Nachruf

Der Bilderhauer Henryk Dywan ist gestorben

Henryk Dywan lebte und arbeitete in einem alten Gehöft, dem früheren „Pfaffenhof“. Dort bewahrte er auch die Gussformen für seinen „Klingenschmied“ auf. Archivfoto: Michael Schütz
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Henryk Dywan lebte und arbeitete in einem alten Gehöft, dem früheren „Pfaffenhof“. Dort bewahrte er auch die Gussformen für seinen „Klingenschmied“ auf.

Seine Skulpturen prägen das Solinger Stadtbild, seine sakrale Kunst die Kirchen.

Von Philipp Müller

Solingen. Er war kein lauter Künstler, kein Entertainer der Zunft der Bildenden Künste. Henryk Dywan verstarb diese Woche im Alter von 88 Jahren in Höhscheid. Dort lebte und arbeitete er bis zuletzt in einer Hofschaft. Er hinterlässt eine Tochter, einen Schwiegersohn und ein Enkelkind.

Auch wenn er nicht laut war, so ist Dywan doch im Stadtbild sehr präsent. Zahlreiche Skulpturen sind an markanten Punkten aufgebaut (siehe unten). Sie belegen die Bandbreite seines künstlerischen Schaffens. Da ist einmal der Bezug zu Solingen, das ihm seit 1960 zur Heimat wurde. Ausdruck findet dies beispielsweise im „Schleifer an der Pliestscheibe“ in Solingen-Wald. Er war auch der Zeitgeschichte verpflichtet, schuf für Solingen das Denkmal „Unteilbares Deutschland“ am Entenpfuhl.

Die dritte und sicher sehr wichtige Seite war die sakrale Kunst. Das Solinger Tageblatt begleitete ihn bei einer Führung durch die Kirche St. Engelbert an der Sandstraße. Dort schuf er Kunst seit 1979. Für den Kreuzweg machte er sich nach Jerusalem auf. Er sammelte dort 15 Steinchen auf dem Kreuzweg, der „Via Dolorosa“, die er ins Mauerwerk der Kirche einließ, mit seinen Platten zu den Stationen des Kreuzwegs verschloss. Dabei bekannte er zu seiner Motivation, religiöse Kunst zu schaffen ganz innig und leise: „Das steckt tief in mir drin.“

Gisela Elbracht-Iglhaut, die Direktorin des Kunstmuseums im ehemaligen Gräfrather Rathaus ordnet ein: „Henryk Dywan, der sein Studium von 1954 bis 1960 an den Kölner Werkschulen bei Professor Ludwig Gies absolviert hat, wird seiner Wahlheimat Solingen durch zahlreiche Skulpturen, die er für den öffentlichen Raum geschaffen hat, in Erinnerung bleiben. In den 70er und 80er Jahren gewann er dazu eine Vielzahl an Landeswettbewerben in NRW.“

Dywan habe mit dem Klingenschmied-Denkmal am Alten Markt oder dem „Pliestscheiben Schleifer“ am Walder Kirchplatz typische Solinger Themen aufgegriffen, sie. Aber auch sakrale Monumente, wie der eindrucksvolle „Clemens Romanus“ vor der St. Clemens Kirche in der Innenstadt oder das Bronzerelief des St. „Ivo“ am Eiland zählten dazu.

Skulpturen in Solingen, NRW und bundesweit werden dafür sorgen, dass Henryk Dywan unvergessen bleibt.

Gisela Elbracht-Iglhaut, Kunstmuseum

Am Entenpfuhl stehe das Denkmal „Unteilbares Deutschland“, das habe er drei Jahre nach dem Mauerbau 1961 in Berlin geschaffen. Vor dem Kunstmuseum an der Wuppertaler Straße freuten sich die Museumsbesucher über Dywans „Sonnenuhr“. „Zahlreiche weitere Skulpturen in Solingen aber auch in NRW und bundesweit werden dafür sorgen, dass Henryk Dywan unvergessen bleibt“, betont Gisela Elbracht-Iglhaut.

Doch nicht nur die Kunst im öffentlichen Raum und die in Kirchen werde sein Vermächtnis bewahren, sagt die Museumsdirektorin: Am 19. August 2020, dem Todestag seiner Frau Ilse, erschien der Katalog „Das Atelier des Bildhauers Henryk Dywan“ das der Kunsthistoriker Dr. Walter Geis herausgegeben hat. „Das Buch gibt einen eindrucksvollen Einblick in das Werk von Henryk Dywan“, betont sie. Das ist im Kunstmuseum erhältlich.

Im Jahr 2020 besuchte das Solinger Tageblatt Henryk Dywan in seinem Atelier- und Wohnhaus in Höhscheid, des als „Pfaffenhof“ bekannten Fachwerkhauses. Damals bekannte er zu seiner Höhscheider Umgebung: „Ich habe diese Gegend gleich sehr geliebt.“

Dywan-Skulpturen

Der am 1. Mai 1933 in Konitz geborene Künstler schaffte unter anderem diese Werke: An der Kirche St. Clemens die Skulptur Clemens Romanus; das Denkmal „Unteilbares Deutschland“ am Entenpfuhl; an der Unteren Hauptstraße der 1988 eingeweihte Tirwelspitter, der zum Spielen einlädt und am Alten Markt den Klingenschmied.

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