Erinnerungen

Das Café Kummer – ohne „Frau Schäfer“ undenkbar

Eine Ansicht vom Neumarkt Anfang der 80er Jahre, als die Fläche vor C & A noch Parkplatz war. Das Café Kummer befindet sich am rechten Bildrand. Foto: Stadtarchiv Solingen
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Eine Ansicht vom Neumarkt Anfang der 80er Jahre, als die Fläche vor C & A noch Parkplatz war. Das Café Kummer befindet sich am rechten Bildrand.

Das Solinger Tageblatt dankt allen, die ihre Erinnerungen an das „beste Eis“ mit den Lesern teilen

Solingen. Gnadenlos wird der Bagger bald das Gebäude abreißen, in dem einst das Café Kummer war. Auch wenn dann dort die neue Sparkasse entsteht, so weichen damit nicht die Erinnerungen unserer Leser. Das belegen sehr viele Zuschriften an das Tageblatt. Nicht alle wird die Redaktion heute ausführlich beachten können. Doch der Dank dafür an alle Einsender ist groß.

Wenn sich die Solinger an das von Angelika und Dieter Kummer betriebene Geschäft erinnern, dann fällt oft ein Name: „Frau Schäfer“. Sie war weit mehr als eine Bedienung. Sie war gute Seele, „wachsame Aufsicht“ und auch mal Privattaxi, wie sich Kerstin Fischer-Neumann erinnert: „Frau Schäfer wohnte damals in Wermelskirchen und ich in Burg, so hat sie mich dann öfter nach ihrer Schicht mitgenommen und zu Hause rausgelassen.“

Das Café war auch ein wichtiger Treffpunkt, wie sich eine Leserin erinnert. Sie sei dort vor 23 Jahren mit ihrem jetzigen Ehemann zu einem ersten Treffen gewesen. „Nun sind wir seit fast 20 Jahren glücklich verheiratet und haben zwei Kinder.“

Elke Büttners zweijähriger Sohn Michael war schon 1966 Fan der kalten Leckereien. Das Foto schoss Vater Jochen.

Das Wort „Anlaufstelle“ werde dem Café nicht gerecht, schreibt Markus Jastroch, der heute in Mainz wohnt. „Nach der Schule oder wenn wir eine Freistunde hatte, gingen wir ins Kummer. Herr Kummer war stets hinter der Theke, begrüßte uns und war immer freundlich.“ So ist das in vielen Zuschriften zu lesen. Natürlich hat auch Jastroch Erinnerungen an „Frau Schäfer“, die viele sicher komplett teilen werden: „Wir hatten viele gute Gespräche und sie war wie eine gute Seele, der man das Herz ausschütten konnte.“

Das fand alles zu einer Zeit statt, in der die Solinger Jugend bei Helmut Bock Jeans in der Nachbarschaft kaufen konnte oder sich von den Experten bei Palenschat die neusten Hits auf Vinyl empfehlen ließ.

Für uns war das Eis von Kummer das Beste.

Sagen eigentlich alle Solinger

Doch das Café gab es bereits früher. Zu den Zeiten des Anfangs schreibt beispielsweise Ulrike Tauchnitz aus den Erinnerungen ihrer Mutter: „Zuerst waren sie in einem Barackentrakt nach dem Krieg. Dann zogen sie neben das Restaurant Wengenroth.“

„Ort meiner Sehnsüchte“ nennt Eva Kaiser eine Besonderheit, ein Fenster an der Seite: „Es war recht hoch in der Wand, aber an der Hauswand lag ein großer Stein – sicher ein auf die Seite gelegter Bordstein, auf den man kletterte, um seine Wünsche vorzutragen, zu bezahlen und ein Eishörnchen in Empfang zu nehmen.“ Das kostete lange 10 Pfennig, erinnern sich viele an die Anfangszeit der Kummers am Neumarkt. Über all die Jahre galt für eigentlich alle, die dem ST geschrieben haben, was Karin Kempkes sagt: „Für uns war das Eis von Kummer das Beste.“

Aber auch das gehörte natürlich zum Zeitgeist früher und machte das Geheimnis des Erfolges aus, wie sich Petra Dippe erinnert: „Das Café Kummer hatte nicht nur das leckerste Eis in ganz Solingen, es war auch ein guter Ausweichort für manche Schüler der Oberstufe, wenn man keinen Bock auf Unterricht hatte.“ Sabine Lattke ergänzt dazu: „Und ob die Freistunden offiziell immer frei waren, das bleibt unser Geheimnis . . .“

