Mein Leben als Papa

Der dritte Geburtstag: Es kommt oft anders, als man denkt

„Die Drei soll noch nicht ab“, weist uns Polizist Michel an. Foto: gf
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„Die Drei soll noch nicht ab“, weist uns Polizist Michel an.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (3!)

Solingen. Es sollte die erste richtige Familienfeier nach langer Zeit werden. Alle wollten sie kommen, um Michel an seinem dritten Geburtstag in unserem Garten hochleben zu lassen. Doch erst machten uns die trüben Wetteraussichten einen Strich durch die Rechnung, dann trat bei Michel das ein, was bei Neuankömmlingen im Kindergarten ohne erprobtes Immunsystem eigentlich immer eintritt: Sie werden krank. Also: Die Familie kurzfristig ausgeladen und gehofft, dass Michel sich über Nacht gut erholt und er wenigstens ein bisschen was von seinem großen Tag hat.

Als ich am Geburtstagsmorgen Michels Zimmer betrete, hockt mein nun drei Jahre alter Filius noch etwas blass und hustend, aber gut gelaunt auf seinem Bett und freut sich, mich zu sehen. „Können wir spielen, Papa?“, geht er auf meine Umarmung und meinen Glückwunsch gar nicht ein. Auch dass die Mama, in deren Armen er die Nacht verbracht hat, im Wohnzimmer seinen Geburtstagstisch vorbereitet und letzte Hand an der Deko anlegt, interessiert ihn nicht sonderlich.

Hannes, gerade erst erwacht, ist viel aufgeregter als sein kleiner Bruder. „Michel, hier stehen schon deine Geschenke“, ruft er ihn. Aber Michel will mit mir erst mal in Ruhe das Würfelspiel zu Ende spielen. Ein paar Gedanken macht er sich allerdings schon. „Das Christkind hat die Geschenke gebracht“, stellt er eine These auf, die leider nicht haltbar ist. „Komm, wir gehen jetzt mal gucken“, kann ich ihn endlich mühsam überreden. Sein erster Blick fällt aber nicht auf die bereits aufgebaute Feuerwache von Playmobil, sondern auf die große Drei – den Luftballon, der von der Decke baumelt. „Bin ich jetzt drei?“, fragt er. „Ja, bist du!“

Michels Aufmerksamkeit gilt nun den Geschenken

Hannes sorgt dafür, dass Michels Aufmerksamkeit nun endlich den Geschenken gilt. Gemeinsam packen sie aus, und wenn man es nicht wüsste, wäre es nicht leicht herauszufinden, wer von beiden eigentlich Geburtstag hat. Ob Löschfahrzeug, Baustellenspiel oder Polizeibus-Zelt – Hannes freut sich über die Geschenke mindestens genauso sehr wie Michel. „Wenn ich eine Schwester hätte, wären die Geschenke bestimmt nicht so cool“, sagt er später vor dem Schlafengehen.

Aber zurück zu Michel: Nachdem er die Kerze auf dem Geburtstagskuchen ausgepustet und ein Stückchen verdrückt hat, vergisst er seine leicht erhöhte Temperatur und die Tatsache, dass er noch gar nicht wieder richtig fit sein kann. Er verbringt den ganzen Vormittag vergnügt mit Hannes und seinen neuen Spielzeugen.

Gunnar Freudenberg

Nach dem Mittagessen heißt es aber: Game over. Rien ne va plus. Nichts geht mehr bei Michel. Die Kräfte haben ihn verlassen. Ich fahre mit ihm ein wenig mit dem Auto durch die Gegend, weil ich weiß, dass er mittags nicht so gerne mehr schlafen möchte, im Auto aber garantiert zur Ruhe kommt. Tatsächlich holt er sich eine Mütze Schlaf und macht am Nachmittag da weiter, wo er am Vormittag aufgehört hat.

Die ausgeladenen Gäste melden sich nach und nach per Videoanruf, um Michel zu gratulieren. „Gut“, „Ja“ und „Polizei“ antwortet er einsilbig auf die Fragen der Verwandten, wie es ihm geht, ob er Geschenke bekommen hat und was denn das schönste Geschenk gewesen sei. Ich glaube, er hat diesen ruhigen Geburtstag mit ganz viel Zeit zum Spielen auch ein bisschen genossen. Und in den nächsten Tagen darf er sich häppchenweise über noch mehr Geschenke freuen. Von den Omas, Opas und Tanten. „Und vom Weihnachtsmann auch noch?“, fragt er. „Dauert noch“, erkläre ich ihm.

In der letzten Woche machte sich Hannes Gedanken über‘s Heiraten. Ob er wohl irgendwann Nachbarstochter Mila heiraten wird?

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