Pandemie

Coronavirus: Veranstalter hoffen auf Planungssicherheit

Ob Brings wie 2019 auch in diesem Jahr wieder vor 2000 Besuchern beim Oktoberfest auftreten kann, ist mehr als fraglich. Archivfoto: Christian Beier
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Ob Brings wie 2019 auch in diesem Jahr wieder vor 2000 Besuchern beim Oktoberfest auftreten kann, ist mehr als fraglich.

„Wald leuchtet“ findet in veränderter Form statt. Oktoberfest und Weihnachtsmarkt sind noch unsicher.

Solingen. Volksfeste, Zöppkesmarkt, Weihnachtsmärkte, all das wurde – teilweise schon zum zweiten Mal – pandemiebedingt abgesagt. Zwar gibt es Hinweise aus Berlin, dass weitere Lockdowns verhindert werden sollen. Andererseits rangiert Solingen im bundesweiten Vergleich immer noch auf den oberen Rängen der Inzidenzzahlen.

Wie können Veranstalter angesichts dieser Unsicherheit planen? „Gar nicht!“, sagt Ralf Derkum, der am 24. und 25. September sowie 1. und 2. Oktober wieder das Oktoberfest am Weyersberg auf die Beine stellen wollte. Derzeit laufen die Vorbereitungen – noch. Allein für den 1. Oktober, an dem die Band Brings dort auftreten soll, sind schon alle 2000 Karten verkauft.

„Aber die aktuelle Situation ist das größte Risiko in meiner ganzen beruflichen Laufbahn“, so Derkum. Er appelliert an die Stadt, das Oktoberfest jetzt abzusagen, „da hätten alle Verständnis für, Künstler ebenso wie Besucher“. Für den Ausfall könne er dann staatliche Unterstützung beantragen. „Wenn erst ein paar Tage vorher auf die aktuelle Inzidenz reagiert wird, kann ich als Unternehmer nicht planen. Wir haben 68 Mitarbeiter, davon zehn festangestellte – die hängen alle in der Luft.“

Solingen: Musikveranstaltung auf dem Sportplatz Zietenstraße ist abgesagt

Um wirtschaftlich arbeiten zu können, brauche er aber im Festzelt eine Auslastung von 2000 Besuchern, „mit 500 am Abend rechnet sich das nicht“. Allein die Vorlaufkosten beliefen sich auf 150 000 Euro, 46 000 Euro nur für die Zeltmiete. „Ich habe eine Genehmigung für Veranstaltungen mit 2000 Menschen, darf sie bei der aktuellen Pandemielage aber nicht reinlassen.“

Die Stadt Haan habe beispielsweise auch die Haaner Kirmes im September schon frühzeitig abgesagt. „Dort sei die Stadt Haan auch selbst Veranstalter“, erklärt Rechtsdezernent Jan Welzel den Unterschied. „Die Stadt Solingen kann hingegen einem externen Veranstalter aufgrund der aktuellen Rechtslage das Oktoberfest nicht verbieten. Es kann unter den gegebenen Corona-Regeln stattfinden“, erklärt Welzel die Situation. Ralf Derkum will jetzt noch bis zum 19. August auf die dann neuen Richtlinien zu den Inzidenzstufen warten. „Aber das ist der späteste Termin für eine endgültige Entscheidung.“

Abgesagt hat bereits der Initiativkreis Solingen seine geplante Musikveranstaltung auf dem Sportplatz Zietenstraße. „Die ursprüngliche Idee war, für 1000 Besucher mit Sitzmöglichkeiten ein Open-Air-Angebot zu machen, aber die aktuelle Situation lässt das einfach nicht zu“, erklärt der Vorsitzende Waldemar Gluch. Kosten für Künstler und Technik stünden in keinem Verhältnis zu der unsicheren Einnahmensituation. „Ich möchte als ehrenamtlicher Organisator auch nicht die Verantwortung übernehmen, falls es doch zu einem Infektionsausbruch bei so einer Veranstaltung käme“, so Gluch.

Jetzt sei man dabei, optimistisch die Sommerparty 2022 zu planen. „Dabei setze ich vor allen Dingen auf eine höhere Impfquote. Man kann nicht tausende Menschen in die Stadt einladen, wenn wir bis dahin nicht eine Herdenimmunität durch die Impfungen haben.“

Solingen: „Wald leuchtet“ findet in veränderter Form statt

An einer etwas anderen Ausgabe der Veranstaltung „Wald leuchtet“ arbeitet derzeit der neu gegründete Verein Walder Theatertage. Am 24. September wird es im Walder Stadtpark Theater für jeweils kleine Besuchergruppen – zeitlich gestaffelt und an verschiedenen Stationen – geben. „Dieses etwas andere Wald leuchtet und weitere Einzelveranstaltungen bis Ende des Jahres sollen zumindest wieder etwas Kulturgenuss ermöglichen“, so der Vereinsvorsitzende Peter Wirtz.

Viele Pläne hat auch Frank Decker, „aber alles in den blauen Dunst hinein, weil keiner sagen kann, was möglich ist“. Geplant hat er vom 10. bis 19. September wieder eine Pop-up-Kirmes an der Klingenhalle. Es sei aber nicht klar, ob nach dem 19. August die Inzidenzstufe 3 mit strengeren Regeln weiter ausgesetzt bleibt. „Technik, eventuelle Einzäunung, Schausteller – das alles ist nicht in drei Tagen planbar“, skizziert er das Problem. Der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt, den er ebenfalls organisiert, brauche hingegen keine allzu lange Vorbereitung – abgesehen von 14 Tagen Aufbauzeit, weil sich die Abläufe immer wiederholen. „Bis spätestens Ende Oktober muss aber klar sein, ob ein offener Weihnachtsmarkt möglich ist, oder nur ein begrenzter Bereich mit 3G-Regeln.“

Vorstellen könnte Frank Decker sich einen kleinen Markt in den Clemens-Galerien, „die Händler aus der Gegend wären auf Zuruf greifbar“. Die Alternative mit Eingrenzung und Einlasskontrolle sei finanziell kaum vorstellbar. „Allein zwei Personen Sicherheitsdienst kosten für den Monat fast 15 000 Euro zusätzlich.“ Das rechne sich nicht.

Standpunkt: Eine vertrackte Situation

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Die Situation für die Veranstalter ist vertrackt. Sie stehen seit Monaten in den Startlöchern, um endlich wieder Feste und Konzerte durchführen zu können. Und gerade diese Branche hat seit anderthalb Jahren nahezu keine Beschäftigung und kein Einkommen gehabt. Verständlich ist der Wunsch, endlich Planungssicherheit zu bekommen. Aber die wird es nicht geben, so lange Besucherzahlen und Einlassregeln ausschließlich von der aktuell gültigen Inzidenz abhängen. Deshalb bleibt zu hoffen, dass in der kommenden Woche ein längerfristiges Konzept vom Land aufgestellt wird. Denn neben der Inzidenz müssen auch der Impffortschritt und die Aus- oder Überlastung der Krankenhäuser stärker mit einbezogen werden. Aber auch die Veranstalter werden mit neuen Konzepten auf die veränderte Situation reagieren müssen. Andererseits ist ein Konzert vor 100 Zuhörern oder ein Weihnachtsmarkt mit Einlasskontrolle kaum wirtschaftlich umzusetzen. Vertrackt!

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