Reportage

Die moderne Feuerwehr funktioniert nur, wenn Technik und Personal topfit sind

213 Berufsfeuerwehrleute und 258 Menschen bei den Freiwilligen Feuerwehren haben die Sicherheit der Solinger und die der Stadt 24 Stunden und an jedem Tag der Woche im Blick.
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213 Berufsfeuerwehrleute und 258 Menschen bei den Freiwilligen Feuerwehren haben die Sicherheit der Solinger und die der Stadt 24 Stunden und an jedem Tag der Woche im Blick.

Seit 1947 gibt es in Solingen eine Berufsfeuerwehr. Der Fuhrpark der Feuerwehr wird in Solingen über den städtischen Haushalt finanziert. Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehr und Katastrophenschutz arbeiten im Verbund.

Von Philipp Müller

Solingen. Beim Hochwasser heute vor vier Wochen sahen die Solinger viele Feuerwehrwagen quer durch das Stadtgebiet zu den Einsatzorten fahren. Das Ballett der roten Laster, unterschiedlicher Kleintransporter, Motorräder, Unimogs, Spezialfahrzeuge und sogar Lkw mit Containern fuhr zu den Einsatzorten nach streng ausgetüftelten Regeln, die sich in der 74-jährigen Geschichte der Feuerwehr bewährt haben und ständig modernen Anforderungen angepasst werden.

Gottfried Kreuzberg hat den gesamten Fuhrpark der Feuerwehr im Blick. An den Geräten werden die Einsatzkräfte regelmäßig geschult.

Geht in der Leitstelle der Feuerwehr ein Notruf ein, dann entscheidet der Leitstellendisponent, welche Züge der Feuerwehr ausrücken müssen. Das ist ein ausgeklügeltes System aus den richtigen Fachkräften und den dazu passenden Fahrzeugen. Überlegt wird da nicht, sondern auf Knopfdruck fährt die richtige Lösung für den Notruf aus einer der drei Wachen der Berufsfeuerwehr ab. Ziel ist dabei, stets so schnell wie möglich vor Ort zu sein und jeweils die Ausrüstung dabei zu haben, die gebraucht wird.

Mark Schneider ist Drehleiter-Maschinist und zeigt Teile der Ausrüstung, die das Fahrzeug im Ernstfall mitführt und die zum Einsatz kommt.

Hinter den Kulissen der Feuerwehr muss dafür an vielen Stellschrauben gedreht werden. So werden die Feuerwehrleute, die auch teilweise die Rettungswagen besetzen, ständig geschult. Jeder Handgriff muss sitzen. Zugleich muss die Technik passen. Dafür ist unter anderem Gottfried Kreuzberg zuständig. Der Abteilungsleiter Technischer Dienst hat den Fuhrpark im Auge. Mit den Kollegen bestimmt er, wann die Fahrzeuge gewartet oder sogar ersetzt werden müssen.

Auch Fahrzeuge für den Katastrophenschutz kann die Feuerwehr im Bedarfsfall einsetzen, ähnliche Lkw hat auch die Freiwillige Feuerwehr.

Kreuzberg hat dabei nicht nur die Fahrzeuge der Berufsfeuerwehr im Sinn. Auch die acht Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr verfügen über einen eigenen Fuhrpark. Am Böckerhof stehen beispielsweise die kleinsten Einsatzfahrzeuge, zwei Motorräder. Sie können mit Blaulicht an Orte geschickt werden, wo weder Rettungswagen noch Löschfahrzeuge Zugang haben. Zehn Mitglieder der Löschgruppe können sie lenken. Sinn machen die Maschinen, wenn etwa ein Mountainbiker im Wald stürzt. Erste Hilfe ist durch den Einsatz gesichert.

