Vergangene Handwerkstradition

Dieseltag zieht Familien und Technikfans an

Beim Dieseltag im Industriemuseum erklärte Thomas Pludra (l.) den Dieselmotor im laufenden Betrieb. Foto: Moritz Alex
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Beim Dieseltag im Industriemuseum erklärte Thomas Pludra (l.) den Dieselmotor im laufenden Betrieb.

Das Team der Gesenkschmiede Hendrichs im LVR- Industriemuseum gab Einblicke in eine vergangene Handwerkstradition.

Von Stephanie Licciardi

Solingen. Mit einem Stampfen, Brummen und Keuchen setzt sich die mächtige Maschine in Bewegung. Scheinbar schwerfällig läuft der aus der Herforder Maschinenfabrik stammende Dieselmotor aus dem Baujahr 1956 an. Mitarbeiter Thomas Pludra von der Gesenkschmiede Hendrichs kontrolliert noch einmal alle Hebel und Knöpfe, während der Dieselmotor warmläuft. Zum Dieseltag im LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs bot das Team am Samstag zwei Sonderführungen durch die frühere Gesenkschmiede an.

Von Familien über Technik- bis zu Handwerkfans – die besondere Veranstaltung erweist sich Jahr für Jahr als Publikumsmagnet, weiß Thomas Pludra. Mit viel Know-how und Engagement vermittelt er sein Wissen an die Besucher. „Hier wird Historie gelebt. Das Museum ist ein Museum zum Erleben und zum Erfahren. Es ist keine bloße Technikansammlung.“

„Das Museum hält die alte Solinger Kultur hoch.“ 

Besucher der Führung

Der Dieselmotor ist eines seiner Steckenpferde. Dieser übernahm in den 1950er Jahren den Antrieb der Hämmer in der Schmiede, nachdem die Dampfmaschine nach einem Kurbelbruch den Geist aufgegeben hatte. Der 200 PS starke Motor hatte zunächst einen Zylinder – für die Gesenkschmiede wurde der Motor extra auf zwei Zylinder „frisiert“, wie Pludra betont.

Zum Anlassen brauche der Motor zunächst Dieselöl, danach wird der Antrieb mit Teeröl aufrechterhalten. Dabei sei der Dieselmotor lange nicht so laut wie angenommen. „Die Bedingungen hier spielten natürlich auch eine Rolle. So waren die Hämmer viel geräuschvoller als so manche Maschine für den Antrieb.“

Das Museumsteam möchte die Besucher in die Präsentation einbeziehen und vermittelt Wissen nicht nur als trockene Theorie. Besucher Julius Herrieger darf dem LVR-Mitarbeiter zur Hand gehen. „Das hat mir gut gefallen“, erzählt er. Auch Vater Herrieger ist von der Sonderführung begeistert. „Wir kommen oft und gern hierher“, sagt der Solinger. „Das Museum hält die alte Solinger Kultur hoch, das gefällt uns sehr.“

Seit die Schmiede 1986 ihre Pforten für immer schloss, ist sie nach dem Umbau zum Museum der Öffentlichkeit zugänglich. Auch frühere Mitarbeiter wie Karl-Heinz Berger, „die Quelle“, wie Pludra schmunzelnd erzählt, gibt Einblicke in eine längst untergegangene Handwerkstradition. Neben dem mächtigen Motor stehen beim Dieseltag auch die anderen Maschinen, Hämmer sowie Hallen im Mittelpunkt. Immerhin gibt es viel zu entdecken und erkunden.

Auch Mitarbeiter Martin Mohn gibt Einblicke in ein Stück Solinger Geschichte. Action pur herrscht, wenn er den mächtigen, rund 200 Kilogramm schweren Riemenfallhammer anwirft, gemeinsam mit den jüngeren Gästen Münzen prägt und Wissenswertes über das Formenarchiv der Gesenkschmiede erzählt, in dem bis heute über 300 000 Formen lagern.

Die stornierten Veranstaltungen, eingeschränkten Besuchergruppen und Sonderführungen sind seit der Corona-Pandemie ein Problem und stellen das Museum vor Herausforderungen. „Alle Mitmach-Angebote und Veranstaltungen sind ja weitestgehend auf Eis gelegt“, sagt Pludra. Anfangs befürchtete er, dass die Besucher wenig von seinen Erklärungen und Anekdoten durch die Mund-Nasen-Maske und die Einhaltung des Abstandes mitbekommen könnten. „Da muss man halt mal etwas lauter sprechen, aber es klappt auch mittlerweile so ganz gut.“ Im Herbst soll es mit weiteren Sonderveranstaltungen wie Workshops und Mitmach-Angebote in kleinem Maßstab weitergehen.

Programm

Führungen: Im Herbst werden Veranstaltungsangebot sowie Sonderführungen weitergehen. Am 10., 17. und 24. Oktober geht es von 13 bis 16 Uhr auf Entdeckungstour zum Solinger Lochbach. Anmeldung ist erforderlich.

Ausstellung: Bis April 2021 ist die Ausstellung „Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Konsums“ zu sehen.

industriemuseum.lvr.de/

Arnd Krüger hat als Kreishandwerksmeisterdie Situation der Kollegen im Blick.

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