Klimaexperte

Klimawandel: „Das schaffen wir nicht“ - Wuppertaler Professor erklärt, was auf uns zukommt

Auf Einladung des Solinger Tageblatts war Prof. Dr. Ralf Koppmann zu Gast im Galileum.
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Auf Einladung des Solinger Tageblatts war Prof. Dr. Ralf Koppmann zu Gast im Galileum.

Prof. Dr. Ralf Koppmann sprach im ausverkauften Galileum über den Klimawandel - verständlich und einfach erklärte er, warum wir nicht das 1,5-Grad-Ziel schaffen werden.

Von Andreas Römer

Solingen. „Das schaffen wir nicht!“ – Atmosphärenforscher Prof. Dr. Ralf Koppmann glaubt nicht, dass die Menschheit die Erderwärmung beim vielzitierten 1,5-Grad-Ziel stoppen kann. „Wir reden seit Jahren darüber, beteuern, dass wir es alle wollen – doch es passiert zu wenig“, so das Fazit des Chefs des Instituts für Atmosphären- und Umweltforschung der Bergischen Universität Wuppertal.

Auf Einladung des Solinger Tageblatts präsentierte Koppmann am Dienstagabend seinen Vortrag „Der Klimawandel und seine Auswirkungen – Zusammenhänge verständlich erklärt“ im Galileum, in dem kein Platz frei blieb. Dr. Frank Lungenstraß, Geschäftsführer des Galileums, durfte ein sehr interessiertes Publikum begrüßen.

Treibhauseffekt ermöglicht lebensfähige Temperaturen

Und der Forscher hält, was der Titel seines Vortrags verspricht: Er erklärt verständlich. So sei zum Beispiel der Treibhauseffekt gar nichts Schlechtes. Vielmehr ermöglicht dieser überhaupt Leben auf der Erde. Ohne ihn wäre es hier durchschnittlich minus 18 Grad kalt. Eigentlich strahlt die Erde die von der Sonne kommende Energie wieder ab, unsere Atmosphäre hält aber einen Teil zurück und so erwärmt es sich hier – auf lebensfähige Temperaturen.

„Treibhausgase hat es auch immer schon gegeben“, erläutert Koppmann. Kohlendioxid (CO2), Lachgas, Methan, Ozon und andere kommen in der Natur vor. Doch die menschengemachten Emissionen haben diese natürlichen Werte um ein Vielfaches ansteigen lassen. Das führt etwa zu einem Anstieg der CO2-Konzentration und das wiederum zu einer Erwärmung.

Diese Folgen hat die Erderwärmung

„Die Erde ist so warm, wie sie es seit 800.000 Jahren nicht war“, erklärt Koppmann. Schon jetzt liegen wir 1,28 Grad über dem Wert um 1900. Die Folgen seien dramatisch. Die Ozeane erwärmen sich, Gletscher und Polareis schmelzen und lassen den Meeresspiegel steigen. Permafrostboden taut auf, in anderen Gegenden verschwinden Seen und damit für viele Menschen die Lebensgrundlage.

Klimaveränderungen werden zu weiteren Flüchtlingsströmen führen.

Prof. Dr. Ralf Koppmann

„Die Klimaveränderungen werden zu weiteren Flüchtlingsströmen führen“, ist sich Koppmann sicher. So trockne zum Beispiel der Tschadsee in Afrika aus, sei vermutlich in 20 Jahren komplett verschwunden. Allein rund um den See gibt es 40 Millionen Menschen, die von und mit dem Wasser des Sees leben. „Die Menschen werden sich auf den Weg machen“, sagt Ralf Koppmann. Die Flüchtlingsbewegungen von heute seien dagegen harmlos.

Auch Wetterextreme werden zunehmen

All die Veränderungen seien mit Messwerten belegt, betont der Forscher und kann niemanden verstehen, der Klimaveränderungen oder die Verantwortung der Menschheit dafür leugnet.

Und auch das Argument, Deutschland trage ja nur zu 2,4 Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen bei, lässt er nicht gelten. Pro Kopf liegen wir in Deutschland nämlich bei rund 7 Tonnen, während in vielen ärmeren Ländern pro Kopf nur eine Tonne CO2 emittiert wird.

Klimaexperte hat noch Hoffnung

Doch die Hoffnung auf eine Zukunft hat Koppmann nicht aufgegeben. Man sehe durchaus Bewegung. Der CO2-Ausstoß gehe zurück, die Erneuerbaren werden ausgebaut – nur leider alles viel zu langsam. Wenn alles optimal laufe, käme man auf 1,8 Grad Erwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, verpasse also das 1,5 Grad-Ziel.

Deutlich schlechter sei die Prognose, wenn wir so weitermachen wie bisher. Da werde sich die Erde um mehr als 2,6 Grad erwärmen – mit unabsehbaren Folgen für das Klima und das Leben auf der Erde. Die Kosten für höhere Anstrengungen im Klimaschutz wie etwa beim Verkehr oder bei der Gebäudeeffizienz seien nur auf den ersten Blick hoch: „Die Kosten für die Naturkatastrophen werden höher sein“, so der Experte. Der ist aber auch froh, kein Politiker zu sein, der jetzt die richtigen Entscheidungen treffen muss.

So kann jeder das Klima schützen

Kleine Beiträge kann jeder leisten: Weniger Fleisch essen, die Raumtemperatur senken oder das Auto auch mal stehen lassen, so die Tipps des Wissenschaftlers. Wären in Deutschland keine Geräte mehr auf Stand-by, könnten allein deshalb zwei Kraftwerke eingespart werden.

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