„Es gab Momente, da habe ich um das Leben der Kameraden gefürchtet.“

Dr. Ottmar Müller, Feuerwehrchef

Das Beispiel gibt aber nur einen ganz kleinen Einblick in das, was die Feuerwehren in Solingen leisten können. Da lohnt ein Blick in den Bericht der Berufsfeuerwehr für das Jahr 2020. Allein zu 241 Brandeinsätzen, 69 in Gebäuden, wurde die Feuerwehr gerufen. Bei 434 Fahrten war keine Hilfe notwendig, das wird dann als Fehlalarm protokolliert. Solche Fehlfahrten gab es bei den „Hilfeleistungen“ nicht. 1326 Einsätze zählt der Bericht auf. Das sind dann vom Autounfall bis zum Herzinfarkt ganz unterschiedliche Gründe, warum die Spezialisten der drei Wachen ausrücken mussten.

Die Notarztwagen verfügen heute über viel technische Möglichkeiten, vor Ort Leben zu retten und Patienten zu stabilisieren.

Dass es drei Wachen gibt, hält Brandrat Gottfried Kreuzberg für richtig. „Das verkürzt die Zeiten, bis wir am Einsatzort sind.“ Diese drei Wachen in Ohligs an der Brunnenstraße, in Wald am Frankfurter Damm und an der Katternberger Straße in der Innenstadt werden in den kommenden Jahren mit Millionenaufwand erneuert und an die modernen Anforderungen der Berufsfeuerwehr angepasst.

Der Fuhrpark der Feuerwehr verfügt auch über diesen universellen Radlader, der vom Heben von Paletten bis zum Schneeschieben vieles kann.

Das gilt auch für den Fuhrpark. Die Fahrzeuge halten im Schnitt etwa zwölf Jahre, berichtet Kreuzberg. Damit sie das können, werden sie regelmäßig gewartet. Aber der Fuhrpark muss nicht nur gut in Schuss sein, die Berufsfeuerwehrleute müssen auch wissen, wie man mit ihnen umgeht. Daher finden ständig interne Schulungen statt, damit im Ernstfall jeder Griff sitzt.

Hinter den Rolltoren der Löschfahrzeuge verbergen sich vom Schlauch über Pumpen und Löschmittel noch viele weitere Dinge für den Einsatz.

Insgesamt 213 Köpfe ist das Team in den drei Wachen groß. Sie arbeiten im Schichtdienst. Dazu kommen auch weitere Schulungen. Der Feuerwehrbericht erklärt, dass 204 an einer Fortbildung zu den Sonderfahrten teilgenommen hatten. Dabei wurde vermittelt, wann und wie unter Blaulicht gefahren werden darf. Und sie bekamen als Auffrischung vermittelt, was „zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten“ ist. Ebenfalls 204 Beschäftigte der Feuerwehr waren beim Kurs „Atemschutzgeräteträger Nachschulung / Belastungsübung“. Fortbildungen für Maschinisten, solche für den Einsatz der Kettensäge oder auch, wie man im Ernstfall einen Trupp führt, belegen die Bandbreite der Aus- und Fortbildung, die übrigens auch so ähnlich den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehren angeboten werden.

In den Rettungswagen hilft viel Technik den Sanitätern und Ärzten.

Das alles dient nicht nur dazu, im Ernstfall schnell das Richtige zu tun. Eigensicherung ist ein wichtiges Thema. Da gilt der Grundsatz: Je besser die Leute ausgebildet sind, desto sicherer wird es für sie. Aber das hat Grenzen, wie die Menschenrettung beim Hochwasser in der Nacht zum 15. Juli gezeigt hat. Solingens Feuerwehrchef Dr. Ottmar Müller bekannte, dass es Momente gab, „da habe ich um das Leben der Kameraden gefürchtet.“

Material wird auch zum Bergen von Verletzten in den Wagen bereitgehalten.

Kameradschaft ist den Feuerwehrleuten deshalb sehr wichtig, es ist eine eingeschworene Truppe. Für Gottfried Kreuzberg ist das dann ein wichtiger Ansporn, die Technik immer auf dem neuesten Stand zu halten. Beim Besuch des Tageblatts in den Wachen war auch zu erkennen: Die Fachleute sind stolz auf das, was sie können und leisten.

