Digitalisierung

Kunstsammlung: Der Schatz der Stadt wird sichtbar

Die Experten Dr. Folke Obermark-Stiller und Maximilian Berkel untersuchen jedes einzelne Werk der städtischen Kunstsammlung, hier das Bild „Baumhaftes“ von August Preuße.
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Die Experten Dr. Folke Obermark-Stiller und Maximilian Berkel untersuchen jedes einzelne Werk der städtischen Kunstsammlung, hier das Bild „Baumhaftes“ von August Preuße.

Das Kunstmuseum Solingen digitalisiert die städtische Kunstsammlung.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Nur ein Bruchteil des etwa 10.000 Werke umfassenden städtischen Kunstbesitzes kann im Kunstmuseum ausgestellt werden. Der Großteil des Schatzes wird im Depot aufbewahrt. Um hier Einblicke zu bekommen, mussten bislang dicke Inventarbücher gewälzt werden. Seit einem Jahr läuft jetzt die Digitalisierung der Kunstsammlung. „Es ist ein großes Glück, damit zukünftig auch nach außen zeigen zu können, was Solingen an Kunstschätzen hat“, zieht Gisela Elbracht-Iglhaut, Direktorin des Kunstmuseums, eine positive Zwischenbilanz.

800 Werke haben die Historikerin Dr. Folke Obermark-Stiller und der Kunsthistoriker Maximilian Berkel schon digital erfasst. Dass die beiden Wissenschaftler, die ähnliche Digitalisierungsprojekte schon in anderen Museen umgesetzt haben, für das Kunstmuseum gewonnen werden konnten, wurde durch Förderungen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), des Freundeskreises Kunstmuseum und des städtischen Smart-City-Projektes möglich.

Förderung hilft beim Weg zur digitalen Stadt

Jedes einzelne Werk wirdgenau untersucht

Jedes einzelne Bild, jede Grafik wird von den beiden Wissenschaftlern genau untersucht, fotografiert, mit Inventarnummer, Künstler, Materialgattung und Stiftung erfasst. „Wir haben auch eine grundlegende Systematik entwickelt, so dass es in einem weiteren Schritt möglich wäre, die Daten den Besuchern auch online zugängig zu machen“, erklärt Maximilian Berkel. Zudem sind die Daten mit den Werken der Künstler in anderen Museen vernetzt. Auch für Ausleihen wie die aktuelle Leihanfrage zu Werken von Max Kratz aus Pirmasens oder die Ausstellung von Werken in öffentlichen Institutionen unter dem Motto „Out of the box“ sei das System nutzbar, erklärt Obermark-Stiller.

Auf den Rückseiten der Bilder verbergen sich oft wichtige Hinweise auf Galerie, frühere Ausstellungen aber auch Beschädigungen.

Die städtische Kunstsammlung, die einen Schwerpunkt auf der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts hat und mit 5 Millionen Euro versichert ist, hat viel Wertvolles in ihrem Besitz. Neben Schlüsselwerken von Georg Meistermann, Max Kratz oder der Sammlung Arthur Dorp – für die es sogar eine Präsentationspflicht gibt – sind das Arbeiten von August Preuße, Lovis Corinth, Anselm Feuerbach oder Franz von Stuck. „Unsere Hauptaufgabe ist es ja, diese Kunstwerke zu bewahren. Für Neuanschaffungen fehlt das Geld, da sind wir auf Schenkungen angewiesen, wie zuletzt die zahlreichen Blätter aus dem Nachlass des Solinger Kunstsammlers Reinhold Eisenbart“, erklärt die Museumsdirektorin.

Die städtische Kunstsammlung wurde zuletzt 1996 bei ihrem Umzug vom Klingenmuseum in das damalige neue Museum Baden, das heutige Kunstmuseum, gesichtet. „Teilweise gibt es noch alte Inventarbücher aus den 1930er und 1950er Jahren“, erklärt Elbracht-Iglhaut. Dr. Heinz-Gerd Karhausen hat die Inventarisierung bislang ehrenamtlich fortgeschrieben.

Aber diese Inventarbücher seien ja immer nur eine Momentaufnahme, erklärt Maximilian Berkel. Das neue digitale System hingegen soll weiter regelmäßig gepflegt und ständig aktualisiert werden. „Jeder Nutzer kann auch Kommentare einschicken, etwa wenn ein Kunststudent das Entstehungsjahr eines Bildes neu recherchiert hat“, erklären die Wissenschaftler. Durch die Datensammlung sollen somit auch die Künstlerbiografien wachsen. Die Digitalisierung der Meistermann-Arbeiten etwa sei eine überregional bedeutsame Aufgabe.

Gemeinsam mit der Museumsleitung habe man eine Prioritätenliste erstellt. „Leider ist es in dem derzeit auf zwei Jahre befristeten Projekt nicht möglich, alle Werke zu erfassen“, erklärt Dr. Folke Obermark-Stiller. So liegt der Schwerpunkt auf Malerei und Skulptur. Druckgrafiken und Zeichnungen werden zurzeit weiterhin ehrenamtlich betreut. „Dieses Projekt ist auch für den Freundeskreis des Kunstmuseums Solingen eine tolle Chance, die Sammlung wiederzuentdecken“, betont deren Vorsitzender Matthias Erntges. Es sei durchaus eine Sammlung, auf die man in Solingen stolz sein könne.

Kunstbesitz

Umfang: Der städtische Kunstbesitz des Kunstmuseums Solingen verfügt über einen Gesamtumfang von etwa 10 000 Objekten. Davon sind etwa 6000 analog inventarisiert. Diese stehen jetzt im Mittelpunkt der Digitalisierung, die auch über das zweijährige Projekt hinausgehen soll.

Standpunkt von Simone Theyßen-Speich: Zeigen, was man hat

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Solingen hat viele Schätze, aber wie so oft wird das, was vor der eigenen Haustür liegt, nicht wirklich wertgeschätzt. Da reisen Kunstinteressierte in die Museen nach Wuppertal, Köln oder Bonn, ohne vielleicht jemals im Kunstmuseum Solingen gewesen zu sein. Die eigenen Stärken zu präsentieren – auf diesem Weg müssen Stadt und Museen weiter voranschreiten.

Oder wer weiß, dass der Bergische Kunstpreis einer der bundesweit relevantesten und bestdotierten Kunstpreise ist? Dass man für Georg Meistermann und seine international anerkannte Glaskunst im Kunstmuseum extra einen zwei Stockwerke hohen Raum architektonisch geschaffen hat? Und dass die städtische Kunstsammlung einen Versicherungswert von 5 Millionen Euro hat?

Für alle Museen gilt: Zeigen, was man hat – die Digitalisierung ist deshalb ein wichtiger Schritt, Solinger Kunst zu vernetzen und für viele Menschen auch außerhalb der Stadt erreichbar zu machen.

Auch interessant: Tankrabatt: Ansturm an Zapfsäulen bleibt in Solingen aus

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