Innenstadt

Der Kaufhof-Abriss verzögert sich

Blick auf den Kernbereich der City mit den Clemens-Galerien sowie den ehemaligen Kaufhof- und P&C-Gebäuden. Im Hintergrund: der Fronhof.
+
Blick auf den Kernbereich der City mit den Clemens-Galerien sowie den ehemaligen Kaufhof- und P&C-Gebäuden. Im Hintergrund: der Fronhof.

Die Neubaupläne für einen Wohn- und Gewerbekomplex sollen 2025 abgeschlossen sein.

Von Philipp Müller

Solingen. Der ursprünglich für den Oktober angekündigte Abriss des Kaufhofaufgebäudes und dem früheren Peek & Cloppenburg wird erst im Februar oder März 2023 stattfinden. Das berichtet der Geschäftsführer der Verwaltung Fronhof GmbH, Alexander Scholl. Die Firma wird den Neubau mit 81 Wohnungen, vorwiegend für Senioren, und dem Gewerbeanteil im Erdgeschoss durchführen. Zuletzt habe es Gespräche mit Nachbarn wegen der Bauabstandsflächen gegeben, die zu einem guten Ende gekommen seien. Das habe letztlich auch zur Verzögerung geführt.

Die Immobilien mit Kaufhof und P & C gehörten ursprünglich zur Immobilien Solingen Projektgesellschaft, die auch die Clemens-Galerien betreut. Eine Neuvermietung der beiden Kaufhausflächen waren gescheitert und seit 2019 gibt es die Pläne, die alten Gebäude abzureißen und durch neue zu ersetzen. Dazu wurden die Immobilien in eine neue Gesellschaft ausgegliedert. Die Verhandlungen mit der Stadt begannen, an deren Ende ein Mix aus wenig Gewerbefläche für die Nahversorgung sowie betreutem Wohnen für Senioren und Wohnungen zur Selbstnutzung stehen.

Mit Plänen des Hamburger Architekurbüros Prasch, Buken und Partner wird der Neubau umgesetzt. Mit Nachbarn einigte man sich jetzt, wie der Baukörper links zur Kölner Straße aussehen wird. Baustart wird im Herbst 2023 sein.

Alexander Scholl war schon seit Beginn der Überlegungen in das Projekt eingebunden und wurde jetzt als Geschäftsführer in die leitende Position berufen. Er berichtet, dass es bezüglich der ursprünglichen Baupläne noch Gespräche mit angrenzenden Nachbarn gab. Gebäudehöhen mussten abgestimmt werden, denn nach dem Baurecht muss sich der Neubau an die umliegende Architektur anpassen.

Scholl ist besonders einem Nachbarn dankbar, dass die Pläne mit 81 Wohnungen jetzt wie geplant umgesetzt und nicht abgespeckt werden müssen. Zur Seite der Kölner Straße wird die mehrgeschossige Wand nun auch Fenster enthalten, hinter denen sich Flure und Zuwegungen zu den Wohneinheiten befinden.

Umfang und Zeitabläufe des Abrisses werden jetzt geplant

Aktuell ist ein Fachmann damit beauftragt, den Ablauf und Umfang der Abrissarbeiten zu berechnen. Denn die Reste der alten Gebäude werden recycelt. In Kürze erfolge auf dieser Basis die Ausschreibung für den Abriss. Parallel bereiten Scholl und sein Team auch die Ausschreibung für einen Generalunternehmer für den Rohbau vor. Gelinge der Abriss innerhalb von sechs Monaten, soll noch im Herbst oder frühen Winter 2023 die Bodenplatte für die künftige Tiefgarage angelegt werden.

Übergeben werden die Wohnungen und künftigen Gewerberäume Anfang 2025, so sieht es die Planungen vor. Dazu muss der Neubau noch an die Tiefgarage der Clemens-Galerien angeschlossen werden. Denn durch diese erfolgt die Zufahrt zu den eigenen Parkflächen. Scholl kennt natürlich die Situation, dass die Tiefgarage seit Monaten geschlossen ist. Er betont noch einmal, wie ärgerlich es sei, dass die Lieferanten für die neue Entlüftungsanlage wegen Lieferkettenproblemen keine verlässlichen Termine für den Einbau der Technik nennen würden.

