Vorsorgeserie

Die Problematik des digitalen Erbes

Einen Zugang zu den Sozialen Medien eines Verstorbenen zu bekommen, ist für Angehörige oft mit viel Aufwand verbunden. Symbolfoto: Leon Hohmann
+
Einen Zugang zu den Sozialen Medien eines Verstorbenen zu bekommen, ist für Angehörige oft mit viel Aufwand verbunden.

Soziale Medien sollten von Angehörigen verwaltet werden können.

Von Peter Kurz

Solingen. Er dauerte mehrere Jahre, der Rechtsstreit, in dem die Eltern eines verstorbenen Mädchens schließlich Recht bekamen. Vor dem Bundesgerichtshof setzten sie durch, dass sie Zugang zum Facebook-Konto ihrer Tochter und der dort einsehbaren Kommunikation erhalten. Ein solch kompliziertes und belastendes Verfahren könnte vermieden werden. Doch das setzt voraus, dass man sich beizeiten Gedanken macht: Was soll mit meinem digitalen Nachlass geschehen, wenn ich mal nicht mehr lebe?

Durch gute Planung kann man den Hinterbliebenen viel Ärger ersparen. Es geht um ganz alltägliche, aber praktisch bedeutsame Dinge: Was soll nach dem eigenen Ableben mit wichtigen, digital geführten Verträgen geschehen - angefangen bei Mobilfunkverträgen über Konten bei Onlineshops oder Banken bis hin zu digital gespeicherten Fotos oder gekauften E-Books. Was soll geschehen mit den Mail-Konten oder den Accounts bei sozialen Netzwerken, in denen man sich vielleicht über Jahre ausgetauscht hat und deren Auswertung am Ende sehr viel über die eigene Person aussagt? Soll all das gelöscht werden, sollen einzelne nahe stehende Angehörige Zugriff darauf haben?

Deshalb sollte in einem ersten Schritt eine Liste oder Tabelle aller Accounts mit Benutzernamen und Passworten zusammengestellt werden. Was im Übrigen auch generell ganz nützlich ist. Verschafft es doch einem selbst schon zu Lebzeiten einen besseren Überblick über die eigenen Netzkontakte und -zugänge. Das Ergebnis dieser Sammelarbeit lässt sich zwar auch ganz altmodisch in ein Notizbuch schreiben. Aber wo es schon um das digitale Leben geht, kann die Zusammenstellung auch auf einem mit einem Kennwort geschützten USB-Stick gespeichert werden.

Dieser Stick sollte dann an einem sicheren Ort verwahrt werden – das kann angesichts der Bedeutsamkeit dieses Datenschatzes durchaus auch ein Banktresor sein. Wichtig ist auch: Die Auflistung der diversen Internetaccounts muss immer wieder aktualisiert werden. Jeder weiß, wie oft man Passwörter ändert oder auch neue Dienste über das Internet in Anspruch nimmt. Oder sich von dem einen oder anderen Dienst längst abgemeldet hat.

Eine Vertrauensperson sollte bevollmächtigt werden

Zudem ist es sinnvoll, eine Vertrauensperson auszuwählen und diese zu bevollmächtigen. In einer über den Tod hinaus geltenden Vollmacht sollte der oder diejenige ermächtigt werden, den digitalen Nachlass zu regeln. Und zwar nach den konkret gegebenen Vorgaben, die sich der Tote wünscht. Für jeden Account sollte dort eine genaue Anweisung an den Bevollmächtigten stehen, was er im Einzelnen tun soll. Zum Beispiel: Account nach meinem Tod löschen. Oder: Die auf der Plattform gespeicherten Fotos herunterladen, meiner Familie zur Verfügung stellen und dann den Account löschen. Oder: Das Streaming-Abo kündigen. Auch sollte geregelt werden, was mit den Computern, Festplatten, Daten-DVDs oder USB-Sticks geschehen soll, auf denen ja auch vieles vom digitalen Erbe gespeichert ist.

Die Vollmacht, so raten Verbraucherschützer, sollte handschriftlich verfasst werden, mit Datum versehen und unterschrieben werden. Und ausdrücklich den Zusatz enthalten, dass sie über den Tod hinaus gilt. Eben diese Vollmacht sollte der Vertrauensperson gegeben werden. Verbunden mit der Information, wo sie später die Liste mit den Zugangsdaten zu den Accounts findet - wo also das Notizbuch oder der USB-Stick – und das Kennwort dafür – deponiert ist. Auch sollten andere Angehörige informiert werden, dass man für seinen digitalen Nachlass eine bestimmte Person ausgewählt hat, damit es nicht zu Unstimmigkeiten kommt.

Die Verbraucherzentrale NRW weist zwar darauf hin, dass es auch Firmen gibt, die eine kommerzielle Verwaltung des digitalen Nachlasses anbieten. Die Sicherheit solcher Anbieter lasse sich allerdings nur schwer beurteilen. Einem Unternehmen solle man aber in keinem Fall Passwörter anvertrauen. Auch Computer, Smartphones oder Tablets sollten nicht an kommerzielle Anbieter übergeben werden, die die Geräte nach dem digitalen Nachlass durchsuchen. Hierbei könnten zu viele persönliche Daten an Unbefugte gelangen.

Ratschläge

Anleitungen zur Regelung des digitalen Nachlasses mit einer Muster-Vollmacht und einer Muster-Liste, in der die einzelnen Internetaccounts mit den jeweiligen Zugangsregeln und Anweisungen an den digitalen Testamentsvollstrecker aufgeführt sind, finden Sie auf der Internetseite der Verbraucherzentrale NRW unter dem Suchwort „Digitale Vorsorge“.

verbraucherzentrale.nrw.de

Weitere Folgen – Vorsorge-Ordner wieder erhältlich

Serie: Wir bieten Ihnen immer zweimal wöchentlich interessante Berichte zum Thema Vorsorge.

1. Die gesetzliche Rente

2. Private Altersvorsorge: Die richtige Strategie

3. Private Altersvorsorge: Produktwelt

4. Pflegegrade

5. Pflegekosten

6. Vorsorgevollmacht

7. Patientenverfügung

8. Das Testament

9. Zehn Dinge, die nach dem Todesfall zu regeln sind

10. Was passiert mit der Wohnung?

11. Tabu Sterbehilfe, die Rechtslage in Deutschland

12. Das digitale Erbe

13. Wie Trauerredner trösten

14. Was kostet die Bestattung?

15. Alternative Formen der Bestattung

16. Wenn der Partner stirbt, wann zahlt welche Versicherung?

17. Im Hospiz soll niemand allein sterben

Vorsorge-Ordner: Die Vorsorge-Ordner sind ab sofort wieder erhältlich. Bestellungen sind unter der gebührenfreien Nummer Tel. (08 00) 4 48 87 47 oder im Internet möglich. Für unsere Abonnenten mit ST-Karte gilt ein Sonderpreis von 19,90 statt 24,90 Euro zzgl. Versandkosten (5,90 Euro pro Bestellung). www.der-vorsorgeordner.de/wzplus

Auf unserer Übersichtsseite finden Sie alle Folgen der Vorsorge-Serie.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Corona: Solingen wieder mit landesweit höchsten Wert - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen wieder mit landesweit höchsten Wert - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Solingen wieder mit landesweit höchsten Wert - Impfungen in Burg und Südpark

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare