Vorsorge-Serie

Eine Versicherung schützt Vermögen und Einkommen

Die Kosten fürs Pflegeheim liegen in der Regel über den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Trotzdem sollte der Abschluss einer Zusatzversicherung gut überlegt sein, sagt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale.
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Die Kosten fürs Pflegeheim liegen in der Regel über den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Trotzdem sollte der Abschluss einer Zusatzversicherung gut überlegt sein, sagt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale.

Vorsorge im Alter: Wann ist eine zusätzliche Absicherung von Pflegekosten sinnvoll?

Von Sven Schlickowey

Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale

Solingen. Pflegebedürftigkeit bedeutet in vielen Fällen nicht nur eine emotionale, sondern auch eine finanzielle Belastung. Gerade bei einer stationären Unterbringung im Heim reicht die gesetzliche Pflegeversicherung nicht aus, um die Kosten zu decken. Helfen kann da eine Pflegezusatzversicherung, verspricht die Versicherungsbranche. Doch ganz so einfach ist das nicht, sagt Philipp Opfermann.

Der Jurist ist Referent für Finanzen und Versicherungen bei der Verbraucherzentrale NRW. Und er kennt die Tricks der Branche. Pflegezusatzversicherungen würden häufig über Emotionen verkauft, hat er beobachtet: „Da heißt es dann oft: Sie wollen ihren Kindern doch nicht auf der Tasche liegen.“ Davon, rät er, solle man sich aber nicht unter Druck setzen lassen. Sondern lieber sauber nachrechnen.

Fakt ist: Die Kosten fürs Heim liegen in Deutschland deutlich über den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. „Der Eigenanteil bei stationärer Pflege ist abhängig von der Pflegeeinrichtung, im Durchschnitt liegt er bei gut 2000 Euro“, sagt Opfermann. Zu tragen hat das in der Regel der Pflegebedürftige, zum Beispiel mit seiner Rente oder einem Vermögen. Reicht das nicht aus, springt das Sozialamt ein. Und das kann sich seine Vorleistung unter Umständen von Verwandten, vor allem von Kindern, zurückholen. Genau mit dieser Drohkulisse spielt so mancher Versicherungsvertreter.

Doch die Freigrenzen dafür sind hoch. Töchter und Söhne müssen zum Beispiel erst ab 100 000 Euro Jahresgehalt zahlen. Und auch Einkommen und Vermögen des Pflegebedürftigen werden nicht uneingeschränkt herangezogen. Ist von dessen Rente zum Beispiel ein Ehepartner abhängig, wird das berücksichtigt. Ähnliches gilt bei selbst genutzten Immobilien. „Mir ist kein Fall bekannt, wo Oma aus dem Haus geschmissen wurde“, sagt Philipp Opfermann.

Solche Pflegezusatzversicherungen seien in erster Linie ein Vermögensschutz, betont er. Gehe es zum Beispiel darum, eine Immobilie vor der Verwertung oder das hohe Einkommen des eigenen Kindes schützen, könne eine solche Versicherung helfen. Seien weder nennenswertes Vermögen oder entsprechend hohe Einkommen vorhanden, gebe es oft auch nichts zu schützen.

Philipp Opfermann rät dazu, das in Ruhe zu besprechen, am besten mit allen, die es betrifft, also auch mit den Kindern. „Daran hängen ja auch viele emotionale Themen. Und Themen, über die man nicht gerne redet.“ Statt zum Beispiel viel Geld zu investieren, um das Elternhaus abzusichern, könne man so erst einmal klären, ob die Kinder die Immobilie überhaupt nutzen wollen.

„Mir ist kein Fall bekannt, wo Oma aus dem Haus geschmissen wurde.“

Philipp Opfermann, Verbraucherzentrale

Führen diese Überlegungen dazu, dass man eine Pflegezusatzversicherung abschließen möchte, wartet die nächste Hürde. Denn der Markt ist, wie oft bei Versicherungen, unübersichtlich. Die Tarife seien nur schwer vergleichbar, sagt Philipp Opfermann. Entsprechend hoch sei der Aufwand, um die richtige Versicherung zu finden.

