Zentrum für verfolgte Künste

Der Präsident von Mobilistan rollt am Museum vor

Die Austellungeröffnung im Zentrum für verfolgte Künste wurde am Donnerstagabend zum „Staatsakt“ durch den Präsidenten von Mobilistan.
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Die Austellungeröffnung im Zentrum für verfolgte Künste wurde am Donnerstagabend zum „Staatsakt“ durch den Präsidenten von Mobilistan.

Manaf Halbouni macht die Eröffnung seiner Ausstellung „Zone“ zum Kulturereignis.

Von Philipp Müller

Solingen. Mit voller Inbrunst singen der Präsident von Mobilistan, der Künstler Manaf Halbouni, seine Staatsministerin Barbara Repe und Staatsminister Christian Manns vor dem Zentrum für verfolgte Künste die Nationalhymne von Mobilistan. Dann schreiten sie, von Zentrumsdirektor Jürgen Kaumkötter und Kuratorin Birte Fritsch begrüßt, über den roten Teppich in den Meistermannsaal des Museums. Dort unterzeichnen sie mit dem Zentrum einen Freundschaftsvertrag und ein Kulturabkommen. Und da der Bürgermeister Thilo Schnor (Grüne) und der stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland (LVR), Prof. Dr. Jürgen Wilhelm (CDU), auch anwesend sind, folgen Abkommen mit dem LVR und der Stadt Solingen.

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Was sich wie ein Staatsakt liest, war in Wahrheit eine Kultur- und Kunstaktion. Manaf Halbouni hat sich den Staat Mobilistan ausgedacht. Er ist auf die Größe der Staatslimousine beschränkt. Viele Staaten Europas hat das Regierungstrio bereits besucht. Der Künstler will damit die Fragen stellen, wie ausgegrenzt wird, was Grenzen ausmachen und wo sie fallen sollen. Und er liefert gleich die Antwort: Es geht nichts über die Freiheit.

Halbouni war gekommen, um seine Ausstellung „Zone“ im Zentrum vorzustellen. Sie besteht aus 250 Ölfässern und greift die Trennung Zyperns in zwei Teile auf und die „Green Line“, das Niemandsland, das von UN-Friedenstruppen kontrolliert wird. Wie das Tageblatt bereits berichtet hat, ist es eine beeindruckende Ausstellung geworden.

Die EU verstößt mit der Push-Back-Aktion gegen das Recht.

Thilo Schnor, Bürgermeister

Bürgermeister Schnor fand in Sachen Grenzen klare Worte für das Flüchtlingsdrama an der Grenze zwischen Polen und Belarus: „Die EU verstößt mit ihrer Push-Back-Aktion gegen internationales Recht.“

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Wozu das Überschreiten aller Grenzen des Menschlichen und Moralischen hin zu Rassismus, Vernichtung und Vertreibung führt, das greift die aus den USA stammenden Künstlerin Anna VanMatre auf. Sie ist mit einer weiteren Ausstellung im Zentrum vertreten. Mit digital entstandenen Bildern erinnert sie an den Freiheitskampf in den Ghettos von Krakau und Warschau im von den Nazis beherrschten Polen. „Ich will starke Bilder zeigen“, sagte sie. Ihre Motive sind von apokalyptischen Flammen geprägt. „Sie sind die internationale Sprache, die jeder versteht.“

Prof. Wilhelm griff das in seinem Grußwort auf. VanMatres Schau „To those who fight“ („denen gewidmet, die kämpfen“) stelle Jan Karski in den Mittelpunkt: Ein Jude, der bewusst ins Ghetto Warschau ging, ins Vernichtungslager Belzec kam, fliehen konnte und den Alliierten von den Taten der Nazis berichtete. „Wie mutig und tapfer dieser Mann war, ist unglaublich“, zeigte sich Wilhelm beeindruckt. In Polen und im angelsächsischen Raum sei Karski ein Held und Superstar, erklärte Zentrumsdirektor Kaumkötter. Er hoffe, durch die Ausstellung diesen Mann auch in Deutschland bekannter zu machen. VanMatre kannte Karski persönlich und beschrieb ihn als schüchternen Menschen – kaum vorstellbar angesichts dieser Biografie.

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Die dritte Ausstellung ist Heinrich Mann gewidmet. Er wäre in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden. Ermöglicht hat die Ausstellung der neue Freundeskreis des Zentrums für verfolgte Künste. „Eigentlich gehört Heinrich Mann neu entdeckt“, sagte die Freundeskreisvorsitzende Sylvia Löhrmann. Er habe sich früh für ein vereintes Europa und Demokratie eingesetzt. Möglich wurde eine Schau mit Erstausgaben von Ralf Wassermeyer, die das ST kommenden Samstag an dieser Stelle vorstellt.

Es gehe um die Verantwortung für die Geschichte und um Zivilcourage in allen drei Ausstellungen, betonte Kaumkötter. Möglich wurde die Trilogie mit Hilfe des Kulturparlaments, dem Morgner Haus Soest, der Galerie Zilberman, dem Kulturfonds NRW und der Allianz-Kulturstiftung.

Museum digital

Eine Übersicht über die drei Ausstellungen unter dem Titel „Kunst kennt keine Grenzen“ bietet das Zentrum im Internet. Dort werden auch die kommenden Erklär-Videos zu sehen sein: https://verfolgte-kuenste.com

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