Verkehr

Endlich ist die Wupperbrücke eröffnet

Im Juni 2019 startete der Neubau zwischen Solingen und Leichlingen. Seit Dienstag kann die neue Brücke befahren werden.
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Im Juni 2019 startete der Neubau zwischen Solingen und Leichlingen. Seit Dienstag kann die neue Brücke befahren werden.

Vier Jahre lang war der Verkehr zwischen Solingen und Leichlingen beeinträchtigt

Von Timo Lemmer

Solingen. Um kurz vor 15 Uhr am Dienstagnachmittag passierte das erste Auto aus Solingen kommend die neue Wupperbrücke zwischen Haasenmühle und Nesselrath. Die Stadt Solingen sowie der Rheinisch-Bergische Kreis als die Eigentümer sowie das Land als Fördergeber hatten zur Eröffnung des Neubaus geladen, der eine fast vierjährige Phase der beeinträchtigten Verbindung zwischen Solingen und Leichlingen beendete. „Wir freuen uns, nach guter Zusammenarbeit auf allen Ebenen, endlich hier stehen zu können“, sagte Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD), kurz nachdem das Eröffnungsband in Landesfarben durchtrennt war.

„Man merkt, dass Infrastruktur fehlt, immer erst dann, wenn sie fehlt.“

Frank Steffes, Bürgermeister von Leichlingen

Leichlingens Bürgermeister Frank Steffes (SPD) sowie Irmhild Schürhoff vom Rheinisch-Bergischen Kreis lobten die Zusammenarbeit ebenfalls. Die Amtsleiterin für Verkehr: „Wir sind froh, dass wir dank der 70-prozentigen Landesförderung für Abbruch und Neubau sowie der 60-prozentigen Landesförderung für die Behelfsbrücke so eine kostenintensive Maßnahme vollziehen konnten.“ Die Gesamtausgaben liegen bei etwa 6,3 Millionen Euro – und damit nach Angaben der Stadt etwa 450 000 Euro über den ersten Berechnungen. Stadt und Kreis als die beiden Eigentümer teilen sich den nicht geförderten Anteil des zweispurigen Neubaus, dessen Stützweite 58 Meter beträgt. Für die Region sei das ein sehr guter Tag, wie alle Protagonisten betonten. Steffes: „Man merkt, dass Infrastruktur fehlt, immer erst dann, wenn sie fehlt.“ Das habe man schmerzlich erfahren müssen. „Es war ein Schock, als die Brücke von einem auf den anderen Tag zu war“, erinnerte der CDU-Landtagsabgeordnete für den Rheinisch-Bergischen Kreis, Rainer Deppe.

Solingen: Behelfsbrücke muss noch zurückgebaut werden

Es passte zur Entstehungsgeschichte des neuen Bauwerks, dass pünktlich zur geplanten Eröffnung ein kräftiges Gewitter aufzog, das erst einmal alle Besucher zurück in ihre Autos scheuchte. Die letzte, wenn auch kurze Verzögerung in der Genese der neuen Brücke, deren Weg zur Eröffnung von Verzögerungen gepflastert war. Hochwasser oder Frost hatten immer mal wieder für wochenweisen Stillstand gesorgt. Diese Wetterbedingungen hätten eher untermauert, wie gut geplant worden sei, befand Steffes: „Dass selbst bei diesen Wetterereignissen hier nichts Schlimmes passiert ist, spricht für die gute Planung.“

Die Bürgermeister von Leichlingen und Solingen, Frank Steffes (l.) und Tim Kurzbach, durchtrennen das Eröffnungsband.

Ganz abgeschlossen sind die Maßnahmen zwischen Solingen und Leichlingen damit aber noch nicht: Der Auftrag für den Rückbau der Behelfsbrücke liegt aktuell bei der Vergabestelle und auch die Renaturierung muss noch erfolgen. Der Rückbau wird etwa drei Monate beanspruchen. Während dieser Zeit ist die neue Brücke durchgehend geöffnet, wenngleich hin und wieder Baustellenampeln zum einseitigen Verkehrsfluss eingesetzt werden müssen. Die Wipperauer Straße wird kurzzeitig ganz gesperrt werden müssen. Zur Renaturierung wird Schotter entfernt und ein neuer Oberboden aufgetragen. Dann folgt die neue Bepflanzung: Bereits kurzfristig werden Böschungen angebracht, während weitere Pflanzen erst im Herbst folgen – damit sie im Sommer nicht direkt verdursten. Ende 2021 sollen dann final alle Arbeiten erledigt sein.

Die letzten Leitbaken werden von den Technischen Betrieben Solingen weggeräumt.

An der neuen Brücke selbst fehlte zum Start allerdings nur noch eines: die Fahrbahnmarkierungen, die an einem Tag in den kommenden Wochen hergerichtet werden, so dass nur eine Fahrtrichtung geöffnet sein wird. Deren planmäßiges Aufmalen hatte – passend zur Entstehungsgeschichte der Brücke – der starke Regen der letzten Tage verhindert.

Wupperbrücke

Geschichte: Im Juni 2017 waren erhebliche Schäden am Bauwerk festgestellt worden: Bei der Spannbetonbrücke von 1959 war minderwertiger Spannstahl verwendet worden. Ab August 2017 rollte der Verkehr zur Gewichtsreduzierung einspurig über die Brücke. Im Dezember 2018 wurde die Behelfsbrücke, die den Verkehr an der Brücke vorbei lenkte, freigegeben. Im Juni 2019 startete der Neubau.

Kosten: Die 6,3 Millionen Euro seien noch nicht die Schlussrechnung, betonte Detlef Diekel von den ausführenden Technischen Betrieben. Die Kosten könnten sich aufgrund des noch nicht erfolgten Rückbaus der Behelfsbrücke noch leicht verschieben.

Standpunkt: Einfluss geltend machen

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Björn Boch

Der Brückenschlag zwischen Solingen und Leichlingen ist gelungen, die neue Wupperbrücke befahrbar. Endlich, sagen die einen. Das ging schnell, sagen die anderen – vor allem auf offizieller Seite. Fest steht, dass das Projekt halbwegs im Kostenrahmen geblieben ist. Fest steht aber auch: Damit ist nur eines von erwartbar vielen Problemen in diesem Bereich gelöst. Je nach Studie ist jede achte oder gar jede siebte Brücke in Deutschland marode – NRW steht im Bundesvergleich eher noch schlechter da. Brücken sind dabei so anfällig wie wichtig. Das gilt nicht nur für Lebensadern des Verkehrs wie die Rheinbrücke auf der A 1. Zu dieser schon bescheidenen Ausgangssituation gesellen sich die Pandemie und der mit ihr verbundene Kassensturz: Geld kann nur einmal ausgegeben werden, und die Verteilungskämpfe werden erbitterter. Da hilft es, wenn sich Kommunen zusammentun und Politiker Einfluss bei Land und Bund geltend machen können. Denn egal, wie die Verkehrswende aussieht und wer sich in Zukunft wie fortbewegt: Dass Brücken weiterhin gebraucht werden, ist offensichtlich.

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