Konzern führt wirtschaftliche Gründe an

Düsseldorfer Straße: Rewe schließt Filiale zum 31. März

Der Rewe an der Düsseldorfer Straße schließt Ende März. Der Kölner Konzern führt dafür wirtschaftliche Gründe an. Foto: Tim Oelbermann
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Der Rewe an der Düsseldorfer Straße schließt Ende März. Der Kölner Konzern führt dafür wirtschaftliche Gründe an.

Konzern führt wirtschaftliche Gründe an – Pandemie belastet den Einzelhandel rund um den Hauptbahnhof.

  • Kölner Konzern nennt ausschließlich wirtschaftliche Gründe für die Geschäftsaufgabe
  • Schon am 8. April eröffnet ein neuer, größerer Rewe am Ohligser Marktplatz
  • Neuer Rewe hat nach Konzernangaben bessere Zukunftsaussichten

Solingen. Donnerstagabend erfuhren die Beschäftigten der Rewe-Filiale an der Düsseldorfer Straße 14, dass das Geschäft zum 31. März schließt. Der Markt ist vor allem bei Späteinkäufern und Pendlern beliebt, schließt der Supermarkt doch erst um 22 Uhr – vor der Corona-Pandemie sogar erst um Mitternacht. Doch das sei schon länger nicht mehr wirtschaftlich, erklärt ein Sprecher der Rewe Markt GmbH aus Köln, die den Supermarkt betreibt.

Das Aus für die kleine Filiale fällt in die gleiche Zeit, in der am 8. April der neue Rewe am Ohligser Marktplatz eröffnet. Er wird vom Rewe-Lizenznehmer Marcel Rahmati betrieben. Dieser Markt habe „eine gute Zukunftsperspektive, weil dort die Rahmenbedingungen eben andere sind“, berichtet der Rewe-Sprecher.

Überrascht von der Schließung zeigt sich die Bezirksbürgermeisterin für Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid, Gundhild Hübel (SPD). Laut ihrer Einschätzung verlieren nicht nur die Anwohner der Düsseldorfer Straße eine Einkaufsmöglichkeit. Das gelte auch für Bewohner aus Ohligs-Ost rund um die Sauerbreystraße, für die der Rewe fußläufig gut erreichbar sei. Welche Auswirkungen das auf die obere Düsseldorfer Straße habe, gelte es jetzt schnell zu überprüfen. Sie wünscht sich, dass möglichst bald ein neuer Lebensmittelanbieter die Lücke schließt.

Für Gabriela Fritz, Mitarbeiterin von Immobilien Lürwer, ist die Nachricht „eine Katastrophe“. Viele Solinger kennen Fritz auch über Facebook, dort betreibt sie eine Seite, die sich für Solinger Geschäfte in der Pandemie-Zeit einsetzt. Als Anwohnerin der Düsseldorfer Straße fürchtet sie vor allem um die alten Bewohner in der Umgebung, für die jetzt die eine nahe Chance zum Einkauf wegfalle. Zudem bestehe die Gefahr, dass der obere Teil der Düsseldorfer Straße veröde.

Fritz hatte auch Kontakt zur in Garmisch-Partenkirchen lebenden Eigentümerin des Hauses. Erst 2014 und 2015 hatte diese große Teile des Umbaus des Rewe-Marktes finanziert. Die Eigentümerin wünscht sich laut Fritz ebenfalls, dass wieder ein Supermarkt in ihre Immobilie einzieht. Laufende Gespräche gibt es wohl, aber noch kein Ergebnis.

„Geschäfte am Bahnhof leiden unter dem geringen Bus- und Bahnverkehr.“

Hartmut Hoferichter, Stadtdirektor

Weil der Rewe-Markt am Bahnhof acht Tage vor der Neueröffnung des Rewes am Marktplatz schließt, hatte das Tageblatt Rewe auch gefragt, ob es dazu eine Absprache gibt. Der Rewe-Sprecher äußerte sich nicht. Nach ST-Informationen hat Rewe aber noch einen fast drei Jahre laufenden Mietvertrag im Objekt.

Stadtdirektor Hartmut Hoferichter (parteilos) glaubt nicht an eine Absprache. Der wirtschaftliche Druck durch die Pandemie habe die Schließung wahrscheinlich beschleunigt. „Uns erreichen Nachrichten aus den Geschäften rund um den Hauptbahnhof, dass sie alle unter dem geringeren Bus- und Bahnverkehr leiden.“ Hoferichter ist jedoch optimistisch, dass dort ein Nachfolger gefunden wird. „Die Einschätzung der Stadt ist, dass sich die Frequenz der Besucher auf der Achse Ohligser Marktplatz zum Hauptbahnhof nach dem Ende der Pandemie nicht nur erholt, sondern sogar erhöht.“

Gloria Göllmann, Geschäftsführerin der Immobilien- und Standortgemeinschaft Ohligs, sieht Handlungsbedarf für den oberen Teil der Einkaufsstraße, weil sich das Leben Richtung Marktplatz verlagert. „Oben werden sich Büro- und Wohnfläche, Dienstleistung, vielleicht auf Dauer eher jüngeres Publikum ansiedeln.“ Daran werde gearbeitet.

Für die Rewe-Markt GmbH spielen laut Aussagen des Sprechers Konzerninteressen eine übergeordnete Rolle: „Für die Zukunftsfähigkeit eines Marktes an einem Standort sind eine Vielzahl an spezifischen Einzelfaktoren ausschlaggebend, die sich über die Zeit auch – positiv wie negativ – verändern können. Solche Konsolidierungen des Marktnetzes sind branchenüblich und notwendig.“ Die Beschäftigten der Filiale hätten alle neue Jobs erhalten.

Aufwertung

Die Düsseldorfer Straße und der Ohligser Marktplatz werden umgebaut und aufgewertet. Das soll auch dem vorhandenen Handel ein moderneres Umfeld geben. Erste, zusammen mit den Ohligser Bürgern entwickelte Umbauschritte beginnen bereits in diesem Jahr.

Standpunkt: Das Geschäft ist knallhart

Von Philipp Müller

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Als die Redaktion die Nachricht von der Schließung des Rewe-Marktes in der Nähe des Hauptbahnhofs fast mitten auf der Ohligser Flaniermeile erreichte, da schüttelte ein Kollege nur mit dem Kopf. Er fragte berechtigt: „Wer schließt denn jetzt einen Supermarkt, wo kaum etwas anderes öffnen darf?“. Die Antwort ist: Rewe Köln. Den Managern reichen offensichtlich die Umsätze nicht und sie glauben nicht an Besserung, wenn der zweite Rewe am 8. April als Konkurrent öffnet. So knallhart ist auch unter Corona-Bedingungen das Geschäft. Mit dem Verlust eines kleinen Supermarktes an der einen Stelle und dem neuen größeren am Marktplatz geht die Welt nicht unter.

Aber das Leben verlagert sich und konzentriert sich abseits des Hauptbahnhofs. Sicher, mit den bald einziehenden Bewohnern des O-Quartiers wird es mehr Leben in Ohligs geben. Aber das bannt nicht die Gefahren durch die wachsende Konkurrenz aus dem Online-Handel. Ein Blick in die Innenstadt zeigt, was passiert, wenn die großen Ketten nur auf die Zahlen schauen und verschwinden.

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