Impfzentrum nicht ausgelastet

3600 Impftermine wurden abgesagt - am Montag soll es weitergehen

Aktuell kann im Impfzentrum nur der Impfstoff von Biontech/Pfizer verimpft werden. Foto: Michael Schütz
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Aktuell kann im Solinger Impfzentrum nur der Impfstoff von Biontech/Pfizer verimpft werden.

Die Solinger Verwaltungsspitze kritisiert den Schlingerkurs von Bund und Land zum Astrazeneca-Impfstoff. Die Lolli-Tests soll es unterdessen bald auch in Solinger Grundschulen geben.

+++Update 19. März 10 Uhr+++ Impfzentrum setzt Astrazeneca-Impfung fort - Am Montag soll es weitergehen

Solingen. Die Impfung mit Astrazeneca wird ab sofort wieder aufgenommen. Das teilt das Solinger Impfzentrum mit. Ausschlaggebend ist die Einschätzung der Europäischen Arzneimittel Agentur (EMA) und des Paul-Ehrlich-Instituts. Danach wird der Impfstoff als unbedenklich eingestuft. „Wir benachrichtigen jetzt sofort alle Personen, deren Termine storniert worden sind“, erklärt Udo Stock, Leiter des Solinger Impfzentrums. Die Betroffenen werden per Mail angeschrieben und darum gebeten, einen neuen Termin zu vereinbaren. Stock geht davon aus, dass ab Montag wieder Termine vergeben werden.

Insgesamt waren durch den vorübergehenden Impfstopp 3600 Termine storniert worden - 1800 Erst- und 1800 Zweittermine. Diese sind nun erneut zu vereinbaren sind. Betroffen sind Mitarbeitende aus Kindertagesstätten, Förderschulen, Grundschulen sowie aus Medizinischen Berufen. Stock ist zuversichtlich, dass es gelingt, deren Impftermine nun zügig nachzuholen. Er erwartet, dass es innerhalb der kommenden Woche gelingt, die Impfung der vorgezogenen Personengruppen abzuschließen. „Wir sind hier sehr gut auf dem Weg.“

Hier unser Text vom 18. März: Coronavirus: Stadt hofft auf Astrazeneca-Impfstoff

Solingen. Der vorläufige Stopp der Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin sei zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt gekommen, bedauert Udo Stock, Leiter des Solinger Impfzentrums. „Bis Ende dieser Woche wären wir mit der Impfung der Erzieher sowie der Grund- und Förderschullehrer durch gewesen.“ Stattdessen mussten 1800 Erstimpfungen und 1800 Zweitimpfungen mit Astrazeneca, die bis Ende März schon für berufliche Sondergruppen terminiert waren, vorläufig abgesagt werden. „Wir warten jetzt darauf, wie es weitergeht“, erklärte Stock am Donnerstag bei der digitalen Pressekonferenz der Stadtspitze.

Warten, das müssen auch noch die 900 Solinger mit Vorerkrankungen, die sich mit einem ärztlichen Attest an die Stadt gewandt haben, um im Rahmen der Einzelfallregelung einen vorgezogenen Impftermin zu bekommen. „Da die Vorgaben, ab wann diese Personen bei den Hausärzten geimpft werden können, vom Land noch nicht gemacht wurden, können wir keine Impftermine vergeben“, bedauert Udo Stock.

Solingen: Impfzentrum ist mit 250 Terminen täglich nicht ausgelastet

Auch Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) zeigte sich verärgert über die fehlenden Strategien von Bund und Land. „Wenn man beispielsweise die vom Land zurückgehaltenen Impfdosen herausgeben würde – wir könnten mit Mann und Maus impfen.“ Derzeit können im Impfzentrum stattdessen nur die wöchentlich zugeteilten 1774 Dosen von Biontech-Pfizer (je 887 für Erst- und Zweitimpfungen) verimpft werden.

