Unruhe um die S-Bahn 7

Dem „Müngstener“ droht der Totalausfall - Neumann (SPD) bittet Land um Hilfe

Kommt der Zug oder nicht? Diese Frage müssen sich die Fahrgäste der S-Bahn-Linie 7 täglich stellen. Foto: Christian Beier
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Kommt der Zug oder nicht? Diese Frage müssen sich die Fahrgäste der S-Bahn-Linie 7 täglich stellen.

Der Solinger Landtagsabgeordnete Josef Neumann (SPD) befürchtet, dass es zu „empfindlichen Einschränkungen“ auf der S-Bahn-Linie 7 (Solingen-Remscheid-Wuppertal) kommen könnte.

Solingen. Da das Bahnunternehmen Abellio in finanzielle Schieflage geraten ist, befürchtet der Solinger Landtagsabgeordnete Josef Neumann (SPD), dass dies zu „empfindlichen Einschränkungen“ auf der S-Bahn-Linie 7 (Solingen-Remscheid-Wuppertal) führen könnte. Dies drückt er in einem Brief an den nordrhein-westfälischen Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) aus.

Josef Neumann wirbt um Landeshilfen für die S 7.

Darin betont Neumann, dass sich der Minister im Verkehrsausschuss des Landtages dazu bereiterklärt habe, Bahnbetreibern in finanzieller Schieflage mit Landesmitteln unter die Arme zu greifen. Es müsse alles dafür getan werden, dass die S 7 im Bergischen eines der zentralen Verkehrsmittel bleibe. Laut Neumann rächt sich jetzt, dass der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr bei der Vergabe der Linie vor acht Jahren „nur auf das kostengünstigste Konzept geschaut habe, aber nicht darauf, ob diese Strecke vom neuen Bahnbetreiber auch nachhaltig sicher aufrechterhalten werden kann.“ -ate-

Artikel vom 1. Juli 2021

Abellio hat nicht nur finanzielle Schwierigkeiten, sondern bei der S 7 auch massive Probleme mit den Fahrzeugen. Das sorgt bei vielen Pendlern für Unmut.

Von Andreas Tews

Solingen/ Remscheid. Die Unruhe um die S-Bahn 7 („Müngstener“) und ihren Betreiber Abellio wird größer. Wegen seiner Zahlungsschwierigkeiten nimmt das Unternehmen einen gesetzlichen Schutzschirm in Anspruch, der die Zahlungsfähigkeit sichern soll. Auf den Zugverkehr werde sich dies aber nicht auswirken, versichert Abellio. Anders verhält es sich bei den anhaltenden Problemen mit Schäden an den Radreifen der Züge. Dadurch fallen vielen Bahnen aus, zeitweise fahren Ersatzbusse. Die Ursache für die Schäden gibt weiterhin Rätsel auf. Darum ist laut Abellio auch ein vorübergehender Totalausfall des „Müngsteners“ nicht auszuschließen.

Abellio betreibt die S-Bahn-Linie von Solingen über Remscheid nach Wuppertal seit siebeneinhalb Jahren. Der aktuelle Vertrag mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) läuft bis 2028. Mit dem Verbund streitet das Unternehmen seit längerer Zeit über eine bessere Bezahlung der erbrachten Leistungen. Das Schutzschirmverfahren steht in diesem Zusammenhang. Die Schäden an den Fahrzeugen seien aber nicht auf die finanziellen Schwierigkeiten zurückzuführen, versichert Abellio. Diese Einschätzung teilt der VRR laut Sprecherin Sabine Tkatzik.

„Aktuell ist es, als würden wir eine Nadel im Heuhaufen suchen.“

Eine Abellio-Sprecherin zur Suche nach Ursachen für die Schäden

An der Suche nach Gründen für die Schäden an den Rädern ist neben Abellio auch die Deutsche Bahn (DB) beteiligt. Sie ist für die Streckeninfrastruktur zuständig. Unter anderem mit einem Messzug untersucht sie die Gleise der Strecke. Nach Angaben eines DB-Sprechers habe man dabei bisher keine Schäden gefunden. Darum gehe man davon aus, dass die Ursache für den hohen Verschleiß an den Rädern nicht auf den Zustand der Schienen zurückzuführen sei.

