„Verantwortbarer Schritt“

Ende der Maskenpflicht: Viele Schulleiter sind skeptisch

Ab kommenden Dienstag müssen Schülerinnen und Schüler in NRW im Unterricht keine Maske mehr tragen.
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Ab kommenden Dienstag müssen Schülerinnen und Schüler in NRW im Unterricht keine Maske mehr tragen.

NRW-Schulministerin hebt die Vorgabe zum Mund-Nase-Schutz am Platz ab Dienstag auf.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Ab kommenden Dienstag müssen Schülerinnen und Schüler in NRW im Unterricht keine Maske mehr tragen, wenn sie an ihren Plätzen sitzen. Das hat NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag mitgeteilt. Es gebe keinen übermäßigen Anstieg des Corona-Infektionsgeschehens an den Schulen. Nach Angaben des Ministeriums seien mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler und mehr als 90 Prozent des Lehrpersonals geimpft. Deshalb sei die Aufhebung der Maskenpflicht am Sitzplatz ein „verantwortbarer Schritt“.

Eine 50-Prozent-Impfquote bei den Schülern kann Andreas Tempel, Leiter der Alexander-Coppel-Gesamtschule und Vertreter der Schulform im Schulleitersprecherrat, für seine Schule nicht ausmachen. „In der Oberstufe liegt die Impfquote bei über 50 Prozent, in den Stufen 6 bis 10 ist sie aber sehr gering.“ Deshalb bedauert der Schulleiter die Aufhebung der Maskenpflicht am Sitzplatz. „Ich werde mit der Schülervertretung sprechen und hoffentlich eine Regelung finden, dass die Masken freiwillig weiter getragen werden. Klar ist aber, dass ich niemandem mehr verbieten kann, ohne Maske in der Klasse zu sitzen.“

Am Freitagvormittag wird der Schulleitersprecherrat per Video-Konferenz über das Thema diskutieren. Dessen Sprecher Joachim Blümer, Leiter der Theodor-Heuss-Realschule, erklärt: „Ich persönlich hätte mich gefreut, wenn die Maskenpflicht noch bis Weihnachten gegolten hätte, bei uns in der Schule hätte das niemanden gestört.“ Man müsse die Regelung nehmen, wie sie ist. „Ich gehe aber davon aus, dass viele Schülerinnen und Schüler die Maske zunächst freiwillig weiter tragen.“ Auch das Lehrpersonal werde wohl bei der Maske bleiben, weil der 1,5-Meter-Abstand in der Klasse im Gespräch mit Schülern oft nicht eingehalten werden könne.

„Aus pädagogischer Sicht ist das für die Kinder eine Erleichterung.“

Sabine Riffi, Schulleiterin

Blümer ist froh, dass die Quarantäne-Regeln in dem Zusammenhang nicht wieder verschärft wurden. Im Infektionsfall müssen geimpfte und genesene Schüler auch zukünftig nicht in Quarantäne, ungeimpfte nur dann, wenn sie in direkter Nachbarschaft des Infizierten saßen.

Auch die Leiterin des Mildred-Scheel-Berufskollegs, Gabriele Stobbe-Dibbert, betont: „Wir werden uns an die neue Vorgabe des Ministeriums halten.“ Allerdings seien an ihrer Schule in den Seiteneinsteigerklassen viele der Schüler mit Sprachdefiziten nicht geimpft. „Da überlegen wir, ob die Maskenpflicht eventuell beibehalten werden kann“, so Stobbe-Dibbert. Das werde am Freitag im Kollegium diskutiert.

Die wichtigsten Corona-Regeln in Solingen im Überblick

Für die Grundschulen sieht Sabine Riffi, Leiterin der Grundschule Uhlandstraße und eine von zwei Sprecherrat-Vertreterinnen, auch Vorteile des Wegfalls der Maskenpflicht: „Aus pädagogischer Sicht ist das für die Kinder eine deutliche Erleichterung.“ Die Mimik von Schülern und Lehrern sei wieder zu erkennen, das Aussprechen der Buchstaben einfacher: „Schule war neben Geschäften und Bussen der letzte Lebensbereich, in dem es noch Maskenpflicht gab“, so Riffi.

Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne) hätte noch gerne etwas länger an der Maskenpflicht festgehalten. „Masken sollten meines Erachtens weiter getragen werden, bis Schüler über 12 Jahren ausreichend geimpft und Impfangebote für jüngere Schüler da sind.“

Der SPD-Landtagsabgeordnete Josef Neumann teilte mit, es sei angesichts der aktuell wieder stark ansteigenden Infektionszahlen der „falsche Schritt“, die Maskenpflicht an Schulen aufzuheben.

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