Feuerwehr: Für die Sicherheit sind in Solingen 116 Fahrzeuge unterwegs

Für ganz unterschiedliche Einsätze hat die Feuerwehr Fahrzeuge in ihrem Bestand. Zählt man die 78 der Berufsfeuerwehr, die 28 der Freiwilligen Feuerwehr und die 10 für den Katastrophenschutz zusammen, so rollen 116 Lkw, Rettungswagen, Motorräder und Spezialfahrzeuge für die Sicherheit Solingens durchs Stadtgebiet. Beim Hochwasser am 14. und 15. Juli waren sie auch fast alle im Einsatz oder hätten es innerhalb von Minuten sofort sein können.

Die Feuerwehr verfügt über Spezialcontainer – etwa für die Versorgung von Verletzten, mit Atemschutzgeräten oder für die Einsatzleitung –, die bei Bedarf per Lkw zum Einsatz kommen.

Der Fuhrpark gliedert sich in verschiedene Einsatzbereiche. So verfügen die Feuerwehrwachen über drei Notarztwagen, zehn Rettungswagen und acht für Krankentransporte. Sieben Löschfahrzeuge gibt es. Fünf tragen die Bezeichnung HLF 20. Das bezeichnet ein „Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug“. Die 20 steht für 2000 Liter Löschwasser, die die Fahrzeuge für die ersten Minuten bei Bränden einsetzen können, bis eine Löschwasserversorgung über Hydranten aufgebaut ist. Auch dafür hat die Feuerwehr entsprechende Rüstwagen mit Material oder wird durch den Bestand der Freiwilligen Feuerwehren ergänzt.

Feuerwehr: Moderne Fahrzeuge verfügen über viel Ausrüstungen für Brände

Zweimal nennt die Berufsfeuerwehr einen TLF 4000 ihr eigen. Das ist ein Tanklöschfahrzeug, dessen Fahrzeugmotor eine Feuerlöschkreiselpumpe antreibt. Der Wagen verfügt über eine Schnellangriffseinrichtung, einen Löschwasserbehälter und eine feuerwehrtechnische Beladung. Zudem wird ein Schaummittelbehälter mitgeführt, der einen fest montierten Schaum-Wasserwerfer beliefert. Dazu gibt es vier Drehleiterfahrzeuge.

Brandmeister Kevin Albers, HLF-Maschinist, zeigt eine Spritze, mit der Brände bekämpft werden können.

Je nach gefordertem Einsatz rücken aus den Wachen entsprechend die Typen Drehleiter, HLF und TLF aus. 20 weitere Fahrzeuge aus den Bereichen Freiwillige Feuerwehr und Katastrophenschutz machen das Ensemble für den schnellen Einsatz komplett. Besetzt werden die Wagen mit Feuerwehrleuten, die sich jeweils mit dem Leistungsspektrum der roten Lkw auskennen. Dabei sind die Trupps nach Hierarchie und Aufgabe zusammengesetzt. So soll alles schnell funktionieren.

Spezialfahrzeuge ergänzen den Fuhrpark der Feuerwehr

Um mehr Personal an die Orte zu bringen, gibt es fünf Mannschaftstransportwagen. Von den als Abrollbehälter benannten Spezialcontainern mit Technik, Logistik und Hilfsmitteln gibt es 13 Stück. Sie müssen mit einem Lkw jeweils an die Einsatzorte gebracht werden. Zum Bestand gehört auch ein MZF, ein Mehrzweckfahrzeug. Der geländegängige Wagen kommt beispielsweise bei der Bergung von Personen im Wald zum Einsatz oder kann auch zur Waldbrandbekämpfung genutzt werden.

Feuerwehr: Die Stadt Solingen investiert 2021 gut 5 Millionen Euro

An der Wache Wald schaut Gottfried Kreuzberg auf die verschiedenen Container, die zu den Einsatzorten gebracht werden können. Sie sind nicht sein Sorgenkind, aber es ginge auch besser. Eigentlich geht es immer besser, weiß der Brandrat der Berufsfeuerwehr Solingen, der die Abteilung Technik leitet.

