Prozess

Ehefrau mit heißem Wasser verbrüht - Gericht verschärft Strafe gegen Solinger

Das Wuppertaler Landgericht. Archivfoto: Leon Hohmann
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Das Wuppertaler Landgericht. Archivfoto: Leon Hohmann

Angeklagter goss siedendes Wasser auf seine Lebensgefährtin – für die Frau bestand Lebensgefahr

Von Dirk Lotze

Solingen. Deutlich verschärft hat das Landgericht das Urteil gegen einen 56 Jahre alten Angeklagten aus Solingen in einem Prozess um einen lebensgefährlichen Angriff in einem häuslichen Streit: Den Feststellungen zufolge überschüttete der Mann seine damalige Lebensgefährtin (47) mit siedendem Nudelwasser, als die Frau hilflos auf dem Boden vor ihm lag. Er soll sich aufgeregt haben, weil sein Essen nicht fertig war. Die Frau erlitt eine bleibende Entstellung durch Narben an Hals und Oberkörper bis zum rechten Oberschenkel. Sie ist inzwischen ohne Zusammenhang zur Tat gestorben.

Die Richter erhöhten die Strafe des Mannes auf drei Jahre und sechs Monate; Bewährung ist ausgeschlossen. Die Haftzeit beträgt zehn Monate mehr als das Amtsgericht Solingen zunächst nicht rechtskräftig verhängt hatte. Der Vorsitzende Richter am Landgericht stellte in der vorläufigen Urteilsbegründung seine Sicht dar: „Mit der milderen Strafe wäre es nicht getan.“

Über das Geschehen in der gemeinsamen Wohnung des Paares hatte die Frau kurz nach der Tat vom 2. Oktober 2020 bei der Polizei ausgesagt: Der Angeklagte sei alkoholisiert von der Arbeit zurückgekommen. Sie habe ihm gesagt, er müsse zehn Minuten warten. Er habe sie geschubst, sie sei gestolpert und auf den Rücken gefallen. Da habe er den Nudeltopf genommen und sie mit dem Wasser überschüttet, bis sie vorübergehend das Bewusstsein verlor. Der Mann habe sie achtlos auf dem Boden liegenlassen und sei zum Fernseher gegangen.

Der Angriff mit dem Wasser hatte schwere Folgen. Über Tage soll die Frau versucht haben, sich mit kühlenden, nassen Tüchern zu helfen. Die Schmerzen seien aber schlimmer geworden.

47-Jährige verdeckte die Verletzungen aus Scham

Am folgenden Wochenende entdeckte ihr Sohn Verletzungen in ihrem Gesicht, die sie zu überschminken versucht hatte – anscheinend aus Scham. Er fuhr sie ins Klinikum. Von dort wurde die Frau am selben Tag in eine Spezialklinik gebracht. Sie musste sich einer Hauttransplantation unterziehen. Durch Infektion erlitt sie eine Lungenentzündung und lag im künstlichen Koma. Die Narben wären ihr laut Gerichtsärztin auf Jahrzehnte erhalten geblieben.

Der Vorsitzende Richter fasste zusammen: „Wenn man sich vorstellt, dass das eine Bestrafungsaktion dafür gewesen sein soll, dass das Essen nicht fertig war: Wir können es nicht ansatzweise nachvollziehen.“ Der 56-Jährige hatte im Amtsgericht Solingen das Geschehen als Unfall beschrieben. Im Landgericht Wuppertal hielt er diese Version nicht aufrecht. Gegen das Urteil kann er Revision einlegen.

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