Pandemie

Schulleiter in Solingen wollen behutsame Öffnung der Schulen

Seit dieser Woche lernen die meisten Solinger Schüler wieder ausschließlich zu Hause. Für die Jahrgänge 1 bis 6 gibt es eine Notbetreuung an den Schulen. Foto: Christian Beier
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Seit Wochen lernen die meisten Solinger Schüler wieder ausschließlich zu Hause. Für die Jahrgänge 1 bis 6 gibt es eine Notbetreuung an den Schulen. 

In dieser Woche wird entschieden, wie es an den Schulen weitergeht.

  • Seit Wochen lernen die meisten Schüler in Solingen beim Homeschooling.
  • Am Mittwoch beraten Kanzlerin Merkel und die Länderchefs über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise.
  • Die Schulleiter in Solingen wünschen sich vor allem eine bessere Kommunikation des NRW-Schulministeriums.

Solingen. Wie geht es an den Schulen weiter? Das ist die wohl spannendste Frage mit Blick auf den Corona-Gipfel am Mittwoch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten. Was wünschen sich die, die die Beschlüsse vor Ort umsetzen müssen? Das ST hat mit Solinger Schulleitern gesprochen.

Bei der Diskussion um mögliche Öffnungen werden die Grundschulen und die Förderschulen meist als erste genannt. Sabine Riffi, Rektorin der Grundschule Uhlandstraße, wünscht sich eine Rückkehr zum Präsenzunterricht. „Kinder brauchen die Schule.“ Der Distanzunterricht – auch mit Einsatz von Videokonferenzen – funktioniere „gerade ganz gut – aber mit einem unglaublichen Einsatz der Lehrer, um alle Kinder zu erreichen.“ Doch die Eltern meldeten, dass die Motivation ihrer Kinder, sich zu Hause an den Schreibtisch zu setzen, sinke. Tageweiser Wechselunterricht könne eine Zwischenlösung sein.

„Es ist ein Unterschied, ob man vor Ort oder aus der Distanz an den Kindern dranzubleiben versucht“, sagt auch Alexandra Neugebauer, Rektorin der Grundschule Klauberg. Dort laufe der Distanzunterricht mit anderthalb Stunden Videokonferenz pro Tag für alle Kinder sehr gut. Neugebauer plädiert für eine schrittweise Öffnung der Schulen, „aber abhängig vom Infektionsgeschehen vor Ort. Es sollte eine sehr, sehr vorsichtige Wiederaufnahme des Unterrichts geben, wenn die Inzidenz um 50 liegt.“ Das könnte am besten im tageweisen Wechsel erfolgen. Wichtig wäre zudem eine Maskenpflicht auch in Grundschulen.

Auch Ingrid Lebeck, Leiterin der Wilhelm-Hartschen-Schule, hält Wechselunterricht mit kleinen Gruppen für vorstellbar. Unabdingbar sei jedoch, dass in den Klassen genug Abstand gehalten werden könne. Denn für die zum Teil schwerstbehinderten Schüler wäre eine Coronainfektion äußerst gefährlich. „Wir hatten bislang keinen Coronafall in der Schule, und ich möchte, dass das so bleibt.“ Und im Distanzunterricht stellten ihre Kollegen Großartiges auf die Beine, vom Backen per Videokonferenz bis hin zu Youtube-Videos. „Aber natürlich ist Präsenzunterricht besser.“

„Kinder brauchen die Schule.“

Sabine Riffi, Rektorin der Grundschule Uhlandstraße

Die weiterführenden Schulen haben vor allem ihre Abschlussklassen im Blick. „Wir würden zuerst unsere Abiturienten in der Q2 gerne wieder in Präsenz beschulen“, sagt Monika Schneider, Direktorin der August-Dicke-Schule. „Denn in der Vorbereitungsphase auf das Abitur ist auch das soziale Miteinander ganz wichtig.“ Wechselunterricht in kleinen Gruppen sei möglich. „Umfassende Hygienekonzepte liegen vor. Eine Pflicht für FFP2- oder medizinische Masken würde ich mir wünschen.“

Auch Mirjana Amtmann, stellvertretende Leiterin der Friedrich-Albert-Lange-Schule, hält eine vorsichtige Öffnung zunächst mit den Abschlussklassen für umsetzbar. „Für die zehnten Klassen und die Abiturienten würde ich mir das wünschen.“ Sie seien angesichts der Pandemie, die nun fast ein Jahr dauert, die am meisten gebeutelten. „Die Schüler haben ein Recht auf eine gute Vorbereitung.“ Und Distanzlernen sei mit Präsenzunterricht nicht gleichzusetzen. „Sozialkontakte verkümmern, da bringen auch Videokonferenzen nichts.“

Das bestätigt auch Michael Becker, Leiter des Technischen Berufskollegs: „Wir merken, dass der Distanzunterricht vielen Schülern nicht gut tut, dass sie einsam sind.“ Das Beratungsteam, zu dem auch Sozialarbeiter gehören, verzeichne überproportionalen Beratungsbedarf. Für seine Schulform mit der großen Bandbreite an Ausbildungsgängen wünscht sich Becker vor allem eins: Flexibilität. „Wir würden am liebsten bis März mit Distanzunterricht weitermachen. Dann hätten wir gerne die Freiheit, selbst zu entscheiden, welche Schüler wir in die Schule holen können und müssen.“ Metallografen müssten zum Beispiel wieder mit dem Mikroskop arbeiten können, Oberflächenbeschichter ins Labor. Die Öffnung müsse schrittweise gehen, so Becker. „Wenn wir alle Abschlussklassen gleichzeitig zurückholen, sind das gleich 350 Schüler.“

Ein Wunsch eint die Leiter aller Schulformen: Sie fordern, dass das NRW-Schulministerium mit einigen Tagen Vorlauf informiert, wie es weitergehen soll.

Karneval

Die Solinger Schulen halten an den beweglichen Ferientagen über Karneval fest. So sind in den meisten Schulen der kommende Freitag, 12. Februar, sowie Rosenmontag und Dienstag, 15. und 16. Februar, unterrichtsfrei. Ein Aufschieben der freien Tage ins Frühjahr sei schwierig.

Standpunkt

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Andreas Tews

Eltern, Kinder und Schulen brauchen jetzt vor allem eines: Klarheit. Sie brauchen mehr als immer wieder stattfindende Konferenzen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten, bei denen jedes Mal aufs Neue Beschlüsse für die nächsten zwei Wochen gefasst werden, die dann nicht selten wenige Stunden nach dem Beschluss von einigen Länderchefs wieder relativiert oder unterlaufen werden. Eltern und Schulen brauchen eine längerfristige Perspektive mit klaren Regeln, auf die sie sich einstellen können. Dazu gehören intelligente Ideen für eine allmähliche Rückkehr zum Präsenzunterricht. Die müssen über das Klasse-voll-und-dann-öfter-lüften-Konzept der NRW-Landesregierung und das inhaltsleere Alte-Ideen-Papier der Bundesbildungsministerin hinausgehen. Und die Kinder – vor allem die jüngsten – haben es verdient, dass wir über die Konsequenzen aus den langen Schulschließungsphasen sprechen. Dazu gehört eine ehrliche Diskussion darüber, wie sie in ihrer Schullaufbahn den versäumten Stoff wieder aufholen können. In all diesen Punkten darf es keine Denkverbote geben.

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