Einsatz für andere

Ehrennadel für drei Männer, die Leben retten

Erhielten die große Ehrennadel der Feuerwehr: Florian Leeser (3. v. l.) und Benedikt Skirlo (3. v. r) von den Technischen Betrieben und Sven Oliver Wirges (Freiwillige Feuerwehr Burg, 2. v. l.) mit Feuerwehrchef Dr. Ottmar Müller (l.), seinem Stellvertreter Sebastian Wagner (r.) und Oberbürgermeister Tim Kurzbach.
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Erhielten die große Ehrennadel der Feuerwehr: Florian Leeser (3. v. l.) und Benedikt Skirlo (3. v. r) von den Technischen Betrieben und Sven Oliver Wirges (Freiwillige Feuerwehr Burg, 2. v. r.) mit Feuerwehrchef Dr. Ottmar Müller (l.), seinem Stellvertreter Sebastian Wagner (r.) und Oberbürgermeister Tim Kurzbach.

Sven Oliver Wirges kümmerte sich eine schwerverletzte Radfahrerin – Florian Leeser und Benedikt Skirlo bewahrten Feuerwehrleute vor dem Ertrinken.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Als Sven Oliver Wirges von seinem Zuhause in Unterburg zum Sport Richtung Innenstadt startete, ahnte er nicht, dass er Minuten später als rettender Engel lebensbewahrende Erste Hilfe leisten würde: „In einer Kurve standen ein Pkw und drei Fahrräder, ganz offensichtlich in einen Unfall verwickelt“, erzählt er. Anhalten, aussteigen und zupacken – das war für den Mann der Freiwilligen Feuerwehr, Löscheinheit 8, selbstverständlich: „Natürlich war ich privat unterwegs. Aber da gab es keinerlei Zögern“, sagt er rückblickend. Schnell erfasste er die Lage: Eine Frau lag stark blutend und sichtbar verletzt am Boden. Der Oberschenkel schien schwer mitgenommen zu sein.

„Kurzerhand habe mit allem, was der kleine Auto-Erste-Hilfe-Koffer, den ich zur Verfügung hatte, einen Druckverband improvisiert: Mullbinden, Dreieckstuch, Warnweste und dazu die Hände genommen. Ein Notarzt, der wie ich privat angehalten hatte, kümmerte sich zwischen um die offensichtlichen Kopfverletzungen.“

„Solch eine schwere Verletzung hatte ich bisher noch nie zu versorgen.“

Sven Oliver Wirges, freiwilliger Feuerwehrmann

Beherztes Handeln, dass, wie sich später herausstellte, tatsächlich lebensrettend war. „Die Frau wäre verblutet, bis der Rettungswagen da war, da waren wohl große Gefäße zerfetzt“, sagt Bürgel. Er habe schon öfter seine sogenannte First-Response-Ausbildung eingesetzt – eine spezielle Ersthelferausbildung. Die muss jeder der Einheit 8 in Burg, zusätzlich zur normalen Erste-Hilfe-Ausbildung bei der Feuerwehr absolvieren. Denn: Braucht ein Rettungswagen besonders lange zum Unfallort, rücken auch die Freiwilligen Helfer aus – zur Erstversorgung. „Aber im Dienst hat man professionelle Ausrüstung – und solch eine schwere Verletzung hatte ich bisher noch nie zu versorgen“, sagt der Burger Feuerwehrmann.

Für sein beherztes und selbstloses Handeln wurde Sven Oliver Wirges nun von der Feuerwehr Solingen geehrt. Ebenso Florian Leeser und Benedikt Skirlo von den Technischen Betrieben. Auch sie haben Leben gerettet: das von Berufsfeuerwehrleuten und einer Zivilperson in der Flutnacht im Juli 2021, als die Wupper dermaßen über die Ufer trat, dass ganze Häuser unterspült wurden.

„Wir waren flächendeckend im Einsatz“, erinnert sich Sebastian Wagner, stellvertretender Feuerwehrchef von Solingen. Er selbst hatte die Einsatzleitung in Rüden. „Der Obenrüdener Kotten war schon größtenteils evakuiert, wir mussten aber nochmal zurück“, erinnert er. „Dabei war zwei Kameraden in ihrem Rüstwagen plötzlich der Weg abgeschnitten; binnen Minuten war das Wasser so hoch gestiegen, dass das Auto nicht mehr fahren konnte.“ Die beiden Feuerwehrleute und eine weitere Person waren selbst in Not geraten. „Wir haben immer verzweifelter versucht, Rettungschancen zu finden“, sagt Wagner. „Aber Boote waren ungeeignet, Hubschrauber nicht zu kriegen.“

Schließlich machten sich Florian Leeser und Benedikt Skirlo, beim Stadtdienst Natur und Umwelt als Forstwirtschaftsmeister beschäftigt, mit ihrem Forstspezialschlepper HSM 805 6WD auf den Weg durch die Fluten. „Als der Anruf der Feuerwehr kam, waren wir mit einigen weiteren Kollegen dabei, unsere Unterkunft vor der Überflutung durch den Lochbach zu schützen. Nach Dienstende haben wir noch Sandsäcke gestapelt und Pumpen organisiert, um das Eindringen des Wassers zu verhindern. Leider ist uns das aber dann kurz vor 21 Uhr nicht mehr gelungen“, erinnert Florian Leser. Da kam die Anfrage, ob die Forst-Männer den drei Eingeschlossenen helfen könnten.

Über die Motorhaube des Schleppers ging es in Sicherheit

„Sie waren sich der Gefahr voll bewusst“, sagt Wagner anerkennend. „Beide wussten, dass sie gerade ihr eigenes Leben riskierten.“ Die Rettungsaktion klappte, das Fahrzeug mit den hohen Rädern brachte die vom Wasser eingeschlossenen Männer in Sicherheit. Die Seilwinde des Schleppers wurde an einem Baum angeschlagen, um ihn zu sichern, falls die Fluten das Fahrzeug mitreißen. Dann fuhr Benedikt Skirlo mit dem Fahrzeug zum Rüstwagen der Feuerwehr. Die drei Personen dort konnten auf die Motorhaube des Schleppers klettern. Florian Leeser agierte als Lotse: Er beobachtete die Situation, wies ein, warnte über Funk vor Treibgut. Die Rettungsaktion dauerte 45 Minuten – Zeit, die die drei Leben rettete.

Fluthelfermedaille

Im September hatte die Feuerwehr Solingen in dankbarer Anerkennung für die Helferinnen und Helfer beim Einsatz der Unwetterkatastrophe 2021 vom Land NRW Feuerwehr- und Katastrophenschutz- Einsatzmedaillen erhalten. 130 Menschen wurden vor den Fluten gerettet, unzählige Keller ausgepumpt, tagelang Räumungs- und Bergungseinsätze gefahren.

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