Weihnachtsgeschäft

Einzelhandel in Solingen setzt auf das Heimatgefühl

Weihnachtsmärkte gibt es in diesem Jahr nicht. Doch die Solinger Schausteller sind – wie hier auf dem Alten Markt – mit wenigen Ständen aktiv. Der Handel setzt heute auf das „Heimatshoppen“. Foto: Michael Schütz
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Weihnachtsmärkte gibt es in diesem Jahr nicht. Doch die Solinger Schausteller sind – wie hier auf dem Alten Markt – mit wenigen Ständen aktiv. Der Handel setzt heute auf das „Heimatshoppen“.

Der Handel will mit Aktionen und Angeboten bei den Kunden punkten.

Von Philipp Müller

Solingen. Mandelduft und Glühwein würden an diesem Wochenende eigentlich die Weihnachtsmärkte prägen. Doch die Corona-Pandemie verhindert das – fast. Denn auf der Düsseldorfer Straße und auf dem Alten Markt finden sich trotzdem einige Buden der professionellen Solinger Schausteller. Überhaupt setzten die Händler im Weihnachtsgeschäft verstärkt auf den Heimatgedanken.

Dazu haben die Werbegemeinschaften in Wald, Ohligs und Mitte auch wieder die traditionelle Weihnachtsbeleuchtung aufgehangen. Doch das Geschäft war am ersten Adventswochenende noch längst nicht auf dem Niveau des Vorjahres. Daher unterstützt jetzt auch das Stadtmarketing der Stadt den Gedanken, lokal einzukaufen, mit der Kampagne „Der Weihnachtsmann shoppt in der Heimat!“

„Gerade in diesen aktuell schwierigen Zeiten ist es wichtig, den lokalen Handel und die Gastronomie vor Ort zu unterstützen“, betont Joachim Radtke vom Stadtmarketing Solingen. „Wir setzen deshalb auf die Solidarität der Bürgerschaft und darauf, dass sie lokale Angebote mehr nutzt als die der globalen Player.“

„Die Solinger Händler unterstützen Sport und Vereine.“
Waldemar Gluch, Initiativkreis

Ein Gedanke, den auch der frisch gewählte neue Vorsitzende des Initiativkreises Solingen, Waldemar Gluch, teilt. In dem Verein sind unter anderem die Werbegemeinschaften der Händler unter einem Dach vereint. Gluch appelliert an das Gewissen der Menschen in der Klingenstadt: „Viele Händler unterstützen mit den Einnahmen Sport, Kultur und Vereine in unserer Stadt. Fehlt es an Umsatz, wird das kaum noch möglich sein.“

Dabei sehen die Händler gar nicht einmal pessimistisch auf den heutigen Tag und die kommende Zeit. So erklärt Brigitte Kiekenap, die Vorsitzende der Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG): „Es gibt schon so etwas wie Adventsstimmung.“ Es sei zwar ruhiger und man könne teilweise die Glocken läuten hören, aber das passe auch in die Zeit. Die Ohligser Händler wollen gegen die Konkurrenz im Internet und der aus anderen Städten mit diesen Aktionen punkten: Es öffneten mehr als 30 Einzelhändler in der Adventszeit freitags bis 21 Uhr ihre Geschäfte. An den Adventssamstagen teilweise bis 16 Uhr.

„Händler bieten Lieferservice an.“
Brigitte Kiekenap, OWG

Außerdem hätten sich die Geschäftsleute der Zeit gestellt. „Von fast allen Händlern wird ein Lieferservice angeboten und von vielen die Möglichkeit des Online-Shoppings.“

In Wald gibt es sogar eine zentrale Abholstation für vorab gekaufte oder bestellte Geschenke und Waren. Rainer Francke, der Vorsitzende des Walder Werberings, geht ebenfalls optimistisch in den Endspurt des Weihnachtsgeschäfts. „Wir glauben, dass Corona auch dazu führen kann, dass der kompetente Einzelhandel vor Ort neu erlebt wird.“ Gerade die Weihnachtszeit sei dazu geeignet, den Kunden den Nutzen lebendiger Innenstädte und Stadtteilzentren zu zeigen. „Das meinen wir als positive Veränderung wahrzunehmen.“

Dieses neue Bewusstsein für den Handel und die Fachgeschäfte in Solingen will das Rathaus mit seiner gerade gestarteten Werbeaktion unterfüttern. Angekündigt würden mit der Kampagne auf vielen Kanälen wie Plakaten die weihnachtlichen Aktivitäten der Werbegemeinschaften oder Gewinnspiele wie die Rentierjagd in Ohligs. Zugleich wird ein Gewinnspiel um die Zahl der Mammuts in der Playmobil-Ausstellung im Schaufenster des ehemaligen Kaufhofs durchgeführt. 

Sonntage

Verkaufsoffene Sonntage wird es in der Adventszeit nicht geben. Das Oberverwaltungsgericht in Münster hatte nach einer Klage der Gewerkschaft Verdi eine Erlaubnis des Wirtschaftsministeriums NRW einkassiert.

Standpunkt

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Philipp Müller

Die Lichterketten in Solingen leuchten trotz Corona romantisch. Doch Corona will nicht so recht die volle Adventsstimmung aufkommen lassen. Das hatten die Solinger Händler am ersten Adventswochenende in der Ladenkasse gespürt. Da ist es aber ein gutes Zeichen, dass die Fachhändler weiter mit ihren Produkten gegen die anonyme Konkurrenz aus dem Internet punkten wollen. Digitale Angebote, ein Lieferservice, gar eine Abholstation sind dafür Belege. Vor einem Jahr wäre das so undenkbar gewesen. In den vergangenen neun Monaten hat sich vieles geändert. Oft nur im Kleinen. Resignation befällt den Handel noch nicht. Es sind die Perspektiven neuer Strukturen, die sie antreiben. 

Waldemar Gluch vom Initiativkreis liegt daher auch richtig, wenn er betont, die Solinger sollten das durch Kauflust honorieren. Denn es sind die lokalen Händler, die die neuen Trikots möglich machen, die beim Vereinsfest eine Band bezahlen und eben nicht die Online-Plattformen der nationalen und internationalen Konzerne. Die sind ihren Aktionären und in den seltensten Fällen der Bürgergesellschaft verpflichtet. Jetzt haben wir es als Nutznießer des lokalen Sponsorings selbst in der Hand, diesen Zusammenhalt unserer Stadtgesellschaft heute und bis zum Weihnachtsfest zu unterstützen. Die Solinger Händler haben sich dafür rausgeputzt. 

Der Einzelhandel leidet in der Corona-Krise. Doch es gibt auch Erfolgsmeldungen

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