Detailgetreues Modell

Ehemalige Synagoge gibt es jetzt in 3 D

Das Modell der Synagoge wurde auf dem Schulhof des Gymnasiums Schwertstraße vorgestellt. Foto: Tim Oelbermann
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Das Modell der Synagoge wurde auf dem Schulhof des Gymnasiums Schwertstraße vorgestellt.

Von den Nazis zerstörter Bau wurde digital rekonstruiert. So kann auch die detailgetreue Inneneinrichtung betrachtet werden.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Auf der Basis von alten Plänen und Zeichnungen ist die in der Pogromnacht zerstörte Solinger Synagoge digital wieder neu entstanden – und kann von außen und innen besichtigt werden. Interessierte können den neuromanischen Bau bereits am PC erkunden, bald soll das auch mittels Smartphone möglich sein.

Beeindruckend sind sowohl die Außenansicht des 3-D-Modells, die einen viel intensiveren Eindruck beim Betrachter hinterlässt, als es durch die alten Schwarz-Weiß-Fotos möglich ist, als auch der Blick auf die detailgetreue Inneneinrichtung. Thora-Schrein, Lesepult und Bänke sind zu sehen, während man per Klick durch den Raum geht und auch die Emporen betreten kann.

www.synagoge-solingen.de

„Diese Technik lenkt den Blick nun auch auf den Aspekt der Schönheit dieses damals so hasserfüllt zerstörten Gotteshauses“, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach am Donnerstag bei der Präsentation auf dem Schulhof des Gymnasiums Schwertstraße.

Dort, vor dem an gleicher Stelle von den Nazis errichteten Hochbunker, stellten Werner Koch und sein Team von Excit 3D das digitale Modell vor. Vier Monate intensive, ehrenamtliche Arbeit stecken in der akribischen digitalen Rekonstruktion. „Wir arbeiten eng mit dem Max-Leven-Zentrum und dem Stadtarchiv zusammen und versuchen, das umzusetzen, was uns an erforschten, gesicherten historischen Erkenntnissen geliefert wird“, sagte Werner Koch bei der Vorstellung des Modells.

Entstanden war die Idee dazu nach dem Jahrestag zur Pogromnacht im vergangenen November. Es sollte ein Beitrag werden, um das Gedenken an diesen Ort lebendig zu halten –„und auch den Blick auf heute vorhandenes jüdisches Leben in Deutschland zu schärfen“, wie Cornelia Kasper, kommissarische Schulleiterin des Gymnasiums Schwertstraße, als Hausherrin betonte.

Am 12. März hatte die Stadt Solingen in einem Festakt den 150. Geburtstag der Synagoge gewürdigt, die am 8. März 1872 von den Solingern feierlich eingeweiht wurde. Dabei wurde auch ein von Michael Bauer- Brandes nach dem Vorbild der ehemaligen Fensterrose geschmiedetes Wandrelief aus Stahl eingeweiht, das nun am Hochbunker weithin sichtbares Zeichen ist.

Auf einer neuen Projektseite des Stadtarchivs ist ein Video des Rundgangs durch die Synagoge zu sehen. Die Internetseite wurde beim Festakt freigeschaltet und soll nach und nach ergänzt werden – genau wie das 3-D-Modell. „Die Projektwebseite ist ebenso wie das VR-Modell der Synagoge insbesondere als Angebot an Schulen zu verstehen, sich mit der Geschichte des jüdischen Lebens und speziell der Geschichte der Solinger Synagoge auseinanderzusetzen“, betont Daniela Tobias, Mitarbeiterin des Max-Leven-Zentrums beim Stadtarchiv, die die Seite gemeinsam mit Armin Schulte verantwortet.

max-leven-zentrum.de/150synagoge

Neben einer Zeitleiste finden sich auf der Webseite ausgewählte Stimmen von Gemeindemitgliedern, Angestellten, einer Nachbarin und Außenstehenden aus unterschiedlichen Zeiten, die das Selbstverständnis der Jüdischen Gemeinde, ihre Bedeutung für die jüdischen Familien und die Wahrnehmung der Stadtgesellschaft abbilden.

Auch die Auswirkungen antisemitischer Verfolgung während der NS-Zeit sind dort anhand von Zeitzeugen-Protokollen nachzuverfolgen. Zu sehen sind weiter Ausschnitte eines Films, den Andrea Rey-Suter mit dem Filmemacher Helmut Wimmer im Sommer 2021 gedreht hat. Unter anderem war Rey-Suter in Solingen auf den Spuren ihrer Urgroßmutter Johanna Seligmann-Coppel unterwegs. Der Trailer des Dokumentarfilms zeigt die enge Verbindung der Familie Coppel mit der Synagogengemeinde.

Schüler am Humboldtgymnasium lernen, Antisemitismus zu erkennen

Zum Projekt

Die Projektseite und das 3-D-Modell sollen bei der Heimwerkstatt „Synagoge Solingen – Bunker Malteserstraße“ , einem vom Land NRW geförderten Projekt, als Basis für die Auseinandersetzung mit jüdischem Leben gestern und heute dienen. Der erste Workshop der Heimwerkstatt findet am Freitag, 17. Juni, im Zentrum für verfolgte Künste statt. Weitere sollen folgen. Kontakt und Informationen über Daniela Tobias vom Max-Leven-Zentrum:
info@max-leven-zentrum.de

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