Mit etwa 250 Terminen pro Tag ist das Impfzentrum im ehemaligen Kaufhof-Gebäude bei Weitem nicht ausgelastet. „Wenn Astrazeneca ganz oder für bestimmte Gruppen wieder empfohlen wird, könnten wir mit wenigen Tagen Vorlauf, um die Termine neu zu vergeben, am nächsten Freitag wieder mit dem Impfen starten“, skizziert Stock das Konzept. Ein erstes positives Signal: Donnerstagabend empfahl die Europäische Arzneimittelbehörde EMA die Fortsetzung der Astrazeneca-Impfungen.

Auf klare Vorgaben wartet die Stadt auch noch mit Blick auf den vor zwei Wochen von der Ministerpräsidentenrunde vorgegebenen Stufenplan. Ursprünglich war angekündigt, dass es bei einer Inzidenz unter 100 ab dem 22. März weitere Lockerungen geben kann. „Das ist aber noch kein Erlass“, zeigt sich Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) angesichts einer Solinger Inzidenz von aktuell 116 und einer Landesinzidenz von über 92 skeptisch, dass es Lockerungen geben kann. „Allerdings sind trotz unserer Inzidenz von über 100 in Solingen derzeit auch keine weiteren Einschränkungen geplant, da die Infektionen vom Gesundheitsamt noch gut nachzuvollziehen sind“, so Jan Welzel.

853 Solinger sind derzeit in Quarantäne und werden vom Gesundheitsamt betreut, darunter 236 Kita-Kinder und Schüler. Sorge bereitet Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, dass die Erkrankten im Durchschnitt jünger sind als noch Anfang des Jahres. Mit 15 schwer Erkrankten auf der Intensivstation in Bethanien sei das Solinger Kliniksystem aber noch gut handlungsfähig. Weiterhin liege der Anteil der britischen Mutation bei den positiv Getesteten bei etwa 67 Prozent.

Solingen: Corona: Lolli-Tests werden auf alle Kitas ausgeweitet

Viel zu testen sei neben dem Impfen deshalb die zweite wichtige Säule, betont Tim Kurzbach. Die Stadt will deshalb die sogenannten „Lolli-Tests“ von den Innenstadt-Kitas jetzt auf alle 95 Einrichtungen im gesamten Stadtgebiet ausweiten. Schon in der nächsten Woche soll es Gespräche mit den Trägern geben. „Auch die Ausweitung der Lolli-Tests auf die Grundschulen soll noch vor Ostern thematisiert werden“, erklärte Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne).

Bei den Tests in den Kitas, die seit knapp zwei Wochen laufen, war bislang nur ein positiver Fall entdeckt worden. „Das lässt hoffen, dass die Dunkelziffer doch nicht so hoch ist wie befürchtet“, so Dr. Annette Heibges. Bei den Selbsttests in den Schulen, die gestern gestartet sind und heute sowie in der nächsten Woche weitergehen, gab es bislang drei auffällige Ergebnisse.

Stadtchef Kurzbach hofft jetzt auf schnelle Beschlüsse der Ministerpräsidentenrunde am Montag. „Man muss die Wahrheiten endlich aussprechen und dementsprechend handeln. Ich erwarte jetzt ein Impfszenario, das funktioniert, und Teststrategien, die in der Breite der Bevölkerung wirken. Und ich erwarte ein Ende des Schlingerkurses. Die Politiker in Bund und Land müssen jetzt endlich Verantwortung beim Weg aus der Pandemie übernehmen.“

Covid-19-Opfer

Todesfall: Eine weitere Person aus Solingen ist mit oder an einer Covid-19-Erkrankung gestorben. „Es handelt sich um eine 69-jährige Frau, die an Vorerkrankungen litt“, teilte die Stadt am Donnerstag mit. Damit stieg die Zahl aller Corona-Toten seit Ausbruch der Pandemie in der Klingenstadt auf 149. Alle aktuellen Nachrichten rund um die Coronavirus-Lage in Solingen lesen Sie in unserem Corona-Blog.

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