Ideen für Innenstadt: Verkehrsberuhigung, Umleitung, Sackgasse

Eigentümerverein kritisiert Verkehrspläne

Die Verwaltung muss nun prüfen, ob der Bereich rund um den Neumarkt in Zukunft verkehrsberuhigt, also nur noch in Schrittgeschwindigkeit befahren werden soll. Foto: Christian Beier
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Die Verwaltung muss nun prüfen, ob der Bereich rund um den Neumarkt in Zukunft verkehrsberuhigt, also nur noch in Schrittgeschwindigkeit befahren werden soll.

Grüne wollen Innenstadt entlasten und attraktivieren – Hofgarten-Management ist skeptisch

Von Björn Boch

Solingen. Der Eigentümerverein Haus & Grund Solingen spricht sich gegen eine Verkehrsberuhigung in der Innenstadt aus. Dr. Hans-Reinold Horst, 1. Vorsitzender von Haus & Grund Solingen, sieht einen Grund für die derzeitigen Probleme in Mitte – „hoher Leerstand und bisweilen auch Verwahrlosung“ – in der schlechten Verkehrsführung. „Die Aufwertung der Innenstadt als Wohnquartier und als Handelsquartier setzt voraus, dass sie leicht erreicht werden kann, die Verkehrsführung insgesamt flüssiger wird und vor allen Dingen Parkmöglichkeiten geschaffen werden. Kann ich das Stadtzentrum nicht erreichen, werde ich darin nicht wohnen wollen, nicht arbeiten wollen, nicht einkaufen wollen“, sagte er dem Tageblatt.

Hintergrund ist ein Beschluss des Ausschusses für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität und Wohnungswesen. Er hatte einstimmig die Verwaltung beauftragt, ein „zeitgemäßes und nachhaltiges Mobilitätskonzept für den Innenstadtbereich rund um den Neumarkt“ zu entwickeln (siehe Infotext unten). Weiterhin beschloss der Ausschuss auf Antrag der Grünen bei sieben Gegenstimmen von CDU, FDP und BfS auch diese Punkte zur Prüfung:

Verkehrsberuhigung: Für den Bereich rund um den Neumarkt ab Hofgarten über C&A bis Max-Leven-Gasse / Peter-Knecht-Straße (dort entsteht der Neubau der Stadt-Sparkasse): Schrittgeschwindigkeit.

Umleitung: Ausschilderung der Zufahrt zum Hofgarten-Parkhaus aus Richtung Ufergarten kommend über Kölner Straße, Friedrichstraße und Weyersberger Straße.

Sackgasse: Abbindung der Bergstraße, alternativ an der Heinestraße oder an der Friedrichstraße, aber Durchfahrtsmöglichkeit für Fahrräder.

Die Grünen begründen ihre Initiative damit, dass die Innenstadt bei Lärm und Luftverschmutzung zu den stark belasteten Bereichen Solingens gehört. Eine Attraktivierung könne nur dadurch gelingen, „dass wir den Verkehr extrem reduzieren und verlangsamen“, betont Juliane Hilbricht, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Rat. Entscheidend sei, den Durchgangsverkehr rauszuhalten und sich auf den Zielverkehr zu konzentrieren. „Wir wollen niemandem die Möglichkeit nehmen, zum Beispiel ältere Menschen zum Ärztehaus zu fahren. Aber wir wollen keinen sinnlosen Autokorso rund um den Neumarkt.“

Das sei Teil der Strategie, Einzelhandel zu konzentrieren und stärker auf Wohnen zu setzen. Es gehe auch um „neue Lebensräume auf der Straße“, weshalb nicht nur der Verkehr verlangsamt, sondern auch der ÖPNV gestärkt werden soll.

