Flutkatastrophe

Die Kirche in Unterburg soll so bunt wie möglich werden

Sie wollen die Kirche in Unterburg zu einem besonderen Ort machen – mit Kultur und Begegnung (v. l.): Birgit Siekmann, Regina Brabender und Almuth Conrad. Foto: Theresa Demski
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Sie wollen die Kirche in Unterburg zu einem besonderen Ort machen – mit Kultur und Begegnung (v. l.): Birgit Siekmann, Regina Brabender und Almuth Conrad.

Nach dem Hochwasser setzen sich Ehrenamtler für einen besonderen Kulturort ein.

Von Theresa Demski

Solingen. Das Wasser floss langsam zurück ins Bett der Wupper – und in der Kirche in Unterburg offenbarten sich die Schäden. Den dicken Wänden hatte das Wasser zugesetzt, die alten Bänke aus Holz waren nicht wieder zu erkennen, der Boden hob sich, der Schlamm hatte sich bis in die letzten Ecken des Gotteshauses gedrängt.

„Und plötzlich sahen wir die Möglichkeiten“, sagt Birgit Siekmann aus Unterburg. Als die Helfer den Putz von den Wänden der Kirche geschlagen hatten, die Möbel auf dem Kirchhof lagen und Helfer aus Halle einen Holzboden in das leere Gotteshaus eingezogen hatten, da begannen die Ideen zu sprudeln. „Wir merkten: Hier geht etwas, was vorher nicht ging“, sagt Birgit Siekmann.

Und so wie sie selbst, erkannten das auch andere. Pfarrerin Almuth Conrad etwa: Sie befand wenige Tage nach dem Hochwasser, dass man an einer Art Weggabelung angekommen war. „Wir wussten, es geht nicht mehr weiter und waren bereit, es zu nehmen, wie es ist.“ Aufgeben oder neu denken.

Die Pandemie hatte die Zahlen der Gottesdienstbesucher weiter zurückgehen lassen. Das Gemeindeleben in Unterburg, für das die Evangelische Kirchengemeinde in Wermelskirchen verantwortlich zeichnet, war beinahe zum Erliegen gekommen. Und dann das Hochwasser. „Aber plötzlich entstand der Raum für Möglichkeiten“, sagt Regina Brabender aus Unterburg. Im vergangenen Jahr lud die Kirchengemeinde Anwohner und Interessierte zu einem ersten Perspektivgespräch ein. Das Interesse war groß.

Und bald stand ein Plan: Die Gemeinde würde nicht erst bauen und dann über Nutzungsmöglichkeiten nachdenken, fasst Pfarrerin Conrad zusammen. Stattdessen sollen die Ideen jetzt Raum finden. Sanierung und Kirchenbau stehen dann später auf der Agenda – je nachdem, wie sich die Kirche entwickelt. Seit jenem Tag also, an dem Birgit Siekmann und Regina Brabender in der leeren Kirche standen und ihre Ideen zu sprudeln begannen, ist viel passiert. „Es ist wie ein Puzzle, das sich mehr und mehr zusammensetzt“, sagt Birgit Siekmann.

Für dieses Jahr sind zahlreiche Konzerte und eine Ausstellung geplant, ein musikalisches Picknick im Kirchgarten ist vorgesehen. „So bunt wie möglich“, sagt Birgit Siekmann, „wir wollen sehen, was hier alles denkbar ist.“ Bands mit Rockmusik gastieren in der Kirche genauso wie Chöre mit geistlicher Musik. Künstler haben sich gemeldet, als sie von der neuen, besonderen Bühne im Bergischen hörten. Mit dabei sind etwa The Juicy Souls und ARTonale, Jazz im Ohr und Xciting, die Brasshoppers, Dr. Mojo und Whisper not.

Zudem ist ein Logo entstanden, dass die Kirche in vielen bunten Bausteinen zeigt. „So wollen wir sein“, sagt Regina Brabender, „ein Ort für Einheimische, Spaziergänger und Besucher, die einen Raum der Stille suchen und ein Veranstaltungsort für Besucher, die feiern wollen.“ Beides soll möglich sein.

Und was sagt die Pfarrerin? „Wir freuen uns sehr über das ehrenamtliche Engagement“, sagt Almuth Conrad, „und wir wollen diesen Raum bieten.“ Im Grunde sei die Kirche von ihrem Ursprungsgedanken her ein Sozialraum. Dahin kehre man zurück.

Termine: Das erste Konzert musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden, den Auftakt macht nun am Sonntag, 13. Februar, in der Burger Kirche, Müngstener Straße 1, der Solinger Musiker Christopher Collings. Mit Juan Verdaguer verbindet er die Glocken der Kirche mit Blechblasinstrumenten und elektronischer Musik zu einem Ganzen. Beginn: 17.30 und 19.30 Uhr.

Tickets: Karten für 10 Euro gibt es in den Geschäftsstellen des ST und online.

termine.solinger-tageblatt.de

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