Wirtschaft

Einzelhändler zieht es trotz Krise nach Ohligs

In das Gerry-Weber-Haus in der Ohligser City wird voraussichtlich ein Solinger Händler einziehen. Foto: Christian Beier
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In das Gerry-Weber-Haus in der Ohligser City wird voraussichtlich ein Solinger Händler einziehen.

Das Interesse an Ladenlokalen ist laut ISG ungebrochen – auch für das frühere Gerry-Weber-Haus gibt es wohl konkrete Pläne.

Von Kristin Dowe

Solingen. An Fantasien über ein Niedergangsszenario, in denen Ohligs im Zuge der Schließungen von Douglas und Gerry Weber der Entwicklung in der Solinger Innenstadt folgen könnte, will Gloria Göllmann sich nicht beteiligen: „Das Gegenteil ist der Fall“, macht die Geschäftsführerin der Immobilien- und Standortgemeinschaft Solingen-Ohligs (ISG) deutlich. „Wir hatten sogar während der Coronazeit mehrere Anfragen von auswärtigen Händlern, die sich nach Räumlichkeiten erkundigt haben, um sich mit ihrem Geschäft hier niederzulassen.“ Unter anderem habe ein Sushi-Anbieter aus Düsseldorf Ohligs in den Blick genommen, um zunächst einen Lieferservice aufzubauen, und liebäugle dafür mit Standorten an der Lennestraße oder der Düsseldorfer Straße.

„Die Verhandlungen laufen zurzeit noch.“
Gloria Göllmann, ISG-Managerin, über die Gerry-Weber-Nachfolge

Auch in das ehemalige Ladenlokal von Gerry Weber werde bald wieder Leben einkehren, versichert Göllmann, die sich mit Details vor der Vertragsunterzeichnung aber noch zurückhalten möchte. Diese stehe unmittelbar bevor. So viel sei verraten: „Es wird höchstwahrscheinlich ein Solinger Händler dort einziehen. Die Verhandlungen laufen zurzeit noch.“

Weiter gehe es auch in jenem leerstehenden Ladenlokal an der Düsseldorfer Straße, in dem früher die AOK untergebracht war. Dort hätte eigentlich schon Anfang April der Textildiscounter NKD eine Filiale eröffnen sollen – der Einzug hatte sich coronabedingt verschoben. „Ich gehe aber davon aus, dass es bald so weit sein wird. Die Räume sind auf jeden Fall vermietet“, betont Göllmann. Und auch das Objekt an der Bahnstraße 4, in dem früher eine Spielhalle untergebracht war, solle künftig umgenutzt werden. Der in Frankfurt lebende Eigentümer der Immobilie hege Pläne, dort einen sozialen Träger unterzubringen. „Er würde das Gebäude auch selbst renovieren und könnte sich vorstellen, in der oberen Etage Studentenwohnungen entstehen zu lassen. Das würden wir auch sehr befürworten“, hält Göllmann fest. Rosig sehe die Situation der Einzelhändler während der Corona-Pandemie trotz einiger kleiner Lichtblicke in Ohligs aber nicht aus, räumt sie ein. „Der Anteil der Kundschaft liegt aktuell vielleicht gerade mal zwischen 40 bis 60 Prozent. Gleichzeitig haben die Händler 100 Prozent ihrer regulären Betriebskosten zu tragen.“ Konzepte wie die Plattform „Solingen liefert“ hätten den wirtschaftlichen Schaden leicht mildern, aber keineswegs auffangen können.

Auch mancher Traum einer Geschäftsidee sei durch die Pandemie geplatzt. „Es gab zum Beispiel vor Corona die Anfrage eines Unverpackt-Ladens für Ohligs, der sein Interesse aber wieder zurückgezogen hat. Die hygienischen Anforderungen wären in der jetzigen Zeit wohl kaum zu erfüllen gewesen“, so Göllmann. Die Entscheidung sei zwar aber bedauerlich, aber nachvollziehbar gewesen.

Trotz der schwierigen Lage gibt sich Buchhändlerin Brigitte Kiekenap, Vorsitzende des Ohligser Werbe- und Interessenrings (OWG), mit Blick auf die Entwicklung der Ohligser Innenstadt und aktuell zehn Leerständen dort hoffnungsvoll: „Ein gewisses Maß an Fluktuation halte ich für normal.“ Die Lage sei nicht mit der Situation der Innenstadt zu vergleichen, da Ohligs starke Anziehungspunkte wie etwa das Galileum zu bieten habe und viele Unternehmen dort angesiedelt seien. Trotz seines vielfältigen Angebots gebe es im Portfolio des Stadtteils aber noch Lücken zu füllen. „Ich könnte mir zum Beispiel ein Lederwarengeschäft sehr gut vorstellen. Das gibt es in ganz Solingen gar nicht.“

Umgestaltung des Marktplatzes

Die Baustelle für die Umgestaltung des Ohligser Marktplatzes und der Düsseldorfer Straße soll – ungeachtet der Pandemie – plangemäß Ende des Jahres starten. „Wir gehen nächste Woche mit den drei Architekten in die Detailplanung“, kündigt ISG-Managerin Gloria Göllmann an. Im Vorfeld der Bauarbeiten werde es ein Besucherleitsystem sowie eine Anlaufstelle für die Solinger mit allen Informationen rund um das Projekt geben. Rund 4,5 Millionen Euro fließen in den Umbau.

Die Ladenlokale der meisten Geschäfte sind seit vergangener Woche geschlossen. Für den Solinger Einzelhandel bedeutet das einen in dieser Form nie dagewesenen Umsatzeinbruch.

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