Finanzielle Gründe

Ehemalige Jugend Weyer trauert ihrer Kirche nach

Beim Abschiedsgottesdienst in der Kirche Sternstraße hielt Pfarrerin Kerstin Heider die Predigt. Foto: Christian Beier
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Beim Abschiedsgottesdienst in der Kirche Sternstraße hielt Pfarrerin Kerstin Heider die Predigt.

Das Gotteshaus an der Sternstraße wurde entwidmet.

Von Moritz Berger

Solingen. Obwohl der kalte Wind dieses Nachmittags nicht gerade einladend war, stand die Gemeinde vor der Kirche noch etwas beisammen und kam ins Gespräch. Dabei tauschten die Besucher viele Erinnerungen über jenes Gebäude aus, von dem man gerade zuvor in einem letzten Gottesdienst Abschied genommen hatte. Mit dem feierlichen Auszug aus der Kirche wurde sie entwidmet und zugleich das Ende von rund 60 Jahren Gemeindenutzung besiegelt. Vor einer Woche war dieser Schritt bereits im Gotteshaus an der Fuhr vollzogen worden.

Dieser Ort strahlte immer Wärme aus.

Martina Biebersdorf, früheres Mitglied der Jugend Weyer

Mit Blick auf einen großen Regenbogen über dem Alter nahmen auf den Kirchenbänken etwa 40 Gläubige Platz, um „Abschied von diesem Haus“ zu nehmen.

So stand jener letzte Gottesdienst vollends im Zeichen der Erinnerung an die gemeinsamen Erlebnisse, die mit der evangelischen Kirche Weyer verbunden sind. Von der Taufe bis zur Beerdigung seien hier etliche Feste mit vielen Menschen gefeiert worden. „Dieser Ort strahlte immer Wärme und das Gefühl von Willkommen sein aus“, erinnert sich Martina Biebersdorf. Für das frühere Mitglied der Jugend Weyer, mittlerweile selbst Pfarrerin in Wesel, war dieser Abschied daher verbunden mit „ganz großer Trauer“ und einem „persönlichen Verlust“. In der Zeit von Ende der 70er Jahre bis Mitte der 80er sei die Jugendgruppe sehr aktiv gewesen. So hatte man sich eine kleine Teestube eingerichtet, zum Altpapiersammeln aufgerufen und aufgrund des Nato-Doppelbeschlusses regelmäßige Friedensgebete veranstaltet. „Wir hatten damals große Freiheiten in der Gestaltung“, berichtete Biebersdorf. Dabei entwickelte sich die Kirche an der Sternstraße zu einem „second home“ und prägte die Jugendlichen nachhaltig.

In der Folge blieben einige Mitglieder in der Kirche auch über die Jugend hinaus aktiv. Mittlerweile seien vier von ihnen hauptamtlich in der Evangelischen Kirche im Rheinland tätig, erläuterte Martina Biebersdorf. Sie hatte für diesen letzten Gottesdienst versucht, „so viele wie möglich aus unserer damaligen Gruppe zu erreichen“. Dass einige tatsächlich gekommen waren, um Abschied zu nehmen, sagte für Pfarrerin Kerstin Heider viel über die Jugendarbeit der Gemeinde aus. „Es kann uns sehr stolz machen, dass für manche der Weg in den kirchlichen Dienst geführt hat“, betonte sie in ihrer Predigt. Doch auch wenn sie die Kirche erst kennengelernt habe, als der Beschluss zur Schließung bereits feststand, räumt Heider ein, so sei ihr jedoch in einigen Gesprächen klar geworden, dass der Abschied für viele ein „schwerer Weg“ war.

„Dieser Ort hat manches Leben verändert“, betonte Heider. Insofern ließ sich die Bedeutung spüren, die mit diesem letzten Gottesdienst einherging.

Gemeinde hofft, dass dort ein Kindergarten gebaut wird

Etwa 60 Jahre nach der Einweihung am 27. Mai 1961 wurde das letzte Licht – zusammen mit der Bibel und dem Abendmahlsgeschirr – aus der Kirche getragen. Dennoch habe sich die Schließung nicht vermeiden lassen. So seien vor allem finanzielle Gründe für die Entwidmung des Baus ursächlich, die sich nicht zuletzt auf die demografische Entwicklung zurückführen ließen. Die Gemeinde hoffe nun, auf dem Grundstück einen „schicken“ Kindergarten bauen zu können, erklärte Pfarrer Stefan Ziegenbalg.

Vor kurzem wurde das evangelische Gotteshaus an der Fuhr entwidmet.

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