Montagsinterview

Eltern sehen noch Handlungsbedarf bei der Digitalisierung

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Der neue Vorstand der Stadtschulpflegschaft über Erfahrungen aus dem Frühjahr, Betreuung und Pläne.

Das Gespräch führte Anja Kriskofski 

Sie sind Ende Oktober als neuer Vorstand der Stadtschulpflegschaft gewählt worden. Wie fand die Abstimmung angesichts der Corona-Pandemie statt?

Antonia Depner: Wir hatten die Jahreshauptversammlung als Präsenzveranstaltung im Pädagogischen Zentrum des Humboldtgymnasiums geplant. Aufgrund von rasant steigenden Infektionszahlen haben wir uns gegen eine Präsenzveranstaltung entschieden. Wir wussten, dass Jahreshauptversammlungen von Vereinen auch als Videokonferenz erlaubt sind und haben das dann via Zoom durchgeführt. Erfreulicherweise war dieses Format sehr erfolgreich. Wir hatten 42 Teilnehmer, und alle Schulformen waren vertreten.

Wie können Sie die Interessen von Eltern in dieser besonderen Situation angesichts von Kontaktbeschränkungen vertreten?

Carsten Ophoff wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Carsten Ophoff: Dank der technischen Möglichkeiten können wir weiterhin in Kontakt bleiben. Auch wenn es natürlich schöner ist, wenn man persönlich zusammensteht und sich austauscht. Wir wollen uns aber noch ein genaueres Bild machen wie die Haushalte in Solingen bei der Digitalisierung aufgestellt sind. Dabei geht es auch um die Frage nach der Medienkompetenz. Wir möchten Eltern als weiterer Akteur gerne unterstützen und Angebote machen, sich in dem Medium besser zurechtzufinden. Antonia Depner: Corona hat den positiven Effekt, dass sich immer mehr Schulpflegschaften Gedanken machen, wie sie erreicht werden können. Wir erweitern unsere Datenbank ständig. Eltern können uns per E-Mail kontaktieren.

Welche Themen brennen den Solinger Eltern aktuell unter den Nägeln?

Depner: Flächendeckend ist Digitalisierung das Hauptthema. Wichtig ist für Eltern auch, wie es bei der offenen Ganztagsbetreuung an den Grundschulen weitergeht.

Wie sehen Sie die Solinger Schulen beim Thema Digitalisierung aufgestellt?

Ophoff: Wir können nicht für alle Solinger Schulen eine verlässliche Aussage treffen. Wir möchten aktiv auf die Schulen zugehen. Aber im Moment können wir das nicht komplett überblicken. Ich glaube, wir sind bei der Digitalisierung auf einem guten Weg, aber es gibt sicherlich noch Handlungsbedarf in den Schulen und auch in den Elternhäusern.

Am Gymnasium Schwertstraße werden nun elternfinanzierte Tablets angeschafft. Was halten Sie vom flächendeckenden Einsatz im Unterricht?

Ophoff: Die Digitalisierung des Unterrichts birgt viele Chancen für unsere Kinder, und die Möglichkeiten sind immens. Auch die Rückmeldungen der Eltern fallen überwiegend positiv aus. Da es sich um elternfinanzierte Geräte handelt, müssen entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden, damit niemand benachteiligt wird.

Viele Eltern waren im ersten Lockdown unzufrieden mit der Betreuung ihrer Kinder durch die Schulen. Was ist an Kritik bei Ihnen angekommen, und wie haben Sie die Situation selbst erlebt?

Antonia Depner ist Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft.

Depner: Die fehlende Rückmeldung durch die Schulen an die Kinder war der größte Kritikpunkt. Die Erwartungshaltung war riesig. Es gab tatsächlich Eltern, die gedacht haben, der Lehrer meldet sich jeden Tag. Aber es gab auch Schüler, die wochenlang nichts von ihrem Lehrer gehört haben. Birgit Jansen-Howitz: Mein Kind war zu diesem Zeitpunkt an einer Grundschule, an der es besser lief. Die Kinder hatten mit der Lehrerin Kontakt. Das war positiv. Trotzdem war es für alle Beteiligten schwierig. Das Homeschooling der Kinder, während man zum Teil selbst im Homeoffice war, das war eine Herausforderung.