Verkaufspläne sind ein Gerücht

In den vergangenen Wochen waren dem Tageblatt Informationen zugetragen worden, die Neubaupläne würden auf Eis liegen, da alles verkauft werde. Das weist Scholl ins Reich der Fantasie. „Ich wäre wohl kaum als Geschäftsführer berufen worden, um jetzt mit Tempo die Umsetzung der Pläne anzugehen, wenn es Verkaufspläne gibt.“ Mit Scholl setzt die Fronhof GmbH auf einen Projektentwickler, der seine Handwerk in Gießen bei einer kommunalen Baugesellschaft gelernt hat.

Das Projekt werde trotz der schwierigen Umstände im Bausektor realisiert, betont Scholl. Aktuell leidet die Branche vor allem unter den gestiegenen Preisen für Baumaterial. Zugleich gibt es Lieferschwierigkeiten. Die hatte aktuell auch Kondor Wessels angeführt und erklärt, die Fertigstellung des O-Quartiers am Ohligser Marktplatz verzögere sich dadurch.   | Standpunkt

Neubauprojekt

Für das neue Gebäude hatte die Stadt Solingen mit der Eigentümer-GmbH extra das vorhandene Baurecht geändert und alte Bebauungspläne aufgehoben. So war ein städtebaulicher Vertrag möglich, der Umfang, Höhe und Ausstattung des Neubaus regelt. Verwaltung, Architekten und Eigentümer hatten versichert, eng miteinander zu kooperieren und die Politik und Öffentlichkeit über die Umsetzung zu informieren. So wird auch der Start des Abrisses vorab kommuniziert.

Standpunkt von Philipp Müller: Das Bauen wird teurer

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Dass sich der Neubau auf dem Gelände am Fronhof, wo früher Kaufhof und Peek & Cloppenburg die Kunden begrüßten, jetzt um ein halbes Jahr verzögert, das ist keine wirkliche Überraschung. Mit Beginn der Corona-Pandemie brachen Lieferketten für Baumaterial weg, weil vieles aus Übersee und Asien kommt. Manches aus Ost-Europa, da herrscht jetzt auf dem Gebiet der Ukraine Krieg.

Es gilt jetzt zu beobachten, was das für die gesamte Bau-Branche bedeutet. Noch verbreitet sie Zuversicht. Doch bundesweit werden erste große Projekte gestoppt und auf Eis gelegt. In Solingen kreist die Arena Bergisch Land am Himmel und ist Gegenstand der Analyse im Rathaus beziehungsweise von Planungsexperten. Auch da wird man am Ende nicht überrascht tun dürfen, wenn alles viel teuer wird.

Für die City ist es daher gut, dass die Investoren offensichtlich an ihrem Projekt festhalten. Jedoch wird das auch damit verbunden sein, dass die Rendite sinkt und die Margen für Verkäufer und Vermieter geringer sein werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Christoph-Kramer-Tribüne: Weltmeister will in Solingen einsteigen
Christoph-Kramer-Tribüne: Weltmeister will in Solingen einsteigen
Christoph-Kramer-Tribüne: Weltmeister will in Solingen einsteigen
Nachhaltigkeit: Solingen ist Vorreiter
Nachhaltigkeit: Solingen ist Vorreiter
Nachhaltigkeit: Solingen ist Vorreiter
120 Helfer sammeln eine Tonne Müll in der Ohligser Heide
120 Helfer sammeln eine Tonne Müll in der Ohligser Heide
120 Helfer sammeln eine Tonne Müll in der Ohligser Heide
Was wissen Sie über die Geschichte des Gebäudes?
Was wissen Sie über die Geschichte des Gebäudes?
Was wissen Sie über die Geschichte des Gebäudes?

Kommentare