ST-Leser fragt

Der Ahorn wächst säulenförmig zwischen den Oberleitungen durch

2011 (oben) wurde der vordere Ahorn um einen Meter nacht hinten umgepflanzt, heute sieht er so aus. Fotos: Rolf Hölterhoff/Christian Beier
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2011 (oben) wurde der vordere Ahorn um einen Meter nacht hinten umgepflanzt, heute sieht er so aus.

Seit zehn Jahren stehen mitten auf der Bahnstraße neue Straßenbäume.

Solingen. Den Anstoß für die folgende Geschichte gab ST-Leser Rolf Hölterhoff bereits 2011. Damals wunderte er sich, warum ein junger Baum, ein Ahorn, am Hauptbahnhof direkt unter der Tragekonstruktion für die Oberleitung gepflanzt wurde. Die Stadt versprach damals, den Baum um einen Meter zu versetzen. Das ST berichtetet am 24. März 2011: „Das sollte so nicht sein“, bestätigt Stadtsprecherin Birgit Wenning die Panne. „Da wurde bei der Abstimmung etwas übersehen – und das gleich von mehreren Leuten.“

Der ST-Leser wollte jetzt wissen, was aus der Sache geworden ist, zumal die Stadt vor zehn Jahren erklärt hatte: Der Ahorn wachse so langsam, dass es frühestens in zehn Jahre Probleme mit der Oberleitung geben würde. Das Tageblatt fragte deshalb erneut schonungslos nach. Für die Stadt antwortete Stadtsprecherin Sabine Rische.

Kann es sein, dass die Bäumchen 2011 im Herbst niemals – auch nicht um ein Meterchen – versetzt wurden oder täuscht die Perspektive?

Genau wie damals von meiner lieben ehemaligen Kollegin angekündigt, wurde der betreffende Baum um etwa einen Meter versetzt.

Da die Bäume praktisch nur wenige Zentimeter Längenwachstum aufzeigen: Werden die mittels Hormongaben künstlich klein gehalten oder durch klassische Rückschnitte, da Ahorne sonst ja auch gerne etwas mehr in die Breite gehen, um sich von Pappeln zu unterscheiden?

Der Ahorn ist ein klassischer Straßenbaum. Allerdings nicht in seiner ursprünglichen Form, der geht in die Breite. Der verwendete Baum ist speziell gezüchtet – so dass es für den jeweiligen Standort passt. Bei der gewählten Baumart handelt es sich um Acer platanoides „Columnare“. Diese Ahorn-Art wächst sehr schlank und langsam und wurde deshalb speziell für diesen Standort ausgewählt. Dass das passt, zeigt sich heute: Es ist noch nicht viel Zuwachs da, ein klassischer Rückschnitt war bisher nicht erforderlich und auch Hormongaben waren nicht nötig (die Stadtsprecherin hat an dieser Stelle an die Antwort ein Smiley angehängt, die Red.). Die Art des Wachstums wirkt sich also positiv auf den Pflegeaufwand und damit auch auf die Kosten aus.

Ist das eine artgerechte Haltung für Ahorne?

Natürlich nicht (die Stadtsprecherin hat an dieser Stelle erneut ein Smiley angehängt, die Red.), artgerecht wäre für alle Straßenbäume eine natürliche Lebensweise in der freien Landschaft beziehungsweise im Wald. Unter dem Aspekt Straßenbaum: ja.

Heute sieht der Baum so aus.

2011 wurde berichtet, dass ab 2021 die Bäume eine Gefahr für die Oberleitungen darstellen könnten. Ist das jetzt auf Ewigkeit durch die baumpflegerischen Maßnahmen wie Äste unterhalb der Oberleitung abzusägen, weitere Triebe offensichtlich sehr kurz zu halten, ausgeschlossen?

Wie schon gesagt: Aufgrund der ausgewählten Art passt es gut. Grundsätzlich gilt: Bei Straßenbäumen im Bereich von Oberleitung wird angestrebt, dass die Baumkrone idealerweise erst oberhalb der Fahrdrähte beginnt. Das geschieht durch sukzessives Aufasten. Man kann das gut im Altbestand der Solinger Straßenbäume beobachten.

Abschließend: Wäre es aus Kostengründen nicht 2011 wirklich sinnvoller gewesen, für die Ahorne andere Standorte zu finden und sie durch die Oberleitung nicht gefährdende Sträucher zu ersetzen?

Nein, siehe oben.

Der Säulen-Ahorn im Straßenbild

Der Baum Acer platanoides „Columnare“ ist eine alte französische Sorte. Der Baum bildet in jungem Alter eine eiförmige Krone. Vorteil am Hauptbahnhof: Mit zunehmendem Alter wachsen die Äste mehr senkrecht nach oben, so wirkt und wird der Baum schmal, fastsäulenförmig. Aber in seinem späteren Leben drängt er auf eine Breite von sechs Metern. Aber es gilt auch: Auf den Stamm gepfropfte Bäume bleiben im Allgemeinen schmaler als auf den Wurzelhals gepfropfte.

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