Hat sich die Betreuung durch die Schulen gebessert, zum Beispiel für Kinder in Quarantäne?

Depner: Das ist sehr individuell. Wir sind noch dabei, eine Bestandsaufnahme zu machen. Eine flächendeckende Einschätzung können wir noch nicht abgeben.

Wie bewerten Sie die Diskussion um den Solinger Weg? Sollten die Schulen unbedingt im Präsenzunterricht bleiben oder plädieren Sie für halbierte Klassen und ein Hybridmodell?

Depner: Die Stadtschulpflegschaft stand dem Vorhaben der Stadt Solingen von Beginn an grundsätzlich positiv gegenüber und hat die Entscheidung des Landes stark kritisiert. Ophoff: Nach unserer Einschätzung wäre die Maßnahme, neben den von der Stadt Solingen angebrachten Argumenten, zudem die Gelegenheit, die organisatorischen Vorkehrungen und technischen Systeme auf den Prüfstand zu stellen, bevor es gegebenenfalls erneut zum vollständigen Schul-Lockdown kommt. Durch den Distanz–Unterricht mit kleinerer Schülerzahl wäre man in der Lage, mögliche Probleme zu erkennen und nachzubessern.

Eine Elternbefragung hat 2019 ergeben, dass viele Eltern mit Migrationshintergrund sich im Schulsystem benachteiligt sehen. Wird die Stadtschulpflegschaft das Thema weiter verfolgen?

Depner: Wir haben das Thema zuletzt Anfang November bei einer Elternkonferenz mit über 50 Teilnehmern aufgegriffen. Sie haben in kleinen Gruppen ihre Erfahrungen ausgetauscht. Wie erleben Eltern Diskriminierung? Wie wirkt sich das aus? Was können wir dagegen tun? Wir haben verabredet, dass wir dieses Thema weiterverfolgen müssen. Es gibt Diskriminierung, es gibt Mobbing. Unser Ziel ist, mit dem Diakonischen Werk und dem Kommunalen Integrationszentrum weitere Schritte auszuarbeiten. Wir werden zunächst versuchen, auf digitalem Weg Unterstützung anzubieten. Jansen-Howitz: Wir verfügen über die entsprechenden Kontaktadressen. Betroffene können sich vertrauensvoll an uns wenden.

Welche Pläne haben Sie für die nächsten Monate?

Depner: Wir werden uns weiterhin um ein Rederecht im Schulausschuss bemühen. Man sieht gerade jetzt, wie wichtig es ist, den Eltern eine Stimme zu geben. Außerdem wollen wir uns mit anderen Stadtschulpflegschaften weiter vernetzen.

Birgit Jansen-Howitz ist ebenfalls Stellvertreterin.

Jansen-Howitz: Auch der Ausbau der OGS wird weiter Thema sein. Ab 2025 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsbetreuungsplatz an einer Grundschule. Derzeit könnte das räumlich, finanziell und personell nicht gewährleistet werden. Die Stadtschulpflegschaft möchte die OGS-Träger unterstützen, angemessene Grundlagen für die Umsetzung eines Rechtsanspruches auf den Weg zu bringen. Diesbezüglich gibt es noch viel zu tun, damit die Rahmenbedingungen geschaffen werden können.

Erst vor wenigen Tagen ging es im Schulausschuss darum, dass 2021 alle Schulen schnelles Internet bekommen sollen.

Gremium

Stadtschulpflegschaft: Das Gremium vertritt die Eltern schulpflichtiger Kinder in Solingen.

Mitglieder: Neben dem Vorstand aus Antonia Depner (Humboldtgymnasium), Birgit Jansen-Howitz (Albert-Schweitzer-Realschule) und Carsten Ophoff (Gymnasium Schwertstraße) gehören dem Beirat an: Patric Joerges (Erika-Rothstein-Schule), Stefan Schulte (Realschule Vogelsang), Nina Martino (Grundschule Gerberstraße), Kay Farthmann (Grundschule Wiener Straße), Britta Merkelbach (Carl-Ruß-Schule), Elina Voigthaus (Humboldtgymnasium), Jürgen Henneböle (Gymnasium Schwertstraße), Tanja Selbach (Geschwister-Scholl-Gesamtschule)

Kontakt:

www.solinger-stadtschulpflegschaft.de kontakt@solinger-stadtschulpflegschaft.de

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