Abellio stehen auf der Strecke statt neun nur drei Züge zur Verfügung

Bleibt die Untersuchung der Züge: Aber auch dabei ist Abellio bei der Ursachenforschung bisher nicht fündig geworden. Wie lange diese Suche andauern werde, sei noch nicht abzusehen, erklärt eine Abellio-Sprecherin. Sie schildert: „Aktuell ist es, als würden wir eine Nadel im Heuhaufen suchen.“ Von anderen Linien in der Region sind solche Schäden nicht bekannt.

Derzeit stehen nach Abellio-Angaben anstatt der sonst üblichen neun Züge nur drei zur Verfügung. Und auch dabei handele es sich bereits um Ersatzbahnen, die von anderen Linien abgezogen worden seien, sagt die Sprecherin auf Nachfrage. So gelingt es laut VRR-Sprecherin Tkatzik immerhin, einen 20-Minuten-Takt mit Lücken aufrechtzuerhalten. Zusätzliche Fahrten in den Hauptverkehrszeiten entfallen aber. „Soweit sinnvoll und möglich“ würden ausfallende Fahrten durch Ersatzbusse geleistet – die allerdings eine entsprechend längere Fahrzeit haben als die S-Bahnen. Über das weitere Vorgehen beraten die beteiligten Unternehmen und der Verkehrsverbund in regelmäßigen Telefonkonferenzen.

Gespräche über Anpassungen der Verträge gehen weiter

Die Zugausfälle erklärt die Abellio-Sprecherin damit, dass ihr Unternehmen noch größere Schäden an den Fahrzeugen vermeiden wolle. Sie erklärt: „Je größer der Verschleiß, desto größer der Schaden.“ Da dann noch umfangreichere Instandsetzungsarbeiten notwendig seien, stiege damit auch die Gefahr noch stärkerer Beeinträchtigungen für die Fahrgäste.

Unterdessen gehen bei der finanziellen Großbaustelle die seit Monaten andauernden Gespräche zwischen den in Nordrhein-Westfalen tätigen Eisenbahnunternehmen und den Verkehrsverbünden VRR, NWL und NVR über mögliche Anpassungen bei den Verträgen weiter. Wie Abellio geht auch der VRR davon aus, dass dies keine zusätzlichen Auswirkungen auf den Zugverkehr haben werde.

„Insolvenz light“

Die finanziellen Schwierigkeiten Abellios haben dazu geführt, dass das Bahnunternehmen den im Insolvenzrecht vorgesehenen gesetzlichen Schutzschirm in Anspruch nimmt. Fachleute sprechen bei diesem Verfahren von „Insolvenz light“. Das Unternehmen bleibt – unter Aufsicht – selbstbestimmt, ist für drei Monate aber vor Forderungen von Gläubigern geschützt und muss einen Sanierungsplan erarbeiten.

Standpunkt: Erwartungen nicht erfüllt

Von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Groß waren die Hoffnungen im Dezember 2013, als Abellio – aus Sicht vieler Pendler endlich – die Deutsche Bahn auf der Linie des „Müngsteners“ abwechselte. Die Zeit mit überalterten Fahrzeugen, Zugausfällen und Verspätungen sollte der Vergangenheit angehören. Am Anfang lief auch alles gut, die Kunden waren zufrieden. Doch die Enttäuschung folgte. Die gegenüber den damaligen DB-Bahnen modern anmutenden neuen Züge sind anfällig für Pannen – und das nicht erst seit einigen Wochen, sondern seit Jahren. Unabhängig davon, ob die Ursachen für die aktuellen Ausfälle bei Abellio zu suchen sind, können wir – etwa zur Halbzeit des noch bis 2028 laufenden Vertrages mit dem Verkehrsverbund Rhein Ruhr – bilanzieren, dass Abellio die hohen Erwartungen nicht erfüllt hat. Die bergischen Pendler sind auf dem Boden der Tatsachen angekommen, die sie in Zeiten der roten DB-Bähnchen gewohnt waren. Das muss sich wieder ändern. Die S-Bahn 7 muss – ungeachtet der finanziellen Sorgen bei Abellio – wieder dauerhaft verlässlich fahren. Schafft Abellio dies nicht, muss der VRR einschreiten.

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