Das Jahr vor dem Schuljahr

Die Kinder erstmal alles selbst versuchen lassen

Diplom-Pädagoge Detlef Träbert informierte im Clemenssaal zu dem Thema „Das Jahr vor dem Schulstart – der Countdown“. Foto: Christian Beier
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Diplom-Pädagoge Detlef Träbert informierte im Clemenssaal zu dem Thema „Das Jahr vor dem Schulstart – der Countdown“.

Diplom-Pädagoge Detlef Träbert informierte über den richtigen Schulstart.

Von Julia-Catharina Wodara

Solingen. „Gibt es den perfekten Schulstart?“ – das ist die Kernfrage des Vortrags zu „Das Jahr vor dem Schulstart – der Countdown“ des Diplom-Pädagogen Detlef Träbert. Beantwortet wurde die Frage bei der Veranstaltung des katholischen Familienzentrums Nord im Clemenssaal dahingehend, wie Eltern ihre Kinder – und desweiteren auch sich selbst – auf die bevorstehende Schullaufbahn des Nachwuchses vorbereiten können. Eine der Kernaussagen des Autors lautete dabei: „Selber tun macht tüchtig, selber denken macht schlau“. Der Vortrag zeigte auf, wie den Kinder genau diese Gewohnheiten beigebracht werden können. Detlef Träbert schöpft seine Erkenntnisse aus 16 Jahren Berufserfahrung als Lehrkraft und einer mittlerweile 25-jährigen Selbstständigkeit mit dem Schulberatungsservice Schubs. Angstfreie Erziehung und große Fehlerbereitschaft stellen Konstanten in Träberts Konzepten dar, ein gewisses Maß an Kontrolle wird davon jedoch nicht ausgeschlossen.

Das betrifft gerade körperliche Bereiche: Steigenden Zahlen an Gesundheitsproblemen, die noch vor Schulbeginn auftreten, darunter beispielsweise Koordinationsstörungen oder Haltungsschwächen, sollte durch eine frühzeitige ärztliche Untersuchung entgegengewirkt werden

Andere Aspekte liegen jedoch noch stärker in den Händen der Eltern selbst: Die Kinder hüpfen und auf einem Bein stehen lassen, um die Grobmotorik zu testen; im Basteln die Feinmotorik fördern – Schulfähigkeit beschränke sich nicht allein auf mentale Fertigkeiten. Aus der Motorik der Kinder erwachsen nämlich später die banalsten, aber lange nicht unbedeutenden Grundvoraussetzungen für das schulische Leben: sei es die klare Artikulation, das Schreiben oder gar nur die eigene Tasche zu tragen.

Diplompädagoge: Kinder sollen Fragen stellen

Und was letztlich die kognitiven Fähigkeiten betrifft, gilt laut Träber vor allem: „Seien Sie froh, wenn Ihr Kind Sie mit Fragen nervt“ – denn entscheidend dafür, dass das Kind eine positive Einstellung zum Lernen erwirbt, ist ein ebenso positives Selbstwertgefühl: „Das ist die Basis der Leistungsmotivation“, erklärt Träbert. Und diese ist letztlich unerlässlich für den Lernprozess.

Eine liebevolle Bindung zum Kind fördert dies ebenso wie die Bereitschaft, das Kind selbstständig sein zu lassen: „Lassen Sie sie alles machen, was sie können. Und was sie nicht können, lassen Sie sie ruhig mal versuchen“, empfiehlt der Diplom-Pädagoge. Und das bedeute für einige Elternteile mitunter das Loslassen der Idee, dass das Kind den eigenen Fußstapfen folgen wird.

Laut dem Diplom-Pädagogen eine ohnehin mehr oder weniger zwecklose Vorstellung: „In 15 Jahren werden sie die Hälfte der jetzigen Berufe nicht mehr kennen, deshalb sollte man sich auch jetzt noch keine Gedanken darum machen.“ Elterlicher Einsatz – dabei nicht zu verwechseln mit Einmischung – sei dagegen in der Kooperation mit den Lehrenden gefragt, wenn der Schulstart schließlich ansteht: „Ich gebe mein Kind ab und die machen das schon – dieser Ansatz funktioniert nicht“, sagt Träbert.

Keine Konkurrenz unter Eltern betreiben

Lehrerinnen und Lehrer besäßen nicht nur Expertise in Lernmethodik, sondern ebenso im Zwischenmenschlichen – bei Problemen jeder Art schon früh die Zusammenarbeit zu suchen, sei deshalb entscheidend. Der Diplom-Pädagoge gibt auch einen Anreiz dafür, was ein guter Schulstart nicht sein sollte: ein Wettkampf um die Frage, „wer sein Kind am besten ausstaffiert.“

ie Schultüten werden immer größer; eine ganze Industrie macht unter dem Motto „Genie im Wachstum“ jedes Jahr großen Umsatz mit Artikeln, die den jungen und manchmal sogar noch ungeborenen Kindern den erfolgreichen Schulabschluss prophezeien – so ein Konsumverhalten könne neben elterlicher Konkurrenz schnell auch zu Einschulungskosten von bis zu 3000 Euro führen.

Träberts sparsamer Tipp ist dagegen: „Warten Sie mit dem Kauf eines Ranzens bis eine oder zwei Wochen vor Schulbeginn“ – die Ausstattung lässt sich zu diesem Zeitpunkt meist zum halben Preis erwerben.

Familienzentrum

Zusammenschluss: Das katholische Familienzentrum Solingen Mitte/Nord ist seit 2010 der Zusammenschluss von vier Kitas im Pfarrverband Solingen Mi/Nor. Seit 2009 ist die Kindertagesstätte St. Clemens auch als Familienzentrum NRW zertifiziert.

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