Botanischer Garten

Digitaler Automat presst Müll zusammen

Am Botanischen Garten endet im Verlauf des Januars eine Testphase mit einem „schlauen Mülleimer“. Er presst das Müll-Volumen auf 20 Prozent. Das Testgerät fasst 600 Liter Müll in einem 120-Liter-Gefäß.
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Am Botanischen Garten endet im Verlauf des Januars eine Testphase mit einem „schlauen Mülleimer“. Er presst das Müll-Volumen auf 20 Prozent. Das Testgerät fasst 600 Liter Müll in einem 120-Liter-Gefäß.

Technische Betriebe testen Abfallmanagement.

Von Philipp Müller

Solingen. Vor dem Eingang des Botanischen Gartens auf der Seite des Frankfurter Damms kommt ein trockenes „Danke“ aus einem grünen Automaten. Auf ihm steht: „Teste mich mal.“ Hergestellt hat ihn die niederländische Firma Mr. Fill. Der Dank kommt immer dann, wenn der Automat mit Müll gefüllt wird. Jetzt endet die Testphase für den „intelligenten“ Mülleimer, wie das Rathaus den Automaten nennt. Den Einsatz haben die Technischen Betriebe Solingen (TBS) betreut.

Eingesetzt wurde er zunächst für eine Testphase von vier Wochen als Pilotprojekt von Smart City. Das ist ein laufendes Programm, in dem die Stadt Solingen mit Fördergeld des Bundes digitale Möglichkeiten für die Stadtgesellschaft plant und umsetzt. Solingen erhält in den nächsten Jahren rund 9 Millionen Euro, um die Stadt für die digitale Zukunft fit zu machen. Dazu gehört offensichtlich auch die intelligente Entsorgung von Müll im öffentlichen Raum.

Rathaus und TBS sind von den Möglichkeiten der grünen Kiste begeistert, die auf einen Fußtritt hin ihr Maul öffnet. „Das ist ein selbstverpressender Solar-Abfallbehälter mit einem integrierten Aschereinsatz. Im Inneren befindet sich ein normales 120-Liter-Abfallgefäß. Da der Abfall gepresst wird, kann Mr. Fill bis zu 600 Liter Müll aufnehmen“, erklärt Rathaussprecherin Sabine Rische. Aufgestellt wurde der Mülleimer nach Rathausangaben von der Stadt, konkret vom TBS-Teilbetrieb Abfallwirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Teilbetrieb Stadtgrün und Stadtbildpflege.

Die Information, dass ein smarter Abfallbehälter ab dem 9. Dezember für den Testzeitraum von zunächst vier Wochen zur Verfügung stehe, sei kurzfristig gekommen, berichtet Rische: „Die TBS haben sofort die Chance ergriffen.“

Ausgewählt wurde der Standort vor dem Botanischen Garten vor allem deshalb, weil dort viele Menschen vorbeikommen – beim Besuch des Tageblatts an der grünen Kiste in dieser Woche war sie tatsächlich gut gefüllt. Doch es habe noch einen weiteren Grund gegeben, ergänzt Sabine Rische: „Vorteilhaft ist auch, dass die TBS ihn schnell und gut erreichen können, sollte ein Problem auftauchen.“

Solingen: Nach Testphase wird überlegt, wo Mr. Fill eingesetzt werden kann

Ob solche Typen aus dem Hause Mr. Fill flächendeckend eingesetzt werden, ist dagegen noch Zukunftsmusik. Mit dem Ende der Testphase wollen die TBS zunächst die Ergebnisse auswerten. Was dann eventuell Kosten spart und unnütze Fahrten des Personals erübrigt, hat allerdings seinen Preis: Mr. Fill bietet die Müllpresse als Beispiel auf seiner Internetseite für 150 Euro im Monat zur Miete an. Ob sich der Einsatz auf Dauer amortisiere, können die TBS „zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht beantworten“.

Nicht eingebunden in die Aktion ist die Stiftung für den Botanischen Garten. Stiftungssprecher Matthias Nitsche erklärt: „Hätte man die Stiftung nach ihrer Meinung gefragt, hätten wir uns gewünscht, dass dieser Mülleimer auf der anderen Straßenseite am Zugang zur Korkenzieherstraße aufgebaut wird.“ Grundsätzlich findet Nitsche den Mülleimer praktisch, weil er mit dem Fuß zu bedienen ist. Aber der stellvertretende Vorsitzende wirft ein: „Da der Botanische Garten unter Denkmalschutz steht, gibt es klare Vorgaben, welche Mülleimer-Typen im Garten verwendet werden.“ Er wisse nicht, ob Mr. Fill in die direkte Nähe passe.

Müllpresse

Wohin die Reise gehen könnte, beschreiben die Technischen Betriebe so: Der Abfallbehälter verfügt über einen Sensor zur elektronischen Füllstandübertragung. Deshalb muss er nicht im festen Turnus geleert, vielmehr kann eine bedarfsgerechte Leerung geplant werden. Dazu muss aber auch eine digitale Funkstruktur mit der Müllmaschine aufgebaut werden.

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