Parkhaus 2.0 soll auf Rasspe-Gelände entstehen

Darum setzt Stöcken 17 ein Zeichen für Mobilität

Für den Altbestand zur Straße des Gewerbegebiets gibt es einen Interessenten. Mit dem Investor wird für Januar eine Vertragsvereinbarung zur Übernahme angestrebt.
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Für den Altbestand zur Straße des Gewerbegebiets gibt es einen Interessenten. Mit dem Investor wird für Januar eine Vertragsvereinbarung zur Übernahme angestrebt.

Im Januar starten im umgestalteten Gewerbegebiet auf dem ehemaligen Rasspe-Gelände die nächsten Schritte für eine neue Nutzung.

Von Philipp Müller

Solingen. Geht es nach der Solinger Wirtschaftsförderung, wird schon im Januar ein Vertrag mit einem Investor und Gewerbeimmobilienvermarkter geschlossen, der die noch stehenden früheren Rasspe-Gebäude in „Stöcken 17“ übernimmt. Für einen Standort im neuen Gewerbegebiet kurz vor der Kohlfurth interessiert sich nach Angaben von Frank Balkenhol, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, auch die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (BSW). Mehr wird zu den Plänen aber nicht verraten. Weitere, gute Nachricht: Die Sanierung der Altlasten kostet statt der veranschlagten knapp 8 Millionen Euro nur die Hälfte.

Zusammen mit Prokurist Achim Willke als Projektleiter für Stöcken 17 blickt Balkenhol jetzt in die Zukunft. Das Gewerbegebiet soll grün werden – das heißt, die nachhaltig und ökologisch ausgerichtete Planung soll Unternehmen anziehen, die sehr modern denken.

Achim Willke (l.), war 15 Jahre bei der Leverkusener Wirtschaftsförderung tätig. Er ist Projektleiter von Stöcken 17 und setzt es mit Geschäftsführer Frank Balkenhol um.

Die Wirtschaftsförderung hatte das ehemalige Rasspe-Gelände bei einem Bieterwettbewerb vom Land NRW erworben. Im September 2020 begannen die Altlastensanierung und der Abriss eines Teils der Firmengebäude. Dieses geschah durch den Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV).

Heute ist nur noch zu erahnen, wie der Betrieb der 1999 in Insolvenz gegangenen Firma Rasspe lief. Ab dem kommenden Jahr beginnt die Zeit, neues Leben in Stöcken 17 zu bringen.

Sollte im Januar der Vertrag mit dem Investor zustande kommen, glauben Balkenhol und Willke, dass dies einen Schub für Stöcken 17 geben wird. Parallel zu den Verhandlungen plane die Fachfirma bereits, wie die auch schon als Kulisse für die Serie „Babylon Berlin“ genutzten Gebäude schnell Mieter finden werden.

Für das weitere, recycelte Gelände wird nun ein Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplans gestartet. „Wir wollen so Planungssicherheit schaffen“, erklärt Balkenhol. Zusammen mit den Technischen Betrieben (TBS) und den Stadtwerken läuft die Planung der Infrastruktur. Balkenhol möchte die Zufahrt gerne zur Stadtmitte hin setzen. Eine Anbindung an die Korkenziehertrasse durch den Tunnel der ehemaligen Bahnstrecke aus der Kohlfurth müsse keine Utopie sein. Auch einen Partner für die Versorgung der neuen Nutzer von Stöcken 17 mit Glasfaser gibt es bereits.

„Statt Parkflächen gibt es einen Mobilitäts-Hub.“

Frank Balkenhol, Wirtschaftsförderung

Um viel Platz für neue Unternehmen zu schaffen, soll nach den Ideen von Willke und Balkenhol auf fast 9000 Quadratmeter für Parkplätze vor den Grundstücken verzichtet werden. „Statt Parkflächen wollen wir einen Mobilitäts-Hub schaffen“, sagt Balkenhol. Damit ist ein mehrstöckiges Parkhaus gemeint. Das müsse aber mehr können, als nur Autos abzustellen. Ob es dafür einen Investor geben wird oder die Wirtschaftsförderung dies selbst baut, muss jetzt noch diskutiert werden. Eins sei aber gewiss, betont Balkenhol: „Damit sind wir Vorreiter in Sachen Mobilität in Gewerbegebieten. Das gibt es bisher nirgendwo.“

Was genau in die noch stehenden Gebäude kommen wird, das ist Gegenstand der Gespräche zwischen potenziellem Investor und der Wirtschaftsförderung.

Der moderne Ansatz hat auch viele grüne Elemente, versichern Willke und Balkenhol. Im Bebauungsplan werde bestimmt die Nutzung von Sonnenenergie vorgeschrieben. Aber es läuft laut Willke auch eine Studie, wie am Standort Stöcken Geothermie genutzt werden kann, um mit Erdwärme etwa zu heizen.

Die Umsetzung der Ideen für die Infrastruktur und dem, was sich aus dem Bebauungsplan ergibt, soll mit Fördermitteln finanziert werden. Das Rathaus hatte zwar angekündigt, selbst 5 Millionen Euro zu investieren, jedoch wird das nicht reichen. Mut, Förderanträge zu stellen, hatte vor einem Jahr NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) gemacht, es gebe solches Geld für die grüne Revitalisierung von industriellen Brachflächen. Genau das werde man schaffen, ist Balkenhol zuversichtlich.

Parkhaus 2.0

Im „Mobilitäs-Hub“ wird die E-Mobilität eine entscheidende Rolle spielen. Das heißt beispielsweise, dass E-Autos und E-Bikes an Steckdosen geladen werden können. Eine Paketstation können sich die Wirtschaftsförderer dort vorstellen. Insgesamt soll der Hub – eigentlich ein Begriff aus der Netzwerktechnik – zu mehr Aufenthaltsqualität in Stöcken 17 führen.

Standpunkt

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Philipp Müller

Die Wirtschaft muss grüner werden, das wissen nicht nur die Macher der Regierungsampel in Berlin. Da ist es schön zu sehen, wie in Solingen aus einer Industriebrache innovatives Gelände entstehen soll und sicher auch wird. Überhaupt sind die Nachrichten aus Stöcken 17 erstaunlich. Denn Solingen ist eher als Stadt des Mangels bekannt. Als „arme Kommune“ geht an vielen Stellen nicht viel. Und doch wird munter die Zukunft der Klingenstadt geplant und vorangetrieben. Um die Alt-Kanzlerin Merkel zu zitieren: „Das ist alternativlos“. Stöcken darf nicht länger nur Filmkulisse sein. Die Klingenhalle braucht mehr als ein Facelifting beim Brandschutz. Da soll es gleich eine ganze Arena werden. Das Klingenmuseum soll hell blinkender Leuchtturm für den Weltruf Solingens als Klingenstadt werden. Ein dreistelliger Millionenbetrag fließt in die Schulen und Bildung, ein zweistelliger in die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr. Und wer soll das bezahlen? Vieles hängt von Steuergeldern ab. Werden die aber etwa in Stöcken 17 erwirtschaftet, geht sich das auf.

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