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Eis wird zum kleinen Luxus zwischendurch

Angelika Szaban von der Eisdiele Eisbär in Ohligs hält die Sorten Erdbeere und Mango hoch.
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Angelika Szaban von der Eisdiele Eisbär in Ohligs hält die Sorten Erdbeere und Mango hoch.

Steigende Kosten für die Rohstoffe machen den Herstellern zu schaffen – vegane Sorten liegen im Trend.

Von Jonathan Hamm

Solingen. Wenn der Schnee in weiter Ferne liegt, sehnen sich die Menschen nach Eis. Egal ob in der Waffel, im Becher oder am Stiel: Eis ist eine der beliebtesten Speisen, wenn es draußen warm ist. Die Zeiten, in denen es wohlhabenden Menschen vorbehalten war und sich römische Kaiser Gletscherschnee aus den Bergen bringen ließen, sind lange vorbei.

Doch obwohl Eis heute in Supermärkten zu günstigen Preisen erhältlich ist, geraten Eiscafés nicht aus der Mode. Mehr als nur ein Geschäft, sind sie für viele ein Ort, um auf andere Gedanken zu kommen, zum Reden und zum Entspannen. „Nach dem Motto leben wir hier“, erklärt Toni Esposito vom Eiscafé Venezia in Gräfrath. „Bei mir hier ist nicht einfach: Eis holen, Tschüss, Feierabend.“ Es sei wichtig, sich Zeit für die Besucher zu nehmen, die für ihn in erster Linie Menschen und nicht einfach nur Kunden seien. „Wir müssen füreinander da sein und zusammenhalten“, wünscht er sich im Hinblick auf die aktuellen Krisen und Kriege. Einen positiven Beitrag dazu will das Eiscafé leisten.

Wir wissen nicht, wie es weitergeht.

Margherita Voltolin

Doch die Menschen gehen natürlich nicht nur in eine Eisdiele, um zu reden, sondern vor allem, weil sie wissen, dass das Eis dort hochwertig ist – und: Die Kunden haben die Wahl zwischen zahlreichen außergewöhnlichen Sorten. Neben den zeitlosen Klassikern, wie Schokolade, Vanille oder Erdbeere gibt es mittlerweile auch Geschmacksrichtungen, die den meisten aus dem kulinarischen und gastronomischen Angebot der Bar oder der warmen Küche bekannt sein dürften: Whisky Cream, Mojito oder Zitrone-Basilikum.

Veganes Eis ist in Solingen gefragt

Angelika Szaban von der Eisdiele Eisbär in Ohligs experimentiert gerne. Bei einem immer wechselnden Angebot mache sie das, worauf sie Lust habe, und lasse sich gerne inspirieren. Oft sei sie international unterwegs und suche den Austausch zu anderen Kreativen. Ein Eis-Trend habe derzeit jedoch weniger mit der Geschmacksrichtung als mit den Inhaltsstoffen zu tun. Aktuell sei veganes Eis gefragt.

Auch Angelika Szaban stellt Eis in Handarbeit her. Ausschließlich frische Produkte kämen dabei zum Einsatz. Die Verwendung von Fertigprodukten lasse sich mit den hohen Ansprüchen nicht vereinbaren. Doch das durchzuhalten werde immer schwieriger.

Die Inflation mache auch der Eisbranche zu schaffen, klagt Wolfgang Lamers. Die Einkaufspreise der Rohstoffe hätten sich zum Teil mehr als verdoppelt. Milch, Sahne, „alles, was wir brauchen“, sei teurer geworden. Aktuell arbeite man „fast an der Schmerzgrenze“. Zwar seien die Preise bereits angehoben worden, um die immer weiter steigenden Kosten abzufedern. Aber um wirtschaftlich arbeiten und die Qualität halten zu können, würde man für manche Sorten über drei Euro pro Kugel nehmen müssen. Das wolle man aber auch nicht. „Wir überlegen, verschiedene Sorten nicht mehr anzubieten.“

Bereits seit 1957 gibt es das Eiscafé Dolomiten in der Innenstadt. Seit mehr als 20 Jahren ist es fest in der Hand der Voltolinis. Geleitet von Inhaber Walter Voltolini und seiner Frau Margherita arbeiten im Familienbetrieb zahlreiche Verwandte. Der Chef macht das Eis höchstpersönlich und legt dabei sehr viel Wert auf Qualität. Erst wenn es ihm schmeckt, werde das Eis zum Verkauf angeboten. Neben dem Geschmack sei aber auch die Optik des Eises wichtig. „Kinder gucken auch nach Farben“, erklärt Margherita Voltolini.

„Wir müssen noch leben“, klagt auch sie im Hinblick auf die immer weiter steigenden Preise der Zutaten. Dabei erinnert man sich noch gut an andere Zeiten. Als der Euro eingeführt wurde, habe eine Kugel einen Euro gekostet. Nun hätte man erst vor kurzem die Preise wieder leicht anheben müssen. Aber nicht nur der Kostenanstieg bei der Warenbeschaffung, auch der von Strom und Gas mache ihnen zu schaffen. Doch es sei schwierig auf die neue Situation zu reagieren, denn man könne die Rezepte nicht so ohne weiteres verändern. Zutaten zu reduzieren oder ganz wegzulassen, sei nicht möglich, weil es den Geschmack des Eises zu sehr verändere. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, blickt Margherita Voltolini in die Zukunft.

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