Neben Pflegekostenversicherungen, die unter bestimmten Voraussetzungen tatsächlich anfallende Pflegekosten auf Nachweis erstatten und eher ein Nischendasein fristen, gibt es auf dem Markt vor allem zwei unterschiedliche Varianten: Pflegerentenversicherungen und Pflegetagegeldversicherungen.

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Bei den Pflegerentenversicherungen handelt es sich um Lebensversicherungstarife. Das ist wichtig, weil deren Beiträge in der Regel nicht so stark steigen können. Abgesichert ist hier meist eine monatliche Rente, die ausgezahlt wird, wenn Pflegebedürftigkeit eintritt. „Das ist in vielen Fällen das teuerste Produkt“, sagt Opfermann. Doch es biete auch Vorteile. Neben der Beitragsstabilität sei das vor allem der Rückkaufswert, der in dem Vertrag entstehe. „Je nach Tarif gibt es Geld zurück, wenn der Vertrag gekündigt wird oder der Pflegebedürftige nach nur kurzer Pflegezeit verstirbt.“

Verbreiteter seien hingegen die Pflegetagegeldversicherungen, weiß Philipp Opfermann zu berichten. Hier wird ein Tagessatz abgesichert, der unter bestimmten Voraussetzungen gezahlt wird. Dabei orientieren sich die Versicherer häufig an den Pflegegraden der gesetzlichen Pflegeversicherung. Der höchste Satz wird für den höchsten Pflegegrad abgeschlossen. Für die Grade darunter stuft sich der täglich zu zahlende Betrag ab, je nach Gesellschaft um einen festen Prozentsatz oder individuell.

Allerdings seien Pflegetagegeldversicherungen Krankenversicherungstarife, gibt Opfermann zu bedenken. Und hier können die Beiträge stark steigen. Das sei derzeit bei einigen älteren Tarife zu beobachten, berichtet der Versicherungsexperte: „Viele Kunden, die vor Jahren einen Vertrag abgeschlossen haben, können sich den heute kaum noch leisten.“

Die Definition von Pflegebedürftigkeit

Neben der grundsätzlichen Systemfrage gebe es zahllose Details zu berücksichtigen, sagt Opfermann. Zum Beispiel Gesundheitsfragen, die unterschiedlich umfangreich ausfallen. Oder Wartezeiten, also Phasen nach dem Abschluss der Versicherung, in denen noch kein oder nur ein eingeschränkter Versicherungsschutz besteht.

Und auch die Definition von Pflegebedürftigkeit kann wichtig sein. Hier gelten zumeist die Regeln der sozialen Pflegeversicherung. Stellt also der medizinische Dienst der Krankenkasse eine Pflegebedürftigkeit, so gilt diese auch für die zusätzliche private Pflegeversicherung. Doch was ist, wenn sich die gesetzlichen Voraussetzungen ändern, wie vor ein paar Jahren, als aus drei Pflegestufen fünf Pflegegrade wurden? Oder wenn der Pflegebedürftige dauerhaft ins Ausland zieht?

So bleibt am Ende fast keine Möglichkeit, als sich durch den Berg der Angebote zu wühlen. Oder wühlen zu lassen, wie Philipp Opfermann vorschlägt. Hier könnten die Versicherungsberater der Verbraucherzentrale helfen, sagt er. Deren Hilfe kostet zwar Geld, aber sicher weniger als der falsche Tarif.

Die Folgen:

1. Die gesetzliche Rente

2. Private Altersvorsorge: Die richtige Strategie

3. Private Altersvorsorge: Produktwelt

4. Pflegegrade

5. Pflegekosten

6. Vorsorgevollmacht

7. Patientenverfügung

8. Das Testament

9. Zehn Dinge, die nach dem Todesfall zu regeln sind

10. Was passiert mit der Wohnung?

11. Tabu Sterbehilfe, die Rechtslage in Deutschland

12. Das digitale Erbe

13. Wie Trauerredner trösten

14. Was kostet die Bestattung?

15. Alternative Formen der Bestattung

16. Wenn der Partner stirbt, wann zahlt welche Versicherung?

17. Im Hospiz soll niemand allein sterben

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