Autos mit Zukunftstechnologie

Dieser Wagen fährt mit Wasserstoff

Der Solinger Ingenieur Arne Vaeckensted fährt ein wasserstoffgetriebenes Auto. Foto: Michael Schütz
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Der Solinger Ingenieur Arne Vaeckensted fährt ein wasserstoffgetriebenes Auto.

Arne Vaeckenstedt besitzt eins von bundesweit 880 zugelassenen Autos mit Zukunftstechnologie

Von Dirk Lotze

Solingen. Von außen sieht es aus wie ein Kompakt-SUV in aktuellem Design. Die zukunftsweisende Technik unter der Motorhaube zeigt das Auto nur mit einem schlichten Schriftzug auf dem Heck an: „fuel cell“, der englische Ausdruck für Brennstoffzelle. Das Modell Nexo des Herstellers Hyundai arbeitet ausschließlich mit gasförmigem Wasserstoff als Energieträger. Der Solinger Ingenieur Arne Vaeckenstedt fährt seit einem Jahr eines von nur 880 bundesweit zugelassenen Wasserstoff-Autos und ist damit deutschlandweit unterwegs. Sein Fazit, trotz hoher Anschaffungskosten: „Ich würde das jederzeit wieder machen.“

Anstelle eines Verbrennungsmotors hat der Nexo eine Brennstoffzelle von den Abmessungen eines kleinen Rollkoffers unter der Frontklappe. Darin reagiert Wasserstoff-Gas aus Höchstdruck-Tanks mit Sauerstoff aus der Luft. Das Ergebnis ist etwas Wärme und Wasserdampf – und viel Elektrizität. Die wiederum treibt den Elektromotor des Fahrzeugs an. Das Auto hat mehr als 600 Kilometer Reichweite und wird innerhalb von Minuten betankt. Die einzigen Geräusche machen die Reifen und der Wind, es gibt keine schädlichen Abgase vor Ort. Wenn es in einigen Jahren ausreichend Wasserstoff aus CO2-neutralen Quellen gibt, wird diese Technik die Klimaziele unterstützen.

Kfz-Meister sieht das Fahren mit Wasserstoff als die Zukunftstechnologie

Der Solinger Kfz-Meister Uwe Stamm, Obermeister seiner Innung, erläuterte unserer Zeitung auf Anfrage, es gebe weiter wenige Wasserstoff-Fahrzeuge auf dem Markt – und ein dünnes Tankstellen-Netz: „Das ist das Henne-Ei-Problem, irgendwo muss man halt anfangen. Ich halte das Thema für interessant, wenn der Wasserstoff klimaneutral hergestellt wird. Das ist eine gute Sache und eine Zukunftstechnologie.“ Fünf bis zehn Jahre sehe er als notwendig für die weitere Entwicklung, die zunächst überwiegend Nutzfahrzeuge betreffen werde.

Wasserstoff-Pkw-Anwender Arne Vaeckenstedt sagt: „Davor bin ich immer Diesel und Benziner gefahren. Anfang 2019 war aber die Überlegung: Ich muss etwas anders machen – weg vom Verbrenner.“ Als beratender Ingenieur sei er morgens nach Süddeutschland gefahren und abends zurück. Bei der Reichweite werde es eng für Batteriefahrzeuge.

Fahrkomfort vergleichbar dem eines Elektro-Autos

Beim Brennstoffzellen-Angebot eines Herstellers habe er das Modell zu futuristisch gefunden – „wie Raumschiff Enterprise“– ein Händler wiederum eines weiteren Fabrikats habe ihn nur unzureichend beraten können. So habe er schließlich seine Wahl gefunden. Minuspunkt damals: „Die Aussage war: Bestellzeit ein Jahr, eher noch ein bisschen länger.“ Geliefert wurde dann im Mai 2020 – nachdem sich die Arbeit für Vaeckenstedt durch die Corona-Pandemie stark verändert hatte. Seine Einschätzung: „Eigentlich wäre ich jetzt mit der Batterie doch hingekommen. Ich fahr nicht mehr diese Langstrecken. Wenn ich aber doch so weit fahre, ist es einfach genial.“ Der angenehmste Pluspunkt: „Das ist dieses gleichmäßige Dahingleiten mit diesem Auto. Und die technischen Features sind super.“

Der Fahrkomfort ist vergleichbar dem eines Elektro-Autos, aber es gibt im Winter keinen Leistungseinbruch durch eine kalte Batterie. Dazu kommen Assistenz-Systeme wie Einpark- und Spurhalteautomatik. Keine Rolle spielen mögliche Stromengpässe, wenn in einem Wohngebiet 20 Nachbarn gleichzeitig ihre Batterien aufladen, sagt Vaeckenstedt. An Treibstoff zu kommen sei leicht, trotz derzeit gerade mal 91 Wasserstoff-Tankstellen bundesweit: „Es gibt eine App für das Handy, die die Tankmöglichkeiten anzeigt.“ Von Solingen aus wären das Düsseldorf-Süd, Leverkusen, Ratingen und Wuppertal-Nord. Die Anlagen liegen an Autobahnen, bei Fahrten nach außerhalb kommt man ohne größeren Umweg an einer vorbei. 6,3 Kilogramm Wasserstoff reichen zum Volltanken.

Klarer Nachteil für die Ökologie: In Deutschland wird Wasserstoff überwiegend aus Erdgas gewonnen. Dabei gelangt Kohlendioxid in die Atmosphäre. Die Tankstellen geben nicht bekannt, wie der Treibstoff erzeugt wurde.

Wasserstoff

Treibstoff: Ein Kilogramm Wasserstoff kostet derzeit rund 9,50 Euro. 800 bis 900 Gramm sind durchschnittlich nötig für 100 Kilometer Pkw-Fahrstrecke. Getankt und gelagert wird das Gas bei Hochdruck von 700 bar.

Die Tanks im Fahrzeug sind aufwendig auf Dichtigkeit geprüft, damit keine Explosionsgefahr entsteht.

Zulassungen: Zum 1. Januar 2021 waren in Deutschland 880 Wasserstoff-Autos zugelassen, bei steigenden Zahlen.

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