuelle Personalsituation als „recht ausgeglichen“. Noch im vergangenen Jahr habe man drei neue Pflegefachkräfte anstellen können. Zudem habe die Belegschaft der Einrichtung trotz der erschwerten Bedingungen in der Corona-Pandemie die Treue gehalten. „Ich schätze mich insbesondere in diesen schwierigen Zeiten sehr glücklich, auf mein starkes Team zählen zu können“, betont Hausleitung Marion Huss.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Drei Raubüberfälle in Gräfrath, Ohligs und Mitte
Drei Raubüberfälle in Gräfrath, Ohligs und Mitte
Drei Raubüberfälle in Gräfrath, Ohligs und Mitte
Chefarzt der Lungenfachklinik: „Es gibt nach wie vor schwere Krankheitsfälle“
Chefarzt der Lungenfachklinik: „Es gibt nach wie vor schwere Krankheitsfälle“
Chefarzt der Lungenfachklinik: „Es gibt nach wie vor schwere Krankheitsfälle“
Nicole Müller macht Gassigehen zu ihrem Beruf
Nicole Müller macht Gassigehen zu ihrem Beruf
Nicole Müller macht Gassigehen zu ihrem Beruf
Corona: Inzidenzwert bleibt in Solingen unter 50
Corona: Inzidenzwert bleibt in Solingen unter 50
Corona: Inzidenzwert bleibt in Solingen unter 50

Kommentare