Dramatische Rettung

Ein Anruf von Janett Heinrich rettete Dorrli Wende das Leben

Dorrli Wende auf dem Balkon ihrer Höhscheider Wohnung. Weil sie dort einen hilflosen Vogel fand, suchte sie Rat im Solinger Vogelpark. Das rettete ihr vermutlich das Leben.
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Dorrli Wende auf dem Balkon ihrer Höhscheider Wohnung. Weil sie dort einen hilflosen Vogel fand, suchte sie Rat im Solinger Vogelpark. Das rettete ihr vermutlich das Leben.

Die Solingerin hatte allein zu Hause eine akute Unterzuckerung erlitten.

Von Anja Kriskofski

Janett Heinrich, leitende Tierpflegerin im Solinger Vogel- und Tierpark, wählte nach dem wirren Telefonat mit Dorrli Wende geistesgegenwärtig den Notruf.

Solingen. An ihre dramatische Rettung an diesem Tag im Juni hat Dorrli Wende keine Erinnerung. Was sich abgespielt hat, weiß sie nur aus Erzählungen. Die alleinstehende Seniorin hatte in ihrer Wohnung in Höhscheid eine akute Unterzuckerung erlitten und das Bewusstsein verloren, wie ihre Rettungskräfte später schilderten. Dass sie noch lebt, hat sie wohl nur dem beherzten Eingreifen von Janett Heinrich zu verdanken. Die leitende Tierpflegerin im Solinger Vogel- und Tierpark hatte nach einem merkwürdig wirren Telefonat mit Wende den Notruf gewählt. „Ich bin ihr unglaublich dankbar. Sie hat mir das Leben gerettet“, sagt Dorrli Wende.

Die Solingerin leidet seit zehn Jahren an Diabetes. „Ich muss Insulin spritzen und der Langzeitwert war zuletzt gut. So eine Unterzuckerung hatte ich vorher noch nie. Das war wie ein Hammer.“ In den vergangenen Monaten wurde sie wegen einer Entzündung an der Wirbelsäule im Krankenhaus behandelt, unter anderem mit Antibiotika. Das habe nach Aussage der Ärzte offensichtlich den Stoffwechsel durcheinander gebracht und die akute Unterzuckerung ausgelöst.

„Ich bin ihr unglaublich dankbar.“

Dorrli Wende

Dorrli Wendes Glück war, dass sie an diesem Morgen die Telefonnummer des Vogelparks gewählt hat. „Ich hatte am Tag zuvor ein Vögelchen auf meinem Balkon gefunden und es über die Nacht gebracht.“ Bei den Ohligser Vogelexperten wollte sich Wende Rat einholen, wie sie weiter verfahren sollte. Weil das Büro am Vormittag nicht besetzt war, sprach die Solingerin auf den Anrufbeantworter, hinterließ ihre Adresse und Telefonnummer und bat um Rückruf.

„Sie hat auf der Aufnahme ganz klar und strukturiert gesprochen“, erinnert sich Janett Heinrich, die das Band rund drei Stunden später abhörte - und zum Glück sofort zurückrief. „Normalerweise hören wir das erst nach der Mittagspause gegen 14 Uhr ab. An diesem Tag habe ich es früher gemacht.“

Als sie Dorrli Wende erreichte, litt diese schon an Unterzuckerung und war verwirrt. „Sie hat sich nur mit ,Ja?’ gemeldet“, schildert Heinrich. Wende habe nicht verstanden, wer in der Leitung war, habe ihre Adresse nicht gewusst und auf viele Fragen gar nicht reagiert. Der Unterschied zur Nachricht auf dem Anrufbeantworter sei sehr deutlich gewesen. „Die war richtig weg. Da war mir klar, dass da irgendwas nicht stimmt.“

Janett Heinrich wählte den Notruf, während ein Kollege weiter mit Dorrli Wende sprach. „Der Mann in der Leitstelle hat verstanden, dass es ernst ist und zum Glück konnte ich ihm Adresse und Telefonnummer von Frau Wende nennen.“ Als die Rettungskräfte in der Wohnung im dritten Stock eintrafen, habe sie zusammengesackt im Stuhl gesessen, hat Dorrli Wende später erfahren. „Und ein Sanitäter hat mir gesagt, dass es fraglich gewesen sei, ob ich noch eine Stunde durchgehalten hätte.“ Denn die Seniorin hatte neben der Unterzuckerung auch ein Nierenversagen. Vier Tage lang lag sie im Städtischen Klinikum auf der Intensivstation, inzwischen ist sie wieder zuhause.

Ihre Lebensretterin Janett Heinrich hat sie noch aus dem Krankenhaus angerufen, um ihr mitzuteilen, dass es ihr wieder besser gehe – und um sich zu bedanken. „Ich bin ihr unendlich dankbar, dass sie so konsequent gehandelt hat. So etwas darf nicht als Selbstverständlichkeit untergehen.“ Doch genau das ist es für Janett Heinrich – selbstverständlich: „Hilfe zu organisieren, sollte normal sein. Ich freue mich sehr darüber, dass wir helfen konnten und dass es ihr wieder gut geht.“ Die beiden Frauen wollen sich nun persönlich treffen. Spätestens wenn sie ihre anstehenden Rückenoperation überstanden habe, wolle sie in den Vogelpark fahren, kündigt Dorrli Wende an. „Ich will sie einfach persönlich kennenlernen.“

Unterzuckerung

Hintergrund: Eine akute Unterzuckerung oder Hypoglykämie kann unter Umständen tödlich verlaufen. Symptome sind unter anderem Zittern, Herzrasen und Konzentrationsstörungen. Später kann die Unterzuckerung zu Krampfanfällen, Atem- und Kreislaufstörungen sowie Bewusstlosigkeit führen.

Blutzuckerspiegel: Dorrli Wende hat die Unterzuckerung nicht rechtzeitig bemerkt. Denn eigentlich habe sie immer Traubenzucker parat, um den Blutzuckerspiegel wieder zu normalisieren.

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