Erinnerungen an die Anfangszeit: Plötzlich gab es zwei Eis für einen Pfennig

-pm- Mit dem Satz „Man sieht, man kann das Mädchen aus dem Dorf kriegen, aber das Dorf nicht aus dem Mädchen“ zieht Rosemarie Klünsch mit viel Humor Bilanz zu einer Geschichte aus den späten 1950er Jahren. „Vor der Rückfahrt mit dem Bus nach Witzhelden gönnten wir uns während der Wartezeit im Café Kummer einen Kaffee, auch nicht so selbstverständlich und einfach wie heute, und bestellten sogar ein Stückchen Kuchen. Dieses erwies sich als relativ kalt und hart, Fürst-Pückler-Torte eben.“

Eine ganz andere Geschichte erzählt Ulla Hösterey aus dem Jahr 1958. Beim Spielen im Sandkasten im Park Dickenbusch hatte ihr ihre Cousine, beide waren fünf Jahre alt, im Sandkasten verraten, dass sie Geld dabei habe und für beide doch ein Eis kaufen könne. Auf zu Kummer. Sie stellten sich beide auf die große Stufe vor dem Außenverkauf. Die Cousine habe zwei Eishörnchen bestellt und dazu aus ihrem Portemonnaie mit Mausaufdruck einen Pfennig auf die Ablage gelegt. Schmunzelnd habe Kummer gefragt: „Dafür möchtest du zwei Eishörnchen haben?“ Die Cousine hätte eifrig genickt: „Aber nur Schokolade!“ „Herr Kummer drehte sich um zu seinen Eistrommeln und füllte zwei Hörnchen mit Schokoladeneis, die er uns lachend reichte.“

Sedat Ceyhan war neun Jahre alt, als ein Freund direkt vor dem Café Kummer 20 Mark gefunden hat. Er sei nach dessen Anruf sofort in die Stadt geeilt. Was habe man mit 20 Mark einen Tag lang Ende der 1970er Jahre nicht alles erleben können. Aber die ersten Pfennige flossen natürlich in Kummer-Eis.

Mitarbeiterin erinnert sich an die 80er Jahre: Dieter Kummer war kein Chef großer Worte

-pm- Keine Gastronomie ohne Aushilfe. Das galt auch für das Café Kummer in den 1980er Jahren, wie sich Barbbara Itot erinnert. Denn sie war dort selbst beschäftigt. „Es war eine abwechslungsreiche, angenehme Arbeit in einem netten, fröhlichen Team.“ Die Arbeitsaufträge habe sie zumeist von ihrem Chef, Dieter Kummer erhalten. „Ich erinnere mich noch gut an seine kurzen, eher einsilbigen Ansagen, was zu tun sei.“

Natürlich weiß sie auch von so mancher Anekdote zu berichten. So musste sie für einen Gast im Café einmal ein Rührei mit Schinken zubereiten. „Ich tat wie mir geheißen und es muss wohl zu Herrn Kummers Zufriedenheit gelungen sein. Er, der kein Chef großer Worte oder gar überschwänglicher Lobbekundungen war, tippte mir gegen den Oberarm und sagte: ,Kannst geheiratet werden!‘ Das war das größte ihm mögliche Lob.“

Das Café Kummer am Neumarkt ist schon länger Geschichte. Bei Abrissarbeiten wurde unlängst der alte Schriftzug sichtbar.

Sie gönnt uns einen kurzen Blick hinter die Kulissen: „Für die herrlichen Erdbeerbecher und das besondere, für Kummer bekannte, hellrote Erdbeereis habe ich unzählige Kilos Erdbeeren geschnippelt. Das musste sparsam geschehen. Weder durfte zu viel von der Frucht mit abgeschnitten werden, noch durfte Blattgrün mit in die rote Ausbeute. Seitdem kann ich aus dem Effeff Erdbeeren putzen.“

Pannen? Gab es. „Einmal wünschte sich eine Kundin ein Spaghetti-Eis mit Haselnuss- statt mit Vanilleeis. Den Wunsch wollte ich ihr gerne erfüllen.“ Was sie nicht bedacht hatte: Die Nussstückchen verstopften die Löcher der Kartoffelpresse, durch die das Eis gepresst wurde. Den Fehler bemerkte sie, als sie ihren Chef fluchen hörte.

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