Nach zwei Verlängerungen der Amtszeit

Ein Überzeugungstäter verlässt das Rathaus

Stadtdirektor Hartmut Hoferichter sieht Solingen auf dem Weg nach oben. Das Foto entstand im Rathaus-Neubau, der während seiner Amtszeit entstand und 2008 eröffnet wurde. Foto: Christian Beier
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Stadtdirektor Hartmut Hoferichter sieht Solingen auf dem Weg nach oben. Das Foto entstand im Rathaus-Neubau, der während seiner Amtszeit entstand und 2008 eröffnet wurde.

Stadtdirektor Hartmut Hoferichter geht nach 20 Jahren als Beigeordneter in den Ruhestand.

Von Andreas Tews

Solingen. Im Rathaus ist es abends oft das Büro von Hartmut Hoferichter, in dem noch spät Licht brennt. Manch ein Gesprächspartner – auch unter den Journalisten der Stadt – wunderte sich bisweilen, wenn ein Rückruf des Stadtdirektors weit nach den in der Stadtverwaltung üblichen Dienstschlusszeiten erfolgte. Dies belegt drei Tugenden des 67-Jährigen: Er zeigt viel Einsatz, erledigt vieles gerne selbst, und er ist zuverlässig. Ende des Jahres geht Hoferichter nach 20 Jahren als Beigeordneter der Stadt Solingen in den Ruhestand.

Und das mit Verspätung: Zweimal hatten ihn Rathausspitze und Politik gebeten, noch einmal zu verlängern. Zweimal sagte er „Ja“. Jetzt ist aber Schluss: Am 30. Dezember verlässt Hoferichter endgültig die Brücke des Rathauses.

Den Verlängerungen hatte der in Hamm geborene Hoferichter zugestimmt, weil es sein Pflichtbewusstsein nicht anders zugelassen hatte. Wer ihn genauer kennt, dem ist bewusst: Ihm war nicht nur wichtig, dass er das Rathaus nicht mitten in einer damals beginnenden Pandemie verlässt. Er wollte auch einiges zu Ende bringen. „Mir war wichtig, dass wir eine grundsätzliche Zustimmung zur Städtebauförderung in Mitte und Wald erhalten“, sagt Hoferichter. Dies sei geschafft. Auch im Umweltbereich, vor allem bei der Anpassung an den Klimawandel, sei noch viel zu tun gewesen. Auch die Direktvergabe des öffentlichen Busnetzes an die Solinger Stadtwerke wollte er noch in die Wege leiten.

So war seine Zeit bei der Stadt Solingen

An viele dieser Vorhaben war 2001, als Hoferichter in Solingen angefangen hat, noch nicht zu denken. Weil das jetzige Rathaus am Walter-Scheel-Platz noch nicht stand, war sein Büro zunächst im alten Rathaus in Wald. „Das war zunächst ziemlich gewöhnungsbedürftig“, blickt er mit einem Lächeln zurück. Kam er doch von der Stadtverwaltung in Köln, bei der er in dem damals recht neuen Rathaus im Stadtteil Deutz untergebracht war. Das Arbeiten in Solingen sei aber trotzdem damals schon „nicht schlecht“ gewesen, schildert er in der ihm eigenen trockenen Art.

Schon in den Anfangsjahren war er als Stadtplanungsdezernent stark gefordert. Die vielen Vorhaben des Landesförderprogramms „Regionale 2006“ mussten gestemmt werden. Dies war aus seiner Sicht das Projekt mit der wohl größten Wirkung für die gesamte Stadt. Es entstanden die Busbahnhöfe am Graf-Wilhelm-Platz und am Ohligser Bahnhof, der Müngstener Brückenpark, der Südpark, zwei neue Bahnhaltepunkte in Solingen-Mitte und Grünewald und die Korkenziehertrasse.

In der Nachbarstadt Remscheid, die neben Wuppertal ebenfalls an der Regionale beteiligt war, schaute man neidisch auf den Erfolg des Programms in Solingen. „Wir haben dafür eine eigene Gesellschaft gegründet“, blickt der Stadtdirektor zurück. „Das war einer der Gründe dafür, dass es so gut gelaufen ist.“

Diese Projekte hielten Hoferichter in den 20 Jahren auf Trab

Schnell ereilte ihn in den Folgejahren auch die Debatte um eine Schließung der Karstadt-Filiale am Neumarkt. „Das war ein Kampf“, sagt Hoferichter. Schon damals wollte man diesen Bereich als Einzelhandelsschwerpunkt sichern. Eine neue Entwicklung wie mit dem jetzigen Hofgarten-Einkaufscenter war noch nicht abzusehen. Darum habe er den Weggang Karstadts seinerzeit als Verlust empfunden.

Weitere Großprojekte der Ära Hoferichter sind die Sanierung von Schloss Burg und das Programm „City 2030“. Er betont: In der Solinger Innenstadt seien private Investoren aber mehr gefordert als bei anderen Themen.

Manches konnte er trotz der beiden Verlängerungen doch nicht vollenden. Gerne hätte er in seiner Amtszeit zum Beispiel noch den Baustart für das Hotel am Hauptbahnhof in Ohligs erlebt. Doch Corona brachte Verzögerungen und machte ihm da einen Strich durch die Rechnung.

Hoferichter bleibt noch nach dem 30. Dezember im Rathaus - Das ist der Grund

Auch im Ruhestand will der 67-Jährige nicht untätig sein. „Es gibt Anfragen aus dem ehrenamtlichen Bereich“, verrät er. Und die eine oder andere dieser Aufgaben könne er sich auch vorstellen. Seine Tätigkeiten im Vorstand der Landesinitiative Baukultur und im Städtebaubeirat der Stadt Bonn werde er ebenfalls noch einige Zeit fortsetzen. Auf jeden Fall werde er mit seiner Frau in Solingen bleiben. Von der Stadt und ihren Zukunftsaussichten ist er überzeugt: „Ich habe immer gerne für diese Stadt gearbeitet.“

Doch Hartmut Hoferichter wäre nicht er selbst, wenn er nicht nach dem 30. Dezember, seinem letzten Diensttag, doch noch ein bisschen bleiben würde. Bis Ende März bleibt er neben Carsten Zimmermann in der Geschäftsführung der Stadtentwicklungsgesellschaft. Auf seinen Nachfolger Andreas Budde komme am Anfang so viel zu – unter anderem im Bereich des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr –, dass er ihn da entlasten wolle, sagt der scheidende Stadtdirektor.

Sein Büro im dritten Stock des Rathauses am Walter-Scheel-Platz wird er am 30. Dezember aber räumen. Hoferichter: „Wahrscheinlich werde ich noch einmal einen letzten Blick in die Räume werfen, bevor ich das Licht ausmache.“

Zur Person

Privat: Hartmut Hoferichter (geboren in Hamm) ist 67 Jahre alt und verheiratet. Er lebt seit 20 Jahren in Ohligs.

Beruf: Seit 2001 ist Hoferichter Bau- und Planungsdezernent bei der Stadt Solingen. Als Erster Beigeordneter (Stadtdirektor) ist er seit 2005 auch allgemeiner Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Hoferichter ist als Dezernent für die Ressorts Planung, Bauen, Verkehr und Umwelt verantwortlich. Vor seiner Solinger Zeit war er 17 Jahre bei der Stadt Köln, davon zuletzt sechs Jahre lang als Leiter des Planungsamtes.

Nachfolger: Ins Amt des Planungsdezernenten folgt ihm Mitte Januar Andreas Budde. Wer Stadtdirektor wird, ist noch nicht klar.

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