Coronavirus

Stadt Solingen rügt Impf-Chaos von Land und KV

Nach wie vor gibt es Schwierigkeiten einen Termin für eine Impfung zu erhalten.
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Nach wie vor gibt es Schwierigkeiten, einen Termin für eine Impfung zu erhalten.

Bei Überprüfung der neuen Mutanten ist Solingen Vorreiter – britische Mutation ist in neun Fällen nachgewiesen.

  • Stadtspitze thematisiert bei ihrer wöchentlichen Pressekonferenz das Chaos bei der Vergabe von Impfterminen.
  • Ausstehende Impfungen in Senioreneinrichtungen sollen wohl am Montag fortgesetzt werden.
  • Entspannung gibt es in Solingen beim Inzidenzwert, allerdings gab es auch wieder einige Positiv-Tests.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Das Chaos bei der landesweiten Vergabe der Impftermine für die über 80-Jährigen war am Donnerstag auch Hauptthema bei der digitalen Pressekonferenz der Stadtspitze. „Wäre unser Angebot, die Terminvergabe hier in der Stadt zu organisieren, angenommen worden, wären wir weiter gekommen“, kritisiert Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) die zentrale Terminvergabe über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein. Und der Leiter des Solinger Impfzentrums Udo Stock formuliert es noch drastischer: „Es ist ein Chaos. Wir haben uns aufs Schlimmste eingestellt, aber es kam noch schlimmer.“

Die vielen Probleme und offenen Fragen habe auch die Stadt permanent an das NRW-Gesundheitsministerium und die KV weitergeleitet. Als Antwort habe es bislang nur einen Hinweis auf technische Probleme gegeben. „Aber wir werden nicht ruhen, bis wir Antworten auf unsere Fragen bekommen“, zeigte sich Kurzbach verärgert über die Abläufe.

Auch in der ST-Redaktion waren in den vergangenen Tagen unzählige Anrufe von über 80-Jährigen oder deren Angehörigen eingegangen. Nach wie vor sei sowohl die Telefonhotline (08 00) 116 117 01 überlastet. Auch online sei über www.116117.de kein Termin mehr zu vereinbaren. „Es fehlt der Hinweis, wann das wieder möglich ist“, so die Kritik vieler Anrufer. Problematisch ist zudem auch das Herunterladen der Impfunterlagen, wenn denn ein Termin vereinbart ist. Auch kann man mit einer E-Mail-Adresse nur für eine Person einen Termin vereinbaren – ein Missstand, den die KV bestätigte.

Die Stadt drängt beim Gesundheitsministerium auch darauf, zu erfahren, wie viele Impftermine für Solingen bislang vergeben wurden und wie viel Impfstoff zur Verfügung steht. „Und ich will auch wissen, wie das Prozedere ab dem 8. Februar ist“, betonte Kurzbach.

Die noch ausstehenden Impfungen in den Senioreneinrichtungen, die in der vergangenen Woche wegen Impfstoff-Mangels gestoppt werden mussten, sollen wohl ab nächsten Montag weitergehen. Bislang haben 3024 Bewohner und Mitarbeiter dort eine Erstimpfung erhalten, 1444 von ihnen auch schon eine zweite Impfung. „483 Bewohner und Mitarbeiter müssen noch geimpft werden“, erklärte Udo Stock.

Eine vorsichtige Entspannung konnte Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, bei den Infektionszahlen vermelden. „Gestern wurden beispielsweise 24 neue Infektionen gemeldet, um auf eine Inzidenz von 50 zu kommen, dürften es aber nur 11 oder 12 Fälle pro Tag sein“, erklärte sie.

Stadt Solingen lässt Positiv-Ergebnisse weiter auf Mutation testen

Die Stadt verfolgt weiterhin den Weg, positive Tests auf eine mögliche Mutation hin untersuchen zu lassen. „84 Proben haben wir bislang zur Uniklinik Köln geschickt, 79 Ergebnisse liegen vor, darunter waren sechs Proben mit der britischen Mutation B.1.1.7.“ Insgesamt haben sich somit neun Solinger mit dieser deutlich ansteckenderen Virus-Mutation infiziert. Die Stadt geht deshalb von einem Anteil von etwa 10 Prozent bei den Gesamt-Infektionen aus.

Auch über die geplanten 100 Proben hinaus will die Stadt weitere Tests untersuchen lassen. „Als wir nach Neujahr beschlossen haben, diese zusätzlichen Tests auf eigene Kosten durchführen zu lassen, waren wir landesweit Vorreiter“, so Kurzbach. „Und wenn das NRW-Gesundheitsministerium von elf mit der Mutation Getesteten spricht und wir hier schon neun haben, sind wir wohl in Solingen näher an der Wahrheit dran.“ Auch mit Wissenschaftlern der Berliner Charité und der Uni Köln sei man im Gespräch zu diesem Thema. „Das Interesse auch an dieser Etappe des ,Solinger Wegs‘ ist groß“, so Kurzbach.

Da offensichtlich auch die Verteilung von FFP2-Masken an Bedürftige bundesweit geregelt werden soll, kommentierte auch Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) den „zentralistischen Wahnsinn“: „Bund und Land sollen die Rahmenbedingungen schaffen, damit wir vor Ort agieren können.“

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Distanzunterricht

Schulen: Das Land hat jetzt zugelassen, dass die Schulen Kindern, die zu Hause keine Möglichkeiten zum Lernen haben, in der Schule Räume anbieten können, um am Distanzunterricht teilzunehmen. „Ich hoffe ab dem 14. Februar auf ein Wechselmodell mit festen Lerngruppen“, so Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne).

Standpunkt

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Technische Probleme, fehlende Informationen und mangelnde Transparenz machen den Auftakt für die Terminvergabe der Impfungen zu einem Trauerspiel. Die Verärgerung der Senioren, die sich seit vier Tagen die Finger wund wählen, ist absolut nachzuvollziehen. Nachzuvollziehen ist nicht, warum auf der landesweiten Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung nicht ganz klar mitgeteilt wird, wann wieder Termine verfügbar sind. Nachzuvollziehen ist ebenfalls nicht, warum es ständig unterschiedliche Antworten auf die Frage gibt, ob man sich die Formblätter, die man beim Impftermin mitbringen soll, auch blanko selbst von der Seite des Gesundheitsamtes ausdrucken und ausfüllen darf. Das haben viele pfiffige Senioren schon gemacht. Falls das nicht gestattet ist und beim Impfen vor Ort zu Problemen führt, ist das nächste Chaos vorprogrammiert. Ganz zu schweigen von offensichtlich in anderen Städten doppelt belegten Impfterminen. Das Land muss schnellstmöglich nachbessern und vor allen Dingen Transparenz schaffen – auch bei den Problemen. Sonst ist das Vertrauen in die Impfung schnell verspielt.

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