Deutschlands ältester Männerchor

Bergischer Männerchor: Ein Rückblick auf 220 Jahre Solinger Chorgesang

1901 feierten die Meigener ihr 100-jähriges Bestehen. Nach 220 Jahren endete eine Ära zum 1. Januar 2022. Foto: Bergischer Sängerkreis Solingen-Meigen 1801
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1901 feierten die Meigener ihr 100-jähriges Bestehen. Nach 220 Jahren endete eine Ära zum 1. Januar 2022.

Am 1. Januar 2022 löste sich Deutschlands ältester Männerchor auf. Die stimmgewaltigen Männer aus Meigen machten seit 1801 Musik.

Von Wilhelm Rosenbaum

Solingen. Dieser Verein gehörte zum alten Solingen wie das Mühlenplätzchen, wie die Riesenbrücke in Müngsten oder die vertraute heimische Mundart, die die „Hangkgeschmedden“ literarisch ins 21. Jahrhundert hinüberretten: Ein Stück Kultur, made in Solingen, auf das die Klingenstadt immer mit berechtigtem Stolz blickte, ist jetzt Geschichte geworden. Denn mit dem neuen Jahr ist eine außergewöhnliche Musik-Tradition zu Ende gegangen, die in Meigen vor 220 Jahren begann und mit dem Meigener MGV den ältesten deutschen Männergesangverein beherbergte.

Er war in all den Jahren ein wirkliches Aushängeschild unserer Stadt, und dass zunehmend gravierende Nachwuchssorgen wie auch spürbare Pandemie-Folgen letztlich den Auflösungsbeschluss im vergangenen Dezember beförderten, ändert nichts an den vielen schönen Erinnerungen, die die Sänger und ihr Publikum zuhause und weit über die Wuppergrenzen hinaus verbinden. So ist dieser Rückblick auf internationale Chorfestivals, auf Advents- und Benefizkonzerte, auf eigene Schallplatten und auf Auslandsreisen zu befreundeten Chören eigentlich ein Kompliment für eine eingeschworene Gemeinschaft, die ihre Wurzeln schon in der Goethezeit hatte.

Denn schon 1801 gründete sich in Meigen – in der bemerkenswerten Tradition so vieler bekannter bergischer Chöre ebenfalls in einer kleinen, überschaubaren Hofschaft –der erste Solinger Männergesangverein, übrigens neben einer zu dieser Zeit bereits existierenden Meigener Lesegesellschaft als weiterem kulturellen Highlight. Natürlich dokumentierte auch damals bereits „Der Verkündiger“, der älteste historische Tageblatt-Vorläufer, dass die Meigener Sänger zum Beispiel im Mai und Juni 1810 ihre ersten Auftritte feierten.

Wir blicken als Chor zurück auf eine wunderbare und erfolgreiche Zeit.

Gerd Schmidt-Drescher, Vorstand

Sie blieben über viele Jahrzehnte begeisterte Sänger mit Bodenhaftung: So weihte der Verein am 12. Juli 1936 aus Anlass seines 135-jährigen Bestehens an der Schule Meigen, der Stätte seiner Gründung, einen Gedenkstein ein. Ein einzigartiger Höhepunkt in der langen Geschichte des Chors war im 20. Jahrhundert fraglos eine seltene Ehrung. Stadtarchivar Ralf Rogge hielt sie in seiner Solingen-Chronik „Großstadtjahre“ gebührend fest: „Der 18. Mai 1979 geht in die Solinger Annalen als ein Tag des Chorgesangs ein“. Denn im Stadttheater erhielten die Meigener den Kulturpreis der Bürgerstiftung Baden.

Dass Solinger Kulturschaffende und Prominente vom Rang eines Ludwig Hoelscher, Georg Meistermann, Heinz Risse, Walter Henkels oder Carl Pott ebenfalls einmal diese Auszeichnung bekamen, spricht für das hohe Niveau der Meigener Sänger. Die freuten sich zudem über einen besonderen Ehrengast, denn im Theater applaudierte ihnen damals der aktuelle Bundespräsident Walter Scheel, der später als Höhscheider „Jong“ auch gleich das gerade renovierte Haus Kirschheide besuchte, das zum Domizil der „Zentralstelle für den deutschsprachigen Chorgesang in der Welt“ wurde.

Dass die Meigener drei Jahre später eine Schallplatte mit dem „bergischen Heimatlied“ produzierten, passt ebenfalls ins positive Bild. 2009 schafften Solingens Sänger, was den lokalen Sportlern bei weitem nicht immer so problemlos gelingt: Sie kreierten sozusagen ein musikalisches Power-Trio, denn die Meigener fusionierten unter dem Gemeinschaftsnamen „Bergischer Männerchor Solingen 1801“ mit dem MGV Hästen Dorperhof und dem Sängerchor Solingen-Widdert 1886.

So stellten sich im Tageblatt in einem Vereinsporträt 42 mit Sicherheit stimmgewaltige Männer vor, die mit einem anspruchsvollen Repertoire „von den Beatles bis zu Madrigalen“ antraten. Das war für dreizehn Jahre das Rezept.

2020 gewinnt der Männerchor 5000 Euro bei einer TV-Show.

Doch Ende 2021 galt laut Gerd Schmidt-Drescher vom Vorstandsteam des „Bergischen Männerchors“ leider: „Trotz intensivster Versuche seitens des Vorstandes und großer gemeinsamer Anstrengungen ist es nicht gelungen, den Sängern zumindest einige Jahre Chorgesang und Geselligkeit zu bescheren“. Er zog eine nostalgische Bilanz der letzten Jahre: „Wir blicken als Chor zurück auf eine wunderbare und erfolgreiche Zeit, zusammen mit unserem exzellenten Chorleiter Dieter Lein“.

In der Corona-Pandemie bringen ausfallende Auftritte Ensembles in finanzielle Not.

Gründung 1801

Johann Willms gründet 1801 mit sieben jungen Leuten die „Meigener Singgesellschaft“ zwecks Unterhaltung durch „Singen gehaltvoller, populärer, gefälliger und weltfrommer Gesänge auf würdige und angenehme Weise“.

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