Kälte

Energiekrise: Experten mahnen zur Vorsicht bei Heizöfen

Längst nicht alle alten Öfen sind ohne Weiteres wieder nutzbar. Feuerwehrchef Dr. Ottmar Müller (l.) und Schornsteinfeger Rolf Stelter warnen vor Experimenten beim Heizen.
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Längst nicht alle alten Öfen sind ohne Weiteres wieder nutzbar.

Feuerwehr und Schornsteinfeger befürchten, dass Menschen bei Kälte auf gefährliche Ideen kommen

Von  Axel  Richter und Kristin Dowe

Solingen. Sie hatten das Bad mit Handtüchern luftdicht abgedichtet. Kein Luftzug sollte hineindringen. Allerdings drang auch keine Luft mehr hinaus, während die Flamme in der Gastherme weiter brannte. Mit fatalen Folgen: Nach dem Duschen brach die Mutter zusammen – und danach die Tochter, die nach ihr hatte sehen wollen. Grund des Zusammenbruchs: hochgiftiges Kohlenmonoxid (CO).

An den Fall aus seiner aktiven Zeit als Feuerwehrmann erinnert sich Prof. Dr. Roland Goertz noch genau. Der Direktor des Feuerwehrwissenschaftlichen Instituts der Bergischen Universität Wuppertal hat deshalb schlimme Befürchtungen. „Je kälter der Winter und je teurer das Heizen wird, desto mehr Unfälle und auch Tote werden wir zu beklagen haben.“

Not macht erfinderisch. Deshalb befürchtet nicht nur der Professor, dass die Menschen sich für die kommende Heizsaison allerhand einfallen lassen, bevor sie wegen rasant steigender Gaspreise und Abschlagszahlungen womöglich im Kalten sitzen. Dafür spricht die gestiegene Nachfrage nach Heizlüftern, über die Baumärkte berichten.

Feuerwehrchef Dr. Ottmar Müller.

So hatte die Feuerwehr in Solingens Nachbarstadt Remscheid schon Fälle zu verzeichnen, in denen Menschen versuchten, ihre Wohnung mit einem Heizpilz oder gar einem Grill zu beheizen. Beides stellt eine erhebliche Brandgefahr dar und kann in geschlossenen Räumen leicht zu einer Kohlenmonoxidvergiftung führen – mit lebensgefährlichen Folgen, mahnt Goertz. Kohlenmonoxid entsteht überall dort, wo Gas, Holzkohle oder andere Brennstoffe unter Luftmangel verbrennen. Das Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos. „Und der Mensch saugt Kohlenmonoxid auf wie ein Schwamm.“ Bereits nach wenigen Atemzügen verliere der Mensch das Bewusstsein, bevor er erstickt, warnt der Brandschutzexperte.

„Der Mensch saugt Kohlenmonoxid auf wie ein Schwamm.“

Prof. Dr. Roland Goertz, Brandschutzexperte

Vergleichbare Fälle hatte die Feuerwehr in der Klingenstadt bislang glücklicherweise noch nicht zu verzeichnen, berichtet der Solinger Feuerwehrchef Dr. Ottmar Müller. „Wir befürchten allerdings, dass sich das bei weiter sinkenden Temperaturen ändern könnte.“ Deshalb verweist er auf die Empfehlungen des Deutschen Feuerwehrverbandes, der ebenfalls vor zweifelhaften Heizalternativen warnt.

Demnach müssen alte, reaktivierbare Feuerstätten in jedem Fall überprüft und erneut fachgerecht vom zuständigen Bezirksschornsteinfeger angeschlossen werden. Keinesfalls sollte dies etwa bei Kamin- und Kachelöfen in Eigenregie geschehen, heißt es. Bei technischen Mängeln bestehe ebenfalls die Gefahr einer Kohlenmonoxidvergiftung.

Auch von vermeintlichen Alternativen zu Brennholz wie Zeitungspapier, Sperrmüll oder Abfällen, die beim Verbrennen gesundheitsschädliche Emissionen verursachen können, rät der Feuerwehrverband dringend ab.

Wer in puncto Heizalternativen unsicher ist und einen alten Ofen möglicherweise wieder nutzen möchte, kann sich mit Fragen an seinen Bezirksschornsteinfeger wenden. „Es ist besser, wenn der Schornsteinfeger den Kamin mal im Vorfeld in Augenschein nimmt, da er ihn sowieso abnehmen muss“, sagt Rolf Stelter, bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger für die Stadtteile Gräfrath und Wald.

Schornsteinfeger Rolf Stelter.

Bereits seit Mai erhielten er und seine Kollegen zahlreiche Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern. „In manchen Fällen ist ein alter Kaminofen auch einfach nicht mehr nutzbar.“

Hintergrund

Das Solinger Stadtgebiet ist in 14 Kehrbezirke unterteilt, die der Schornsteinfeger-Innung für den Regierungsbezirk Düsseldorf zugeordnet sind. Ein Kehrbezirksverzeichnis bietet die Stadt Solingen auf ihren Seiten zum Download an. Mithilfe eines Stadtplans können Bürger dort Informationen finden, welcher Kehrbezirk für ihre Straße zuständig ist.

https://t1p.de/kc3j

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