Kosten

Energiekrise: Vermietern drohen Liquiditätsprobleme

Ist es in einer Wohnung zu kalt, kann das nicht nur Folgen für die Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch für die Gebäudesubstanz haben. Wer für Schäden aufkommen muss, hängt von deren Ursachen ab.
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Ist es in einer Wohnung zu kalt, kann das nicht nur Folgen für die Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch für die Gebäudesubstanz haben. Wer für Schäden aufkommen muss, hängt von deren Ursachen ab.

Experten raten Mietern und Eigentümern, bei den Nebenkosten nach Kompromissen zu suchen.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Juliane Hilbricht hat unlängst Alarm geschlagen. „Es kann gut sein, dass Vermieter Probleme mit der Liquidität bekommen, wenn die Nebenkostenvorauszahlungen zu niedrig sind“, sagte die Leiterin des Stadtdienstes Wohnen im Sozialausschuss. Dr. Hans Reinold Horst teilt diese Sorge. Der Verein Haus & Grund Solingen, dessen Vorsitzender der Jurist ist, vertritt private Vermieter. Für viele von ihnen seien die Mieteinnahmen ein bedeutsames Zubrot, ein Zusatz zu Lohn oder Rente. Ihnen rät Horst, in Zusammenarbeit mit den Mietern Lösungen zu finden, um die Auswirkungen der Energiekrise gemeinsam zu stemmen.

Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Vorauszahlungen der Nebenkosten. Diese einseitig zu erhöhen, sei lediglich nach einer inhaltlich korrekten Abrechnung möglich, betont Funda Altun-Osterholt. Sie ist Geschäftsführerin des Mieterbundes Rheinisch-Bergisches Land. Dass der Vermieter höhere Abschläge an den Energieversorger zahlen muss, verpflichte den Mieter nicht, seine Vorauszahlung zu erhöhen. „Die tatsächlichen Kosten hängen schließlich vom Verbrauch ab“, erklärt die Rechtsanwältin.

Dazu auch: Wie man Energie sparen kann – und wie nicht

Nichtsdestotrotz rät der Verein seinen Mitgliedern in vielen Fällen dazu, mit dem Vermieter eine unterjährige Anpassung auszuhandeln. Das soll einerseits verhindern, dass der Eigentümer in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Anderseits können sich Mieter dadurch eine hohe Nachzahlung im kommenden Jahr ersparen.

Die Vorauszahlung zu erhöhen, erscheint also sinnvoll. Trotzdem mahnt Funda Altun-Osterholt, den Einzelfall zu betrachten. Ihr seien Wohnkonzerne bekannt, die die Summe pauschal verdoppeln wollten, ohne den Wert zu begründen. „Das ist natürlich happig.“ Doch gerade in privaten Mietverhältnissen lasse sich im guten Miteinander oftmals ein Kompromiss finden, mit dem beide Seite leben können.

Diese Erfahrung hat auch Hans Reinold Horst gemacht. Er rät seinen Mitgliedern, ihre Mieter transparent über den neuen Abschlagsplan des Energieversorgers zu informieren, um das Problem zu verdeutlichen. Er wirbt angesichts der Energiekrise für Geschlossenheit. Es sei nicht zielführend, wenn beide Seiten stur auf ihre Rechte bestehen. „Wenn der Druck von außen groß ist, muss man zusammenstehen“, zeigt sich der Vorsitzende von Haus & Grund überzeugt.

Juliane Hilbricht geht derweil davon aus, dass viele Vermieter im kommenden Jahr zeitnah eine Nebenkostenabrechnung vorlegen werden, um spätestens dann die Vorauszahlung erhöhen zu können. „Das kann ich mir gut vorstellen“, bestätigt Funda Altun-Osterholt.

Energiekrise: Immobilien können Schaden nehmen

Die Energiekrise bestimmt derzeit den Beratungsalltag von Mieterbund und Eigentümerverein. Ein Thema, das immer wieder aufkommt: die bauliche Substanz von Häusern und Wohnungen. Die kann Schaden nehmen, wird eine Immobilie im Winter nicht ausreichend beheizt. Eine mögliche Folge: Schimmel. In der „Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung“ des Bundes ist vorgesehen, dass Mieter die im Mietvertrag vorgesehene Mindesttemperatur wegen der Energiekrise nicht einhalten müssen. „Entstehen Schäden, sind sie aber trotzdem dafür verantwortlich“, erklärt Hans Reinold Horst. Vor diesem Hintergrund habe der Gesetzgeber den Verbrauchern keinen Gefallen getan, ist der Jurist überzeugt.

Arzt warnt: Zu kalt ist nicht gesund

Funda Altun-Osterholt bestätigt, dass Mieter für Mängel aufkommen müssen, wenn nachgewiesen wird, dass sie diese verursacht haben. In der Praxis sei häufig eine Kombination aus einer problematischen Bausubstanz und einem Fehlverhalten der Mieter festzustellen. Ihr seien derzeit jedoch auch Vermieter bekannt, die die Heizleistung eigenständig herunterfahren, um Energie zu sparen. So oder so seien zu niedrige Temperaturen kritisch – nicht nur für das Gebäude, sondern vor allem für Gesundheit und Wohlergehen der Bewohner.

Ansprechpartner

Mieter: Der Mieterbund Rheinisch-Bergisches Land zählt derzeit ungefähr 5200 Mitglieder in Solingen, Hilden, Haan, Mettmann, Erkrath und Langenfeld. Der Verein berät rechtlich und tritt als mietpolitische Interessenvertretung auf. Weitere Informationen gibt es im Internet.
www.mieterbundrbl.de

Eigentümer: Für Eigentümer in der Klingenstadt gibt es zwei Vereine: Haus & Grund Solingen sowie Haus & Grund Solingen-Ohligs. Beide setzen sich für die Interessen privater Haus- und Grundeigentümer ein.
www.hugso.de
www.haus-und-grund-solingen.de

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