Theologen laden im ST zur Andacht ein

Die Taufe – ein Ankerpunkt im Leben

Christian Menge ist seit Jahren Pfarrer an der Lutherkirche und unter anderem für Jugendarbeit zuständig. Fotos: Christian Beier/Christian Menge
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Christian Menge ist seit Jahren Pfarrer an der Lutherkirche und unter anderem für Jugendarbeit zuständig.

Heute Christian Menge – evangelischer Pfarrer an der Lutherkirche

Liebe Leserin, lieber Leser,

da war mal ein leiser Schmerz in mir. In der Gemeinde sprachen wir darüber, dass jeder und jede von uns einen Taufspruch hat, einen Vers aus der Bibel, den er, den sie bei der Taufe mitbekommen hat. Für manch einen ist das etwas sehr Kostbares: Gott hat mir damit auf die Schulter getippt und gesagt: Sieh mal. . .!

An jenem Tag, als wir darüber sprachen, da war er wieder, dieser leise Schmerz, denn ich kenne meinen Taufspruch nicht. Ich werde ihn auch niemals wissen, denn er ist nicht mehr auffindbar. Nicht in meiner Taufurkunde, nicht im Register meiner Taufkirche. Als mir das klar wurde, merkte ich: Mir fehlt etwas. Ich weiß zwar, wann und wo ich getauft wurde, ich weiß, wer dabei war, und welcher Pfarrer damals die guten Worte gesprochen hat. Aber dieses eine kostbare Bibelwort, das damals über mir ausgerufen wurde, ich kenne es nicht. Als wir darüber sprachen, tat es wieder einmal ein bisschen weh.

Doch ich mache was draus. Inzwischen nehme ich einfach die ganze Bibel in die Hand und denke mir: da ist er drin, mein Taufspruch, alles andere ist nicht wichtig. Wichtig ist zu wissen: Ich bin getauft! Es gab einen Tag und einen Ort in dieser Welt, da wurde über mir Gottes Name ausgerufen. Da wurde ich kleiner Wurm Gott hingehalten und gesagt: Sieh mal! Danke! Segne! Liebe!

Dass mir das wichtig geworden ist, ist ein Geschenk. Das war nicht immer so. Früher war mir meine eigene Taufe gar nicht so wichtig, auch als Pfarrer. Wichtig und schön war es, Kinder und Erwachsene zu taufen, Lieder des Lebens zu singen und für sie zu beten. An meine eigene Taufe habe ich dabei nie gedacht.

Was war bei meiner Taufe eigentlich los in der Stadt

Dass auch mein Leben und mein Ja zu Gott einen Ort in Raum und Zeit hatten, das war weit weg. Das ist jetzt anders. Ich bin getauft! Ich habe einen wichtigen Ankerpunkt in meinem Leben, meiner Biografie wiedergewonnen. Auch wenn ich dabei noch ein Baby war – es ist ein Ort in Raum und Zeit, an den zu denken mir Halt gibt und Freude macht. Über mir wurde Gottes Name ausgerufen, während um mich herum Menschen waren, die mich liebten und mir zeigten: Deine Wurzel ist ein Liebesakt Gottes, nicht nur einer Deiner Eltern!

Geschöpfe sind wir alle, die ganze Schöpfung ist aus Gottes Liebe geboren. Getauft sind wir, damit wir von unserer eigenen Geschichte mit Gott wissen, von Aufbruch, Weggehen und Rückkehr, von Stärke und Schwäche, von Umkehr und Gnade. Und davon, dass Gott mit Halbstarken wie mir und Ihnen seine Welt gestaltet.

Christian Menge, evangelischer Pfarrer an der Lutherkirche

Frage an die Christen und Christinnen unter den ST-Lesenden: Kennen Sie Ort und Zeit Ihrer Taufe? Haben Sie ihn als Ankerpunkt im Leben? Und kennen Sie Ihren Taufspruch?

Wenn nicht, versuchen Sie es doch mal herauszufinden. Und wenn Sie ihn haben und er Ihnen nichts sagt, fragen Sie Ihren Pfarrer, Ihre Pfarrerin. Wir mögen das! Gehen Sie dem doch mal nach: Ihre Taufe, damals – was war da eigentlich los in Stadt, Land, Welt? In welche Zeit und welche Fragen wurden Sie hineingetauft? Welche Menschen haben das für Sie getan, haben Ihnen Gott nahegebracht? Ein Gedanke noch für jene unter Ihnen, die einer anderen Religion oder Weltanschauung zugehören: Gibt es vergleichbare Momente in Ihrem Leben, Ankerpunkte, die Ihnen gesetzt und geschenkt wurden? Ich würde mich über die eine oder andere Erzählung freuen: menge@luki.de.

Ihr Christian Menge

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