Reihentests gestartet

Coronavirus: Zwei Schulkinder in Solingen infiziert

Prof. Dr. Winfried Randerath leitet die Klinik Bethanien. Foto: Beier
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Prof. Dr. Winfried Randerath leitet die Klinik Bethanien.

Am Freitag wurden fünf weitere Coronafälle in Solingen bestätigt. Die Reihentests sind angelaufen.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus ist in Solingen wieder deutlich gestiegen. Bei fünf Menschen wurde am Donnerstag eine Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 bestätigt. Zuvor hatte es nur noch sieben Personen in der Klingenstadt gegeben, die offiziell getestet wurden und aktuell mit dem Coronavirus infiziert waren. Bei zwei der neu Infizierten handelt es sich um schulpflichtige Kinder – damit sind erstmals in Solingen Schulen im laufenden Betrieb betroffen. Nach Informationen des ST handelt es sich um Schüler der Grundschule Klauberg beziehungsweise der Theodor-Heuss-Schule (s. u.: Coronavirus-Infektion: Warum wir die Schulen benennen).

Solingen: Corona-Infektion: Reihentests für Schüler und Lehrer gestartet

Die Stadt habe umgehend reagiert und bereits am Freitagvormittag mit Reihentests begonnen, heißt es von der Pressestelle. Im Falle der Grundschule seien am Freitag die Lehrkräfte und die rund hundert Mitschüler der betroffenen Jahrgangsstufe reihengetestet worden. Aufgrund des anders gelagerten Unterrichtsrhythmus genügte es im Falle der weiterführenden Schule, nur vierzehn Mitschüler und das Lehrerkollegium zu testen. „Die betroffenen Familien wurden informiert. Wer nicht durch das Gesundheitsamt kontaktiert wurde, muss sich also keine Sorgen machen“, beruhigt Stadt-Sprecher Lutz Peters die Solinger Eltern.

„Insgesamt wurden bis Freitagabend schon 120 Tests an Schülern und Lehrern durchgeführt“, bestätigte Prof. Dr. Wilfried Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien. Dort werden die Tests gemacht. Die Abstriche bei den Kindern wurden von Solinger Kinderärzten vorgenommen. „Drei Kinderärzte sind dafür derzeit bei uns im Einsatz“, lobt Randerath die gute Kooperation. Auch in den vergangenen Wochen hatten Kinderärzte das Bethanienteam bei den Coronatests unterstützt.

Nach dem Testergebnis wird über Quarantäne entschieden

Die Ergebnisse werden für Sonntag erwartet. Eltern, Kinder und Pädagogen werden durch das Solinger Gesundheitsamt informiert. Für den Fall, dass aus den Reihentests weitere Infektionen erkennbar werden, muss das Gesundheitsamt über die Anordnung von Quarantäne für viele Betroffene entscheiden.

Getestet wurden am Freitag nur die Kinder, nicht deren Eltern. „Die Familien werden aber aufgefordert, bis zum Testergebnis in Quarantäne zu bleiben“, so Randerath. Nur mit negativem Testergebnis dürften die getesteten Kinder wieder in die Schulen gehen. Hilfreich sei, dass die Schulen bis Dienstag wegen der Pfingstferien ohnehin geschlossen seien.

„Es zeigt sich, dass die Testkapazitäten und die Infrastruktur in Solingen der Herausforderung gewachsen sind, sehr schnell sehr viele Menschen testen zu können“, betonte Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Das liege zum einen an dem Umstand, dass die Infektionsambulanz in Bethanien so gut etabliert sei, zum anderen an der guten Zusammenarbeit von Gesundheitsamt, Krankenhaus Bethanien und den Kinderärzten, die sich spontan bereiterklärt haben, zu unterstützen.

Solingen: Kurzbach: Coronavirus ist nicht aus der Welt

„Das bestätigt unsere Strategie der engen Zusammenarbeit mit allen Beteiligten des Gesundheitssystems, um so auch bei gelockerten Corona-Regeln jederzeit auf sich verändernde Situationen angemessen reagieren zu können“, betont Kurzbach. Für die Solinger seien die neuen Infektionen auch eine Erinnerung daran, dass das Virus nicht aus der Welt ist. „Auch wenn die Sonne lockt und wir uns alle auf das lange Pfingstwochenende freuen: Wir müssen leider weiter Abstand halten und einen Mund-Nase-Schutz tragen.“

In den vergangenen Wochen wurden die Testkapazitäten in Solingen kontinuierlich ausgebaut. Um im Infektionsfall eine weitere Verbreitung des Virus zu vermeiden, hatte man in der vergangenen Woche beispielsweise mit Reihentests in Pflegeeinrichtungen begonnen. 

Hier finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen: Unser Live-Blog wird laufend aktualisiert.

Coronavirus-Infektion: Warum wir die Schulen benennen

Nennt man die Namen der Schulen, an denen die Infektionsfälle auftraten, öffentlich – oder nicht? Darüber wurde nicht nur in den sozialen Medien diskutiert, sondern auch in der Tageblatt-Redaktion. Nach intensiver Abwägung haben wir uns dafür entschieden. 

Zwar sind alle dort betroffenen Eltern bereits informiert. Durch die Nennung beruhigt man aber diejenigen, deren Schule (noch) nicht von einem Coronafall betroffen ist. So überlässt man nicht den „Hörensagern“ das Feld, sondern informiert sachlich über das, was ist. Aus unserer Sicht werden so Ängste und Sorgen sowie hunderte unnötige Rückfragen bei den Behörden vermieden. Eine Stigmatisierung der betroffenen Schulen ist deshalb nicht zu befürchten, weil solch ein Fall jederzeit an jeder Schule auftreten kann. Leider.

Standpunkt: Weiter vorsichtig sein

Von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@ solinger-tageblatt.de

So wie das erste Auftreten eines Coronafalls in der ersten Märzwoche in Solingen nicht eine Frage des Ob, sondern nur eine Frage des Wann war, so war auch die Wahrscheinlichkeit, dass es wieder neue Infektionsfälle geben wird, sehr groß. Die gute Zusammenarbeit aller in der Stadt und das vernünftige Verhalten der Bevölkerung hat die Infektionszahl in den vergangenen Wochen sogar zurückgehen lassen – trotz der Öffnungen in Geschäften und Schulen. 

Klar war aber auch, dass es eine Dunkelziffer von nicht erkannten Infektionen gibt. Das Erkennen und schnelle Eingreifen jetzt bei den fünf neuen bestätigten Fällen zeigt ebenfalls, wie gut das System in Sachen Corona in Solingen funktioniert. Es sind nur fünf Fälle. Dank schneller Reihentests und konsequenter Quarantäne der Betroffenen werden es hoffentlich auch wenige bleiben. Die jetzt wieder gestiegene Zahl sollte trotzdem nicht an dem Weg zweifeln lassen, langsam und mit allen gebotenen Vorsichtsmaßnahmen Schulen, Kinderheime, Geschäfte und andere Einrichtungen wieder hochzufahren. Aber sie erinnert auch daran, dass das Virus keineswegs aus der Welt ist.

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