Innenstadt-Entwicklung

Eigentümer bindet Clemens-Galerien stärker und näher in sein Netzwerk ein

Die Clemens-Galerien werden von einem neuen Geschäftsführer, Jan Hendrik Hedding, jetzt von Leipzig aus geleitet. Archivfoto: Christian Beier
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Die Clemens-Galerien werden von einem neuen Geschäftsführer, Jan Hendrik Hedding, jetzt von Leipzig aus geleitet (Archivfoto).

Die Geschicke des Einkaufzentrums in der Solinger Innenstadt werden jetzt von Leipzig aus geleitet: Jan Hendrik Hedding ist neuer Geschäftsführer der Immobilien Solingen Projektgesellschaft mbH.

Von Philipp Müller

Solingen. Seit dem 5. Februar werden die Clemens-Galerien von Leipzig aus geleitet. Mit Jan Hendrik Hedding rückt eine interessante Personalie an die Spitze der Immobilien Solingen Projektgesellschaft mbH. Diese Gesellschaft war 2016 für die Clemens-Galerien und die Gebäude Kaufhof und Peek & Cloppenburg (P&C) gegründet worden. Bis zum 29. Januar war der Frankfurter Dr. Jochen Stahl Geschäftsführer. Bereits im Dezember hatten die Gesellschafter die Anteile an der Firma neu verteilt.

Hedding gilt als Vertrauensmann von Norbert Ketterer. Der Deutsche mit Wohnsitz in der Schweiz verfügt über ein weit verschachteltes Firmengeflecht, das sich europaweit mit dem Erwerb und Verkauf von Immobilien befasst.

Hedding taucht im Netzwerk Ketterers regelmäßig mal als Vorstand einer Aktiengesellschaft (AG), dann als Aufsichtsrat einer AG oder eben als Geschäftsführer von GmbHs auf. Die Solinger Firma, die auch als Eigentümer der Immobilien gilt, gehört auf dem Papier über Ecken im Firmengeflecht einer der Aktiengesellschaften Ketterers.

Solingen: Clemens-Galerien, Kaufhof und Peek & Cloppenburg mit 30 Millionen Euro bewertet

Mit der Berufung Heddings zum Geschäftsführer wird deutlich: Ketterer holt die Zukunft des Einkaufszentrums näher an seine Firmenspitze. Schon mit dem Projektentwickler Udo Stocker aus Hamburg stellte sich Mitte Januar der Mann fürs operative Geschäft im Rathaus vor. Hedding und Stocker treten kein leichtes Erbe an. Zwar konnte Stahl im Jahr 2018 einen Gewinn von knapp 740 000 Euro mit der GmbH der Clemens-Galerien erzielen. Aber dagegen stehen auch Verbindlichkeiten von rund 30 Millionen Euro. Mit diesem Betrag sind das Einkaufszentrum und die Gebäude von Kaufhof und P&C in der Bilanz bewertet. So entsteht die Sicherheit für eine an der Börse gehandelte Anleihe über etwa 20 Millionen Euro, die die Bilanz Ende 2017 als Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten auswies. Weitere 10 Millionen Euro drücken als „Sonstige Verbindlichkeiten“ auf die Bonität.

Stocker hatte im Januar erklärt, er wolle die Clemens-Galerien in eine eigene Gesellschaft ausgliedern und in eine andere Kaufhof und P&C. Vieles hänge dabei von den Absprachen mit den Banken ab. Doch ohne eine Entscheidung aus der Schweiz, die von Leipzig aus umgesetzt wird, läuft in Solingen jetzt nichts mehr.

Solingen: Pläne für Kaufhof und P&C sollen weiterverfolgt werden

Die Konzentration der Entscheidungsprozesse ist auch der Marktlage für Gewerbeimmobilien geschuldet. Einkaufszentren drohen durch Corona und Druck aus dem Online-Handel, zu Ladenhütern zu werden. Stocker gab sich zuversichtlich, dies verhindern zu können. Auf den Plänen Stahls aufbauend, will er zügig mit der Stadt Abriss und Neubau von Kaufhof und P & C besprechen. In die Clemens-Galerien soll in der ersten Jahreshälfte Pizza Pazza als neuer Mieter einziehen.

Standpunkt: Investor zeigt Flagge

Von Philipp Müller

philipp.mueller@ solinger-tageblatt.de

Mit der Berufung von Jan Hendrik Hedding zum Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft für das Areal der Clemens-Galerien ist etwas mehr Transparenz entstanden, wie es mit den Gebäuden weitergehen soll. Er ist im Reich des Norbert Ketterer seit fast 20 Jahren ein enger Mitarbeiter und Geschäftspartner. Ketterer selbst meidet die Öffentlichkeit. Aber er strukturierte seine Gesellschaften und vor allem Beteiligungen im vergangenen Jahr teilweise komplett um.

Was bedeutet das aber für die Clemens-Galerien? Sie werden weiter unter Druck stehen, Gewinne abwerfen zu müssen. Denn die Immobilie dient als Sicherheit gegenüber den Finanzinstituten. Für Kaufhof und P&C stehen die Aussichten schlechter. Sie sollen moderner, seniorengerechter Wohnbebauung weichen. Das ist ein Feld, in dem so etwas wie Goldgräberstimmung herrscht. Weil hier der Erfolg garantiert scheint, haben Rathaus und Politik aber auch gute Chance, die Gestaltung zu beeinflussen. Sichere Gewinne machen Investoren kompromissbereiter. Der muss gefunden werden. Sonst droht ein langer Leerstand.

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