Der Feuerwehrkran FwK 40 kann fast 40 Tonnen heben und sich fast auf der Stelle drehen. Er ist vielseitig im Einsatz.

Doch die Beschaffung der Fahrzeuge und ihre Unterhaltung ist bei knappen Kassen der Stadt auch ein Balanceakt. Aber es wird weiter in die Sicherheit der Stadt investiert. Allein in den Bereich Rettungsdienst werden bis zum Jahr 2024 gut 3,2 Millionen Euro investiert. Der Haushalt für das laufende Jahr verweist darauf, dass die Fahrzeuge gebündelt bestellt werden. Bei den Rettungswagen, den RTW, hat das aus Sicht der Praktiker in den Wachen den großen Vorteil, dass sie sie nicht mit verschiedenen Fabrikaten vertraut machen müssen. Was sich jetzt als Vorteil erweist, liegt aber auch daran: Es handelt sich laut Haushalt für 2021 „um Beschaffungen, die in früheren Jahren nicht durchgeführt werden konnten“.

Feuerwehr: Neue Fahrzeuge werden in Solingen gebündelt angeschafft

Die Bündelung der Beschaffung der Fahrzeuge ist auch für die anderen Tätigkeitsfelder der Feuerwehr jetzt das Maß der Dinge. 1,9 Millionen investiert die Stadt im laufenden Jahr in Tanklöschfahrzeuge. Die Bündelung der Beschaffung ist auch hier über mehrere Jahre angelegt. Zahlen muss das die Stadt Solingen weitestgehend selbst. Denn nur knapp 230 000 Euro kommen als Feuerschutzpauschale vom Land NRW in die Kassen der städtischen Kämmerei.

Ein eingespieltes Team braucht es, um die Einsätze der Rettungswagen und der Notarztwagen schnell zu koordinieren.

Anders sieht das beim Katastrophenschutz aus. Der ist Sache der Länder und des Bunds. Letzterer stattet die Freiwilligen Feuerwehren mit Fahrzeugen aus. Da sei Solingen gut aufgestellt, sagt Gottfried Kreuzberg. Bei der Berufsfeuerwehr stehen Fahrzeuge für den Katastropheneinsatz, die vom Land kommen. Die seien im Prinzip ähnlich ausgestattet wie die vom Bund, würden sich in der Summe aber gut ergänzen. Und doch liegt da oft die Tücke im Detail. Die Fahrzeuge vom Land haben auf der Hinterachse Zwillingsreifen und sind dadurch etwas robuster im Gelände einsetzbar.

Die Maschine, die Sandsäcke füllt, war beim Hochwasser gefragt.

Mit Blick auf die gerade bewältigte Hochwasserkatastrophe hatte sich Kreuzberg schon gewünscht, dass andere Boote zur Verfügung stehen müssen, will die Solinger Feuerwehr auch selbst bei starker Strömung Menschen retten können. Das muss dann aber erst in den Haushalt eingestellt werden. Auch für die Container, sie enthalten Geräte für den Atemschutz, medizinische Aufgaben, Löschmittel und vieles mehr, soll eine Lösung gefunden werden, sie durch Lkw zu ersetzen, weil das am Ende schneller zum Einsatz führe.

Die Löschgruppe Böckerhof setzt diese Spezialmotorräder ein.

Berufsfeuerwehr

Seit dem 10. September 1947 gibt es in Solingen eine Berufsfeuerwehr. Zunächst wurde in Ohligs und an der Katternberger Straße mit dem Bau der ersten beiden Wachen begonnen. In den 1960er Jahren folgte die dritte Wache in Wald. Heute verfügt die Feuerwehr über eine eigne Schule, die den Nachwuchs ausbildet. Gleich acht Löschgruppen umfasst die Freiwillige Feuerwehr. Sie unterstützen die Berufsfeuerwehr bei deren Einsätzen, sind aber auch selbst in der Lage, Einsätze durchzuführen.

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