Hilbricht erklärt: „Das Autofahrerleben wird nicht so attraktiv bleiben, wie es jetzt ist. Da müssen Einschränkungen und Umwege in Kauf genommen werden.“ Mit einer schlechteren Erreichbarkeit – etwa des Hofgartens aus der Südstadt oder Höhscheid – müsse man daher ebenso zurechtkommen wie mit weiteren Wegen zur Umfahrung der City. „Und wer es künftig zum Einkaufen richtig gut haben möchte, nimmt den Bus und steigt am Graf-Wilhelm-Platz aus. Das ist das, was wir wollen.“ Mehr dazu: Solingen prüft Beruhigung des Verkehrs rund um den Neumarkt

„Die Erreichbarkeit der Innenstadt sollte nicht zusätzlich erschwert werden.“

Ralf Lindl, Hofgarten

Ralf Lindl, Center-Manager im Hofgarten, weist dagegen darauf hin, dass es in der Innenstadt fast nur Zielverkehr gebe – laut einer städtischen Untersuchung spiele Durchgangsverkehr kaum eine Rolle. „Und natürlich ist es so, dass uns viele Kunden über das Parkhaus erreichen. Das ist gut ausgelastet. Die Erreichbarkeit der Innenstadt sollte nicht zusätzlich erschwert werden“, sagt Lindl. Das würde vor allem andere Händler stark treffen – das Hofgarten-Parkhaus sei immerhin noch gut über den Weyersberg erreichbar.

Haus & Grund betont, die Verkehrsplanung laufe genau in die falsche Richtung. Statt auf Verkehrsberuhigung müsse man auf „Mobilität und Erreichbarkeit“ setzen – „mit einem gut funktionierenden Parkleitsystem und möglichst kostenlosen Parkplätzen als Besuchermagnet. Viele andere Städte machen dies so vor“, erklärt Hans-Reinold Horst.

Der Vorschlag des Eigentümervereins: Die Kölner Straße müsse wie die Goerdelerstraße wieder uneingeschränkt für den fließenden Verkehr zur Verfügung stehen. Der Busbahnhof müsse deshalb verlegt werden – zum Beispiel auf die Fläche des Gebäudes Kaufhof/Peek & Cloppenburg. Weitere Parkflächen sollten geschaffen werden – möglichst unterirdisch, so wie beim Sparkassen-Neubau.

Eine Wohnoffensive an der unteren Hauptstraße kann sich Haus & Grund vorstellen, nicht jedoch im Parterre. „Die dort befindlichen Läden und Geschäftsräume müssen durch eine bessere Anbindung dieses Gebiets wiederbelebt werden.“ Der Entenpfuhl solle zurückgebaut werden: „Begrünung und Gastronomie-Inseln können diesen Bereich attraktiv machen und zum Verweilen nach einem Einkauf einladen. Dazu ist es auch nötig, am Entenpfuhl wieder Parkraum zu schaffen.“ Dort bestehe die Chance, Ladeinfrastruktur für E-Mobilität bereitzustellen.

Wie die Solinger Innenstadt 2030 aussehen könnte: Unser Ticker zu "City 2030" mit vielen Videos, Interviews und Informationen

Mobilitätskonzept Innenstadt

ISEK: Das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) „City 2030“ hat als einen Baustein ohnehin ein neues Mobilitätskonzept für die Innenstadt. Damit kann laut Planungsdezernent Hartmut Hoferichter (parteilos) allerdings erst kommendes Jahr begonnen werden, weil dann Fördermittel in größerem Umfang verfügbar seien.

Beteiligung: Auf eine Ausschreibung des Mobilitätskonzepts soll eine Bürgerbeteiligung im Laufe des Jahres 2021 folgen.

Stadt-Sparkasse: Der Bebauungsplan für den Neubau der Stadt-Sparkasse wird Anfang 2021 beschlossen, darin werden laut Hoferichter auch die Verkehrsflächen festgelegt – noch nicht aber deren genaue Nutzung. Wie also zum Beispiel Peter-Knecht- Straße und Max-Leven-Gasse ausgebaut und befahren werden können, werde erst im späteren Verlauf entschieden.

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