100. Geburtstag

Eine Männerfreundschaft: Solinger Künstler Curt Beckmann und Dichter Wolfgang Borchert

In verschiedenen Versionen zeichnete der Solinger Künstler Curt Beckmann seinen Hamburger Freund, den Dichter Wolfgang Borchert. Fotos: Archiv/rom
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In verschiedenen Versionen zeichnete der Solinger Künstler Curt Beckmann seinen Hamburger Freund, den Dichter Wolfgang Borchert.

Was den Dichter Wolfgang Borchert mit dem Solinger Künstler Curt Beckmann verband.

Von Wilhelm Rosenbaum

Der Solinger Künstler Curt Beckmann.

Er war in der Nachkriegszeit das literarische Idol der Nachgeborenen, der Hamburger Wolfgang Borchert, dessen 100. Geburtstag am 20. Mai an ihn erinnert. Gemeinsam mit dem Kölner Heinrich Böll und dessen Erzählungen wurde Borcherts expressive und doch sensible Lyrik zur Standardlektüre in der jungen Bundesrepublik. Ganze Generationen von Solinger „Oberschülern“ haben seinen flammenden Protest gegen alle Kriege der Welt, sein epochales Drama „Draußen vor der Tür“, gelesen.

Mit diesem – seinem einzigen – Theaterstück verbindet sich auch eine tiefe Freundschaft zu einem berühmten Solinger Bildhauer, zu Curt Beckmann. Die beiden hatten sich im kriegszerstörten Hamburg kennengelernt, Borchert besuchte den Solinger häufig in dessen Atelier in Alsterdorf und diskutierte mit ihm über seine Arbeiten. Viele dieser Zeichnungen hingen später auch in der Wohnung der Borcherts.

Selbst bei seinen zahlreichen Krankenhausaufenthalten hängte der Dichter Grafiken des Freundes auf, zum hellen Entsetzen der verschreckten Krankenschwestern, die diesen imposanten Frauengestalten Beckmanns, der in der Düsseldorfer Kunstszene als „Zement-Rubens“ Furore machte, mit offenem Missfallen begegneten.

Die Premiere von „Draußen vor der Tür“ musste am 21. November 1947 in den Hamburger Kammerspielen der legendären Theaterprinzipalin Ida Ehre ohne den Autor Borchert stattfinden, denn der starb am Tag zuvor 26-jährig nach einem längeren Klinikaufenthalt in Basel. Bei der Uraufführung erlebte sein Solinger Freund im Publikum dann eine seltene Ehrung, denn Borchert hatte seinem heimkehrenden Anti-Kriegshelden den Bühnen-Namen „Beckmann“ gegeben - ein außergewöhnliches Zeugnis für eine besondere Verbundenheit.

In Höhscheid erinnert die Borchertstraße an den Dichter

Curt Beckmanns Frau Babette hat übrigens Jahrzehnte später auf der Grabstätte Borcherts, auf dem riesigen Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg, zum Gedenken eine kleine Bronzeplastik ihres Mannes aufstellen wollen, aber das ließ die hanseatische Friedhofsordnung damals leider nicht zu. Die Stadt Solingen erinnert an den Dichter mit ihrer Borchertstraße in Höhscheid.

Hintergrund

Wolfgang Borchert: Der Schriftsteller (1921-1947) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der bekanntesten Vertreter der sogenannten Trümmerliteratur. Sein Werk umfasste Kurzgeschichten, Gedichte und ein Theaterstück.

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