Sieben Schulen setzen Klassenstärke hoch

Bei den Erstklässlern in Solingen wird es voll - GEW fordert doppelt Hilfe

Auch Kindness, Bliss und Purity (v.l.) hatten ihren ersten Schultag an der Grundschule Klauberg.
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Auch Kindness, Bliss und Purity (v.l.) hatten ihren ersten Schultag an der Grundschule Klauberg.

Die Gewerkschaft GEW kritisiert die hohen Klassenstärken. Es gibt einen Lösungsvorschlag, der doppelt helfen würde.

Solingen. 1767 Erstklässler aus Solingen hatten am heutigen Donnerstag ihren großen Tag: Sie feierten Einschulung. In ihren Klassen wird es voll. Was die Gewerkschaft GEW dazu sagt und welchen Lösungsvorschlag es gibt weiter unten im Text.

Auch für Emma Vieth ist heute ein wichtiger Tag: Die Sechsjährige wird an der Grundschule Aufderhöhe eingeschult. Emma ist eines von 1767 Solinger i-Dötzchen in diesem Jahr, der Jahrgang ist so groß wie seit Jahren nicht.

Um alle Kinder unterzubringen, musste an mehreren Grundschulen die Klassengröße auf bis zu 30 Jungen und Mädchen hochgesetzt werden. Die Grundschule Klauberg startet sogar erstmalig mit sechs ersten Klassen ins neue Schuljahr. So viele Züge haben in Solingen sonst nur die Gesamtschulen. 134 Kinder werden heute an der Klauberger Straße eingeschult.

Freut sich auf ihren ersten Schultag: die sechsjährige Emma mit ihrer Mutter Anne Vieth.

„Wir machen deshalb zwei Feiern“, sagt Rektorin Alexandra Neugebauer. Aus logistischen Gründen finde auch der Gottesdienst an der Schule statt. Die Leiterin der Grundschule Klauberg blickt dennoch gelassen auf den Schulanfang: „Wir sind Größe gewohnt und freuen uns auf die Schulneulinge.“ Wegen der Corona-Bestimmungen habe man schon in den vergangenen zwei Jahren die Begrüßung der Schulneulinge auf zwei Gruppen aufgeteilt. Auch diesmal finden die Feiern wieder auf dem neu gestalteten Schulhof statt.

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Die Grundschule Klauberg ist für fünf Züge, sprich Klassen pro Jahrgang, ausgelegt. Weil es im dritten Jahrgang aber nur vier Klassen gibt, habe man einen Raum für eine zusätzliche erste Klasse übrig. „Das ist in diesem Jahr eine Notsituation“, stellt Alexandra Neugebauer klar. Aber die habe man in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit dem Schulträger lösen können. Zudem habe die Grundschule eine weitere Lehrkraft bekommen.

Neben der zusätzlichen Klasse in Klauberg wurde an sieben Grundschulen die Klassenstärke auf bis zu 30 Kinder erhöht, teilt die Stadt Solingen mit: Am Rosenkamp, Gerberstraße, Aufderhöhe, Bünkenberg-Widdert, Kreuzweg, Erholungstraße und Stübchen. „Wir klären derzeit mit den einzelnen Schulen den notwendigen Unterstützungsbedarf“, erklärt Oliver Vogt, Leiter der Schulverwaltung, auf Anfrage.

Gewerkschaft GEW: Kritik und Vorschlag

Die Gewerkschaft GEW hat dazu am heutigen Donnerstag Position bezogen: „An einigen Solinger Grundschulen gibt es Eingangsklassen mit 28 und 29 Kindern“, bestätigt die Lehrergewerkschaft.

Das sei sowohl für die Kinder als auch für die Lehrkräfte eine extreme Herausforderung. „Die Kinder haben alle einen Anspruch auf individuelle Förderung. Wie soll das erreicht werden?“, fragt Dirk Bortmann von der GEW.

Die von der Stadt Solingen bisher erfolgten Hilfen reichen laut Bortmann bei weitem nicht aus. Die Solinger GEW schlägt vor, bereits an den Schulen vorhandene OGS-Kräfte im Vormittagsbereich als Unterstützung der Lehrkräfte zu beschäftigen.

GEW: OGS-Kräfte können keine Familie ernähren

Das sorge in doppelter Hinsicht für Entlastung: einerseits für die Schulen. Denn „diese Menschen kennen die Räumlichkeiten, die handelnden Personen und haben reichlich Erfahrung im Umgang mit Kindern.“ Andererseits würde eine solche Lösung auch den OGS-Beschäftigten sehr helfen: Sie seien heute „mit einem so geringen Stundenumfang beschäftigt, dass sich von diesen Einkünften keine Familie ernähren lässt.“ Diese Lösung kommt also beiden Seiten zugute: den Kindern und den OGS-Kräften.

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Auch in den weiterführenden Schulen sei die Situation aufgrund voller Klassen „angespannt, aber händelbar“. Der starke 1. Jahrgang in diesem Jahr wird 2026 an die weiterführenden Schulen wechseln: „Dann wird es auch dort Herausforderungen geben. Darauf bereiten wir uns vor und werden frühzeitig entsprechende Lösungen vorbereiten.“ Und: Im kommenden Schuljahr 2023/24 werde eine geringfügig niedrigere Zahl von Erstklässlern eingeschult, teilt Vogt mit.

Es bleibt dennoch voll in den Solinger Schulen. Hinzu kommt der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz, der ab 2026 zunächst für Erstklässler und ab 2029 für alle Grundschüler gilt. Die Betreuung an den Grundschulen muss folglich auch weiter ausgebaut werden. Aktuell gibt es vielerorts Wartelisten.

Emma Vieth wird die Übermittagsbetreuung an ihrer Grundschule besuchen. Mit ihrer Freundin Nele kommt sie in die Eulenklasse. Bei einem Spieltreff am vergangenen Samstag hat sie bereits ihre neuen Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die Klassenlehrerin kennengelernt. In den Sommerferien hat sie mit ihrer Mutter Anne Vieth auch schon den Weg zu Fuß von der Elternhaltestelle bis zur Grundschule Aufderhöhe geübt.

Mit dem neuen blau-pinken Schulranzen mit Unterwassermotiven und der gut gefüllten Schultüte mit dem Einhorn darauf wird Emma heute ihren ersten Schultag bestreiten. Im Anschluss feiert sie mit der Familie, Patentanten und -onkeln zu Hause. Worauf sich Emma am meisten freut? Aufs Lesenlernen: „Ich will meinem Bruder Paul Geschichten vorlesen.“

Zuzüge

Ukrainische Kinder: An 16 Schulen gebe es Willkommensklassen für Kinder aus der Ukraine. Darüber hinaus werden die Geflüchteten auch in den Regelklassen unterrichtet, heißt es aus dem Rathaus. Das ehemalige Hauptschulgebäude am Rennpatt in Ohligs werde nicht benötigt. „Es ist aber vorbereitet, um bei weiter steigenden Zahlen kurzfristig eine Klasse aufnehmen zu können“, teilt Schulverwaltungsleiter Oliver Vogt mit.

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