Kirche

Der Bedarf an Seelsorge ist in der Krise deutlich gestiegen

Pfarrer Christian Lerch hat immer ein offenes Ohr. Foto: Christian Menge
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Pfarrer Christian Lerch hat immer ein offenes Ohr.

Die Pfarrer der evangelischen Gemeinden sind auch in Corona-Zeiten für ihre Gemeindemitglieder da.

Von Moritz Jonas

Solingen. In einer Krisenzeit spielen kirchliche Seelsorgeangebote für Menschen eine wichtige Rolle. „Ich nehme wahr, dass der Bedarf an Seelsorge in den vergangenen Monaten gewachsen ist“, sagt Christian Lerch, Pfarrer der Luther-Kirchengemeinde. Das sei vor der Krise deutlich seltener vorgekommen. Lerch ermutigt die Menschen, diesen Schritt zu gehen. Er nimmt dann gerne per Telefon Kontakt auf.

Zumal es im Corona-Lockdown noch wichtiger ist als sonst, dass Menschen mit Gesprächsbedarf die Initiative ergreifen und sich melden. Viele Gelegenheiten, bei denen Pfarrerinnen und Pfarrer sonst ganz niedrigschwellig mit ihren Gemeindemitgliedern ins Gespräch kommen können, finden zurzeit nicht statt. Für Christian Lerch spiegeln die Anfragen genau das wider: „Seelsorge am Gartenzaun kann im Moment eben nicht stattfinden“, sagt er.

Gesprächssituationen müssen aktiv geschaffen werden

Darum müssten solche Gesprächssituationen aktuell aktiv geschaffen werden. Der Höhscheider Pfarrer versucht darauf zu achten, bei Begegnungen auf der Straße, wenn er spontan mit Gemeindegliedern ins Gespräch kommt oder Andachten mit einem kurzen Gruß per Post verschickt: „Nicht überall, wo Seelsorge drin ist, steht auch Seelsorge drauf“, sagt er. Zum Beispiel, wenn er Menschen fragt, wie es ihnen gerade geht, dann hat er oft den Eindruck, dass die Menschen diese Frage gerade ernster nehmen und es für eine einfache Floskel halten, so Lerch.

Auch die Widderter Pfarrerin Kristina Ziegenbalg sucht in der Corona-Krise aktiv den Kontakt zu Menschen aus ihrer Gemeinde. Sie schickt regelmäßig Whatsapp-Nachrichten in deren Alltag. Denn der ist in diesen Zeiten für viele schwierigen als sonst. Wenn der Unterricht mit den Kindern am Küchentisch längst abgeschlossen ist oder Senioren einen weiteren Tag ohne persönliche Begegnungen beschließen, wenn es leise wird in den Wohnzimmern, bei Familien und alten Menschen, bei Singles und Paaren, dann machen sich dort zuweilen große Sorgen breit. „Die kleine Nachricht per Smartphone kommt für die Menschen dann manchmal genau im richtigen Moment“, weiß die Pfarrerin.

Drei- oder viermal in der Woche schickt sie einen kurzen Gruß an die Menschen, die sich für die Smartphone-Botschaft in Corona-Zeiten angemeldet haben: 80 Gemeindeglieder stehen inzwischen auf der Liste. Und immer öfter bekommt die Pfarrerin auch eine Antwort auf die kurzen Textimpulse, die kleinen Videos oder die Gebete, die sie auf den Weg schickt. „Die Menschen signalisieren mir dann: ‚Das tut mir heute gut‘“, erzählt sie. Manchmal erwächst daraus dann ein Gespräch – erst per Whatsapp und schließlich am Telefon.

„Am Anfang der Pandemie hatten wir vor allem die älteren Menschen im Fokus“, erinnert sich Kristina Ziegenbalg. Briefe und Telefonate. „Inzwischen ist die Zielgruppe für Seelsorgeangebote gewachsen“, sagt die Pfarrerin. Die Gemeinde in Widdert will auf die Menschen zugehen, Seelsorge anbieten – mit Post, Anrufen und den regelmäßigen Whatsapp-Nachrichten.

Auch in den anderen Gemeinden des evangelischen Kirchenkreises laden Pfarrerinnen und Pfarrer ebenfalls ein, sich bei Bedarf zu melden.

klingenkirche.de

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